Rudolf WaxenbergerDer Kreishandwerksmeisterkritisierte das Freihandelsabkommen TTIP.

Kreishandwerkerschaft 

„TTIP hebelt unsere Standards aus“

Kirchasch - Mit 8800 Handwerkern, verteilt auf 2431 Betriebe, ist das Handwerk im Landkreis sehr gut aufgestellt. Da sagte Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger – und rief zum Widerstand gegen TTIP auf.

Die aktuelle Lage bietet für Kreishandwerksmeister Rudolf Waxenberger trotz der guten Zahlen im Landkreis Erding keinen Anlass für Übermut. Ob Zimmerer, Bäcker, Friseure, Schreiner oder Metzger: Insgesamt 777 Auszubildende erlernen derzeit einen Handwerksberuf. 287 davon haben ihre Lehre 2015 begonnen, das sind rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. „Ich denke, dass sich da unsere Werbung in den Schulen und auf Veranstaltungen gewaltig auszahlt“, erklärte Waxenberger vor rund 20 Handwerksvertretern im Gasthaus Bauer in Kirchasch.

Zwar seien der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter in jüngster Zeit wieder angestiegen, gelöst seien dennoch nicht alle Probleme. „Das Handwerk bildet nach wie vor 40 Prozent über dem eigentlichen Bedarf aus“, sagte Waxenberger: „Wenn wir weniger ausbilden würden, hätten wir wieder ein anderes großes Problem, nämlich das Gleiche, mit dem derzeit viele andere Länder kämpfen.“ Gemeint ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Kopfzerbrechen bereitet den kreisansässigen Handwerksbetrieben auch ein internationales Thema: das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP zwischen EU und USA. Der Kreishandwerksmeister ist überzeugt: „In den ganzen Textilfabriken in Asien sieht man heute noch extrem schlechte Arbeitsbedingungen. TTIP stößt da in die gleiche Richtung. Unsere Vorschriften, Standards und Normen sollen des Massenprofits wegen ausgehebelt werden.“ Sein Appell an die Berufskollegen: Widerstand leisten.

Sich Fachkräfte von großen Firmen abwerben zu lassen, das wollen die Kreishandwerker in Zukunft ebenfalls vermeiden. Einige Strategien, um die Mitarbeiter in den kleinen Handwerksbetrieben zu halten, präsentierte deshalb Marcus Königbauer, Bezirkschef des Münchener Vereins. „Das Handwerk bekommt mittlerweile Konkurrenz von allen Seiten“, erklärte er. Um sich mit den Konkurrenten messen zu können, sei eines besonders wichtig: „Sie müssen in ihrer Region ein attraktiver Arbeitgeber sein“, betonte Königbauer.

Ein Schmankerl für die Arbeitnehmer seien beispielsweise Erfolgshonorare. „Wenn ein Jahr besonders gut gelaufen ist, geben sie ihren Mitarbeitern einen kleinen Bonus.“ Auch mit flexiblen Arbeitszeiten könnten kleinere Handwerksbetriebe punkten. „Gute Arbeitnehmer werden beispielsweise von BMW weggeschnappt, weil die natürlich tolle Leistungen mitbringen, aber dafür sind die Handwerksbetriebe wie eine zweite Familie“, sagte Königbauer.

Julia Adam

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