Im Kümmelfeld: Bernadette Lex (M.) mit Schwester Raphaela (l.) und Siglinde Pointner, die den Kümmel für ihren Edelbrand verwendet.
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Im Kümmelfeld: Bernadette Lex (M.) mit Schwester Raphaela (l.) und Siglinde Pointner, die den Kümmel für ihren Edelbrand verwendet.

Emlinger Betrieb ausgezeichnet – Regen und Kälte: Ernte heuer besonders schwierig

Biohof Lex: Staatsmedaille für ökologische Pionierarbeit

  • Markus Schwarzkugler
    VonMarkus Schwarzkugler
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Große Ehre für den Biohof Lex in Emling (Gemeinde Bockhorn): Der Pionierbetrieb im ökologischen Landbau hat die Staatsmedaille des Freistaats Bayern erhalten.

Emling – Regen und Kälte in einem nicht so wirklich vorhandenen Sommer haben heuer die Ernte für viele Landwirte beträchtlich erschwert. „Es war ein schwieriges Jahr für Bauern“, sagt Bernadette Lex aus Emling in der Gemeinde Bockhorn. Über ihren eigenen Biohof sagt sie sogar: „Es war das schwierigste Jahr, das wir je hatten.“ Und wegen des Dauerregens am Montag seien auch noch Felder unter Wasser gestanden. Quasi Balsam für die Seele ist da eine hohe Auszeichnung, die Lex am Dienstag bei einem Festakt in der Allerheiligen-Hofkirche in der Münchner Residenz entgegennehmen durfte: Sie erhielt eine von 15 Staatsmedaillen des Freistaats Bayern. Zum Auftakt der Biohof-Erlebnistage wurden Menschen für ihre Verdienste um den Öko-Landbau geehrt.

„Das ist eine große Auszeichnung für uns“, sagt die 43-Jährige am Tag danach. Sie habe die Medaille stellvertretend für alle auf dem Hof entgegengenommen, vor allem gebühre die Auszeichnung aber ihrem Vater Lorenz Lex (74), der den auf ökologischen Landbau ausgerichteten Pionierbetrieb vor über 40 Jahren gestartet hat.

Die Familie betreibt auch ehrenamtliche Arbeit etwa für Tagwerk und Naturland. Es gehe darum, den Bio-Anbau nicht nur auf dem eigenen Hof umzusetzen, sondern auch anderswo. Die Staatsregierung habe das Ziel ausgegeben, den Anteil der ökologischen Landwirtschaft bis 2030 auf 30 Prozent anwachsen zu lassen. „Viele informieren sich bei uns über die Umstellung auf Ökolandbau“, sagt Bernadette Lex.

Der Biohof Lex bewirtschaftet 200 Hektar Fläche. Seine beiden Hauptstandbeine sind Direktvermarktung und Saatgutvermehrung. Rund 25 Kulturen gedeihen auf seinen Feldern – zum Beispiel Hanf, Sojabohnen, Mohn, diverse Urgetreidearten, Schafgarbe, Wilde Möhren oder auch Fenchel und Kümmel.

Große Ehre für den Biohof Lex in Emling. Für ihn gab es gestern die Staatsmedaille für seine Pionierarbeit im ökologischen Landbau. Das Bild zeigt Bernadette Lex mit Hubert Bittlmayer (l.), Amtschef im Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forstern, und Hubert Heigl, Vorsitzender der Landesvereinigung für ökologischen Landbau.

Klimakatastrophen, steigende Wasserspiegel – man müsse dem Klimawandel mit verschiedenen Kulturen standhalten, findet Lex. Fast die ganze Familie ist auf ihrem Hof beschäftigt. Neben der Agraringenieurin sind das ihre Schwester Raphaela (26), ihre Eltern Elisabeth und Lorenz, und dazu diverse feste Mitarbeiter, Praktikanten und seit September nun wieder zwei Azubis. Drei Auszubildende sind auf dem Hof eben erst fertig geworden. Dort wird entsprechend seiner Ausrichtung noch viel in Handarbeit erledigt. „Wir haben ein junges, motivertes Team“, sagt Lex zufrieden.

Hinsichtlich der heuer schwierigen Ernte ist sie erleichtert, „dass wir Mähdrescher haben und selber trocknen können“. Zudem arbeite man mit anderen Landwirten zusammen. Eben erst geerntet worden ist beispielsweise der Kümmel, gerade sei dieser in Reinigung. „Bei dem Regen wäre er verschimmelt“, sagt Lex.

Bis zu seiner Ernte hing in Emling noch ein intensives Aroma in der Luft: Immerhin misst das Feld mit Wiesenkümmel zwei Hektar. Es handelt sich um eine besonders geschmacksintensive Sorte, die sich als Speisekümmel eignet. Für den Menschen und die Natur ist die einheimische Sorte laut Lex einfach wunderbar: Es summt und brummt, und während der Blütezeit lockte der voller Doldenblüten weiß leuchtende Acker zahlreiche Insekten an. „Obwohl das Feld etwas versteckt liegt, haben wir manchmal Radlfahrer getroffen, die einfach wissen wollten, was da blüht, und die dem Auge und der Nase nachgefahren sind“, sagt Lex.

Die Samenkörner, die aus wild wachsenden Stammpflanzen vermehrt sind, werden an Hersteller von Saatgutblühmischungen geliefert. Der Kümmel ist auch im Hofladen erhältlich. Unter anderem sind Benedikt und Siglinde Pointer aus Pemmering (Isen) Abnehmer. Sie verwenden bei der Herstellung ihrer Edelbrände handverlesene Früchte der Region, eben etwa für ihren Bio-Kümmelbrand.

Seit zwei Jahren befasst sich die Familie Lex mit dem Anbau von Kümmel. Nicht immer gelang anfangs alles nach Wunsch. Die experimentierfreudigen Landwirte mussten erst Erfahrungen sammeln und dabei auch Lehrgeld bezahlen. „Wir haben viel Handarbeit reingesteckt. Die Ernte war auch ein sportliches Abenteuer, und wir mussten erst einmal den ganzen Mähdreschertank von Hand ausleeren, weil sich die Kümmelkörner einfach so gespreizt haben,“ so die Biobäuerin.

Am Anfang war es sehr schwierig, den Kümmel beikrautfrei zu bekommen, weil er ein sehr langes Jugendwachstum habe. „Wir mussten den Acker etliche Male hacken und auch von Hand Wildkräuter entfernen“, informiert Lex.

Geerntet wurde der Kümmel mit einem Rotordrescher, weil dieser ganz schonend arbeitet und auch wenig Bodendruck verursacht. Bei extrem nasser Witterung wird mit Zwillingsbereifung gefahren und so der Boden geschont. Den Wiesenkümmel kann man erst im zweiten Jahr ernten. Das erste Jahr braucht die Gewürz- und Heilpflanze für sich selbst.

Die ganze Gegend hat wochenlang nach Kümmel gerochen, vor allem nach der Ernte. Eine schonende Trocknung für ein bestmögliches Aroma benötigt Lex zufolge mehrere Tage und Nächte. „Wir bauen solche Pflanzen sehr gerne an, weil sie gut sind für den Boden, die Biodiversität, die Insekten und vor allem auch für den Menschen,“ betont Lex. Denn Kümmel sei ja von jeher ein heilendes und verdauungsförderndes Gewürz, das in vielen Gerichten und beim Brotbacken verwendet werde.

Markus Schwarzkugler, Peter Bauersachs

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