Rot markiert sind auf dieser Karte im Gemeindegebiet Bockhorn der von der Telekom gewünschte Standort im Gewerbegebiet Mauggen (Bildmitte) sowie drei weitere Punkte eingezeichnet, die ein Fachbüro für Mobilfunk-Strahlung geprüft hat. Der Gemeinderat stimmte letztlich für Standort bei Mauggen. KArte: Gemeinde Bockhorn/Funktechanalyse.de
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Rot markiert sind auf dieser Karte im Gemeindegebiet Bockhorn der von der Telekom gewünschte Standort im Gewerbegebiet Mauggen (Bildmitte) sowie drei weitere Punkte eingezeichnet, die ein Fachbüro für Mobilfunk-Strahlung geprüft hat. Der Gemeinderat stimmte letztlich für Standort bei Mauggen.

Gemeinderat stimmt mehrheitlich zu

Strahlendes Streitobjekt: 30-Meter-Sendemast kommt ins Mauggener Gewerbegebiet

Vier Standorte, viele Zuhörer: In einer langen Bockhorner Gemeinderatssitzung ist die Entscheidung in Sachen Telekom-Funkmast gefallen.

Bockhorn – Kurz vor 21.30 Uhr fiel am Donnerstagabend die Entscheidung: Mit 12:5 Stimmen votierte der Bockhorner Gemeinderat für den Vorschlag der Deutschen Telekom, im Gewerbegebiet Mauggen einen 30 Meter hohen Funkmast zu errichten. Der Standort soll auf dem Areal des Wasserzweckverbands Erding-Ost sein. Dieser hat nun vom Gemeinderat ein wichtiges Signal, dass er mit der Telekom handelseinig werden kann. Der Abstimmung war eine von vielen Besuchern begleitete Erläuterung aller zur Wahl stehenden Standorte durch ein Fachbüro vorausgegangen – und eine heftige Diskussion.

Für den Abend hatte die Verwaltung eigens einen großen Monitor und Mikrofone am Sitz jedes Gemeinderats in den Mehrzweckraum der Schule aufbauen lassen. Zunächst gab es – online zugeschaltet – eine Erklärung von Diplom-Ingenieur Hans Ulrich vom Münchner Büro „Funktechanalyse“. Diese Firma hatte alle vier möglichen Standorte hinsichtlich Strahlenschutz und effiziente Mobilfunk-Versorgung geprüft (siehe Kasten). Um die Bürgerschaft am Geschehen teilnehmen zu lassen, wurden die Gespräche in den Schulhof übertragen, wo viele Gäste gespannt zuhörten.

Bürgermeister Lorenz Angermaier (Freie Wähler/Bürgerliste Kirchasch) erklärte die Bedeutung des Themas: „Wir müssen nicht nur eine schwierige Abwägung für alle Bürger der Gemeinde treffen. Wir haben zudem Zeitdruck, denn die Deutsche Telekom wird sich von ihrem Angebot zurückziehen, wenn wir nicht bis Ende des Monats über den von ihr präferierten Standort Mauggen entscheiden.“ Außerdem könne es sein, dass ein privater Grundstückseigner in der Gemeinde einer anderen Mobilfunkfirma Platz anbiete, „auf den wir dann kaum Einfluss nehmen könnten“, so Angermaier weiter.

Er stellte klar, dass weder die Gemeinde oder er selbst der Telekom den Standort im Gewerbegebiet Mauggen angeboten haben, „wie eine Initiative hier am Ort behauptet“. Vielmehr habe die Telekom dem Wasserzweckverband Erding-Ost dort im Februar 2020 von sich aus das Angebot unterbreitet. „Damals war ich aber noch gar nicht Bürgermeister“, so Angermaier.

Die vier Standorte in der Experten-Bewertung

Vier Standorte hat das Ingenieurbüro „Funktechanalyse“ auf ihre Tauglichkeit untersucht und wie folgt bewertet. Neben dem von der Telekom favorisierten Gelände im Gewerbegebiet Mauggen waren dies drei weitere rein fiktive Optionen.

Ein Mast am Prüfpunkt A01 (auf einer Anhöhe bei Riedersheim) würde Bockhorn, Mauggen und Hecken mit optimalem bis stabilem Pegel abdecken, Mauggen aber, durch die größere Entfernung, nur eingeschränkt. Unterstrogn, Oberstrogn und Emling würden eingeschränkt bis stark eingeschränkt erreicht, Deimling, Oppolding und Eschlbach könnten eventuell einfacher versorgt werden.

Ein Mast am Prüfpunkt A07 (beim Waldbereich Leiten, auf einer Anhöhe Richtung Kirchasch) würde Mauggen, Kirchasch, Polzing mit optimalem bis stabilem Pegel abdecken. In Bockhorn, Breitasch, Englpolding, Unter- und Oberstrogn sowie Emling sei jedoch mit deutlichen Einschränkungen im Frequenzbereich zu rechnen.

Stehe ein Mast am Prüfpunkt A10 (westlich von Bockhorn, etwa mittig auf einer gedachten Luftlinie nach Emling) könnten Bockhorn und Oberstrogn optimal bis stabil abgedeckt werden, Mauggen und südöstliche Teile Bockhorns bereits eingeschränkt, ebenso – wegen des so genannten Abschattungseffekts – Emling und Unterstrogn.

Dazu die Telekom: „Unser Versorgungsziel ist Bockhorn und Mauggen. Daher sind die genannten Alternativen A01, A07 und A10 aufgrund der großen Entfernung zum Versorgungsziel und der eingeschränkten Nutzbarkeit nicht geeignet“.

