Hilde Wunderlich kann das Vorgehen der Behörde im Falle einer Flüchtlingsfamilie nicht nachvollziehen.
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Hilde Wunderlich kann das Vorgehen der Behörde im Falle einer Flüchtlingsfamilie nicht nachvollziehen (Symbolbild).

Bockhornerin kritisiert Vorgehen der Behörde

Covid-19 in Flüchtlingsfamilie: Asylhelferin ist sauer aufs Gesundheitsamt

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Hilde Wunderlich ist sauer. Sauer aufs Gesundheitsamt. Die Bockhornerin hilft einer Flüchtlingsfamilie beim Homeschooling. Als nun ein positiver Corona-Fall in deren Umfeld auftrat, wollte die 75-Jährige, dass sich die Familie testen lässt, bevor sie wieder zum Unterricht mit der Tochter in Kontakt tritt. Die Behörde befand das als nicht notwendig – und später war ein Familienmitglied tatsächlich infiziert.

Bockhorn - „Ich bin empört“, schimpft Wunderlich, die zur Risikogruppe gehört. Das Gesundheitsamt hält auf Nachfrage unserer Zeitung dagegen.

Doch von vorne. Die Rentnerin kümmert sich schon seit ein paar Jahren um die Familie mit vier Kindern, die 2015 aus Eritrea nach Deutschland gekommen ist. Wunderlich leistet der zwölfjährigen Tochter Hilfe beim Unterricht daheim. „Sie kommt zweimal wöchentlich zu mir“, erzählt Wunderlich.

Sie berichtet, dass am Freitag vor eineinhalb Wochen ein weiterer Helfer, der die Familie unterstützt, positiv auf Covid-19 getestet worden sei. „Er gab an, dass er mit der Familie Kontakt hatte“, erzählt Wunderlich, die nun darauf bestand, dass sich die Familie testen lässt, bevor sie der Tochter wieder Unterricht gibt. Sie habe sich selbst schützen wollen, mit ihren 75 Jahren gehöre sie schließlich zur Risikogruppe.

Das Gesundheitsamt habe es jedoch nicht für notwendig befunden, dass die Familie getestet wird. „Das sei kein Erstkontakt“, zitiert Wunderlich die Behörde. Sie habe jedoch auf einem Test bestanden, weil sie sonst ihre Hilfe im Homeschooling einstellen würde.

So machte die Familie letztlich doch einen Abstrich, und zwar am Montag vor einer Woche. Zwei Tage später kam das Ergebnis: Der 14-jährige Sohn war positiv. Dieser sei noch am Freitag zuvor beim Zahnarzt gewesen. Deshalb stellte sich der Familie die Frage, ob er der Praxis Bescheid geben müsse. Laut Gesundheitsamt nicht nötig, berichtet Wunderlich.

„So ein Verhalten konterkariert alle gesetzlichen Maßnahmen, unter denen wir derzeit zu leiden haben. So werden Ansteckungsketten nicht unterbrochen, wenn man sich auf das Gesundheitsamt verlässt“, kritisiert die Bockhornerin. „Wenn ich mich nur auf das Amt verlassen hätte, hätte ich mich anstecken können. In meinem Alter hätte Corona einen schlimmen Verlauf nehmen können. So werden Intensivbetten nie leerer“, schimpft Wunderlich.

Unsere Zeitung hat beim Landratsamt, dem das Gesundheitsamt unterstellt ist, nachgefragt. „Der Junge war symptomfrei, als er am 25. Januar abgestrichen wurde. Deshalb wird laut Richtlinien des Robert-Koch-Instituts 48 Stunden zurückgerechnet. Dementsprechend musste der Zahnarzt, den er am 22. Januar besucht hat, nicht informiert werden“, teilt Sprecherin Claudia-Fiebrandt-Kirmeyer mit. Auch auf mehrmalige Nachfrage habe der 14-Jährige angegeben, außerhalb der Familie keine Kontakte gehabt zu haben. Dementsprechend sei Wunderlichs Aussage, sie hätte sich locker selbst anstecken können, nicht nachzuvollziehen.

Diese Worte überzeugen die 75-Jährige nicht. „Wenn ich nicht darauf bestanden hätte, dass getestet wird, wäre der Fall gar nicht aufgekommen. Die Familie hätte sich munter und fröhlich mit wem auch immer treffen können.“ Man könne auch, ohne dass man schon Symptome zeige, andere Personen anstecken. Ihrer Meinung nach wäre es richtig gewesen, auch besagter Zahnarztpraxis Bescheid zu geben.

Zum generellen Vorgehen bei positiven Fällen berichtet Behördensprecherin Fiebrandt-Kirmeyer: „Wenn ein positiver Fall auftritt, wird die betreffende Person eingehend befragt, inwieweit und mit wem sie in der infektiösen Zeit Kontakt hatte. Die Familienmitglieder gehören in aller Regel zu den engen Kontaktpersonen und werden getestet. Diejenigen, die in der infektiösen Zeit keinen nennenswerten Kontakt hatten – also zu großer Abstand oder nur über kurze Zeit – , sollen sich selbst beobachten, müssen sich aber zunächst auch nicht testen lassen.“

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