Lebensbedrohliche Verletzungen erlitt der Dorfener bei dem Unfall im Juli 2019 bei Neumauggen. Das Gericht bescheinigte dem 49-Jährigen ein erhebliches Mitverschulden. Er hatte auf der Staatsstraße 2084 viel zu schnell überholt.
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Lebensbedrohliche Verletzungen erlitt der Dorfener bei dem Unfall im Juli 2019 bei Neumauggen. Das Gericht bescheinigte dem 49-Jährigen ein erhebliches Mitverschulden. Er hatte auf der Staatsstraße 2084 viel zu schnell überholt.

Zwei Autos wechseln gleichzeitig auf die Gegenfahrbahn – 28-Jähriger vor Gericht

Überholmanöver mit fatalen Folgen

  • Hans Moritz
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Überholen gilt als eine der Hauptunfallursachen. Besonders dramatisch waren die Folgen eines solchen Manövers am späten Abend des 25. Juli 2019 auf der Staatsstraße 2084 Erding–Dorfen. Nun musste sich der Verursacher, ein 28-Jähriger aus Hallbergmoos, vor dem Amtsgericht Erding verantworten.

Bockhorn/Hallbergmoos – Überholen gilt als eine der Hauptunfallursachen. Besonders dramatisch waren die Folgen eines solchen Manövers am späten Abend des 25. Juli 2019 auf der Staatsstraße 2084 Erding–Dorfen. Bei Neumauggen hatten zwei Fahrer gleichzeitig zum Überholen angesetzt. Ein Fahrzeug kam von der Fahrbahn ab, prallte gegen ein Schild und mehrere Alleebäume. Der Fahrer, ein 49 Jahre alter Dorfener, erlitt lebensbedrohliche Verletzungen.

Nun musste sich der Verursacher, ein 28-Jähriger aus Hallbergmoos, vor dem Amtsgericht Erding verantworten. Er kam glimpflich davon. Denn er trägt nur eine Teilschuld. Völlig voneinander abweichende Aussagen erschwerten die über dreieinhalbstündige Verhandlung unter dem Vorsitz von Richterin Michaela Wawerla.

Eine 60-Jährige aus Mühldorf hatte am Unfalltag ihre Tochter vom Flughafen abgeholt. Sie und die 21-Jährige waren auf dem Heimweg – laut Eigenaussage in eher gemächlichen Tempo. Sie habe ein Problem mit dem typisch deutschen Schnellfahren, erklärte die Französin im Zeugenstand. Mit 50 bis 60 Kilometern pro Stunde sei sie unterwegs gewesen.

Hinter Neumauggen (Gemeinde Bockhorn) nutzte der Hallbergmooser kurz vor 23 Uhr eine lange Gerade um zu überholen. Mit ihm im Wagen: seine damalige Freundin (23) aus Dorfen. Was dann passierte, konnte selbst der erfahrene Gutachter nur annäherungsweise ermitteln. Der Golf des 28-Jährigen befand sich gerade auf Höhe des Wagens der Französin, als plötzlich von hinten ein drittes Fahrzeug auftauchte. An dessen Steuer: der Dorfener. Sein Peugeot und der Golf touchierten sich, der Kombi driftete immer weiter nach links, fuhr ein Verkehrszeichen um, streifte mehrere Bäume und überschlug sich. Auf dem Dach blieb das Auto liegen, der Dorfener war eingeklemmt. Er erlitt multiple Brüche. Ganz gesund wird er nie wieder werden. Bis Oktober 2019 befand er sich im Krankenhaus, musste mehrere Operationen über sich ergehen lassen. Seit dieser Nacht ist der 49-Jährige Frührentner.

Dem Hallbergmooser war als Verursacher ein Strafbefehl mit 60 Tagessätze zu je 40 Euro ins Haus geflattert – 2400 Euro. Dagegen legte er Widerspruch ein. Im Zeugenstand sagten er und seine damalige Begleiterin aus, sie seien längere Zeit hinter dem Mühldorfer Auto hergefahren. Vor dem Überholen habe er noch nach hinten geschaut – und niemanden gesehen. Wie aus dem Nichts sei der Peugeot aufgetaucht. Erst bei der Kollision hätten sie das dritte Auto bemerkt.

Die Französin sagte hingegen aus, sie habe Scheinwerfer von zwei Autos gesehen. Allerdings seien beide nicht länger hinter ihr hergefahren.

Eine ganz andere Version lieferte der Dorfener. Er meinte, sich an eine ganze Kolonne erinnern zu können, die lange hinter einem Lastwagen hergefahren sei. Er musste allerdings auch einräumen, dass er sich an den Unfall selbst überhaupt nicht erinnern könne.

Eine Schlüsselrolle in dem Verfahren nahm deshalb der Gutachter ein. Er kam zu dem Schluss, dass der Peugeot mit deutlich über 100 km/h gefahren sein muss. Zum Zeitpunkt der Kollision dürften es zwischen 106 und 120 km/h gewesen sein – bei maximal erlaubtem Tempo 60. Dem Hallbergmooser bescheinigte er eine Geschwindigkeit zwischen 85 bis 93 km/h, als er zum Überholen angesetzt hatte.

Damit trägt er zwar rein juristisch die Verantwortung, allerdings waren sich Wawerla, Staatsanwältin Antonia Gordon-Heitmann und Verteidiger Alexander Vogt einig, dass den Dorfener ein erhebliches Mitverschulden trifft. Sie einigten sich darauf, dass Verfahren gegen eine Auflage einzustellen. Der Hallbergmooser muss 2500 Euro an das Sophienhospiz in Erding zahlen. Das ist zwar mehr als der Strafbefehl, allerdings bekommt der 28-Jährige keinen Eintrag ins Bundestenzentralregister. Und er muss nicht für zwei Monate den Führerschein abgeben. Sichtlich erleichtert verließ er das Gericht.

Hans Moritz

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