Zum Prüfpunkt W02 im Gewerbegebiet Mauggen stellt das Fachbüro fest: „Ein Mast hier deckt Bockhorn, Mauggen und Oberstrogn mit optimalem bis stabilem Pegel ab. Mitnahmeeffekte hinsichtlich einer (…) einfacheren Weitversorgung bestehen z.B. für Unter- und Oberstrogn sowie für Emling.“ Ein höherer Mast bringe hier „spürbare Verbesserungen in entfernter liegenden Bereichen, hinzu kommen Mitnahmeeffekte hinsichtlich einer einfacheren Weitversorgung z.B. für Maierklopfen“.

Vor dem Hintergrund der Immissionsminimierung empfiehlt das Fachbüro, „eine noch größere Masthöhe ins Auge zu fassen, als derzeit mit 30 Metern geplant“. Selbst wenn später einmal neben der Telekom weitere Betreiber von diesem Mast aus senden sollten, wäre nach dem Experten Ulrich „die Strahlenbelastung insgesamt geringer, als wenn nur ein Betreiber etwa vom Dach des Rathauses aus arbeitet – denn es macht sehr viel aus, wo und wie hoch eine Sendeantenne steht“.

Bei vier geprüften Standorten für einen Sendemast, neben einem so genannten Referenzpunkt auf dem Bockhorner Rathausdach als Mess-Vergleich, konzentrierten sich die Fragen der Gemeinderäte vor allem auf mögliche Alternativen. So wollten Bernhard Stein (CSU) und Gottfried Widl (FW) wissen, ob ein weiterer Anbieter oder eine höhere Antenne in der Nähe von Kirchasch Vorteile bringen könnten. Andreas Scharl (FW) erwog gar eine Doppel-Lösung mit zwei Masten – an der B 388 im Gewerbegebiet Unterstrogn und in der Nähe von Kirchasch.

Beides hielt Experte Ulrich nicht für sinnvoll: „In Kirchasch würde wegen der ungünstigen Topografie selbst ein höherer Mast für Bockhorn und Mauggen, dem eigentlichen Versorgungsgebiet, keine Verbesserung sein. Zudem wäre bei allen Varianten, in denen eine Versorgung über mehrere Masten angedacht wird, ein Funk-Kauderwelsch die Folge: Das wäre vom Empfang für die Bockhorner etwa so, wie wenn aus drei verschiedenen Richtungen mit Megafonen in drei Sprachen auf einmal gesprochen würde.“

Auch für die Frage von Annelie Hinterwimmer (FW) nach der Notwendigkeit von 30 Metern Höhe hatte Ulrich eine Antwort: „Natürlich ist dabei der Eingriff ins Landschaftsbild erheblich. Doch grundsätzlich gilt: Je niedriger eine Antenne, desto größer die Strahlenbelastung für die nächste Umgebung, bei zugleich aber geringerer Sendeleistung.“

Bezogen auf Bewohner im nördlichen Teilort Mauggen, die trotz (oder gerade wegen) eines hohen Masts in ihren Häusern direkt Betroffene wären, fragte Thomas Fisch (FW) nach der effektiven Strahlenbelastung im Vergleich zu einem Handy etwa im Haus. Dazu Ulrich: „Die Strahlung von Wlan oder Smartphones in den Wohnräumen, vor allem bei Dauerbetrieb, dominiert klar gegenüber einer Bestrahlung von außen.“

Auch die Idee von Ludwig Molocher (AfD), der, unterstützt von einer Unterschriftenliste, für eine Verlegung des Mauggen-Masts etwa 400 Meter nach Westen ist, zugleich aber noch an einen weiteren 50-Meter-Mast bei Kirchasch denkt, widerlegte der Experte. „Erstens hätte eine Verlegung des Masts nach Westen ein schlechteres Funk-Ergebnis. Zweitens aber würde das Landratsamt eine solche Doppellösung wegen des erhöhten Flächenbedarfs nicht genehmigen.“

Peter Brenninger (Bürgerliste Kirchasch) interessierte sich für die Wirtschaftlichkeit der Anlage und Strahlenbelastungsgrenzwerte in Nachbarländern. Ulrichs Büro hat sich nicht mit der Rentabilität des Projekts beschäftigt. „Es gehörte nicht zu unserer Aufgabenstellung und ist später Sache des Betreibers.“ Bei den Grenzwerten liege Deutschland mit 40 Volt pro Meter im Vergleich tatsächlich sehr hoch. Der Mast in Mauggen liege mit 1,6 Volt bei 30 Metern Höhe und 1,0 Volt bei 50 Metern Höhe jedoch weit davon entfernt.

Auch auf die Frage von Anton Schlehhuber, Franz Auer jun. (beide CSU) und Martin Haindl (FW), weshalb die Telekom einen so hohen Zeitdruck aufbaue, konnte Ulrich nicht antworten. Er verwies aber darauf, dass „die Telekom derzeit viele Baustellen hat“. So musste schließlich Walter John (Grünbacher Liste), der zur Gruppe der fünf Mast-Ablehner gehört, frustriert feststellen, dass „wir nun bald in Bockhorn das hässlichste Wahrzeichen im Landkreis haben werden“.

Über die genaue Ausführung des Masts und weitere Details wird noch weiter verhandelt. „Der Weg hierher war schwierig, und er bleibt wahrscheinlich auch schwierig“, sagte Bürgermeister Angermaier dazu.

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