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Die Landwirte hörten Informationen über neue Entwicklungen auf dem Milchmarkt.

Verband für landwirtschaftliche Fachbildung 

Handel fordert mehr Platz für Milchkühe

Kirchasch – Positiver Trend oder „leeres Gefasel“? Supermarktketten wollen immer weniger Milch aus Anbindehaltung. Die Milchbauern diskutieren darüber.

Neue Tendenz auf dem Milchmarkt: Nicht die Politik, sondern der Handel formuliert Vorgaben zur Tiergesundheit und Produktqualität. Chancen und Probleme für die Milchviehhaltung wurden in der gestrigen Fachtagung des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung, des Fachzentrums Rinderhaltung und des Landwirtschaftsamtes im Gasthaus Bauer in Kirchasch aufgezeigt.

Petra Praum, Leiterin des Fachzentrums Rinderhaltung, informierte zu aktuellen Entwicklungen und Trends. „Der Handel stellt immer mehr Forderungen“, sagte die Referentin und nannte Beispiele. Lidl werbe mit dem Slogan „ein gutes Stück Heimat“ und favorisiere Milchbetriebe ohne Anbindehaltung. Dasselbe gelte für Aldi, der Bayerische Bauernmilch nur aus der geräumigeren Laufstallhaltung wolle. Hier stehen einer Kuh etwa neun Quadratmeter zur Verfügung. Auch die Lebensmittelkette Edeka habe einen Forderungskatalog. Beim Verhältnis von Tier- und Fressplatz soll beispielsweise das Verhältnis 1:1 gelten, das heißt, dass alle Tiere gleichzeitig fressen können.

Im Landkreis Erding würden mehr Kühe in Lauf- als in Anbindeställen gehalten, berichtete Praum. Hinsichtlich der hohen Investitionen beim Umbau zu Laufställen sei die Alpenregion mit ihren vielen kleinen Betrieben in Brennpunkt. Der massive erhöhte Flächenbedarf sei ein Problem. Der Grundsatz „Weg von der ganzjährigen Anbindehaltung“ sei mit Blick auf die aktuelle Entwicklung ein Weg in die Zukunft, schloss Praum.

Zu dem Thema gibt es im Februar eine Lehrfahrt und eine Info-Veranstaltung. Ein Zuhörer gab zu bedenken, dass es bisher bei der Milchanlieferung keine getrennte Erfassung von Betrieben mit Lauf- und mit Anbindeställen gebe. „Wie stellt sich der Handel das vor?“, fragte der Landwirt und sprach von „leerem Gefasel“.

Ein weiteres Thema der Tagung war der Einsatz von Antibiotika und Möglichkeiten ihrer Reduktion. So wurde die Methode des „Selektiven Trockenstellens“ vorgestellt. Trockenstehende Milchkühe – unter diesem Fachbegriff versteht man die sechs bis acht Wochen einer trächtigen Milchkuh, während der sie nicht gemolken wird. Das ist quasi ihr Jahresurlaub.

Unter bestimmten Voraussetzungen könne man eutergesunde Tiere während dieser Phase selektieren und im Gegensatz zu bakteriell infizierten Kühen ohne antibiotischen Schutz trockenstellen, hieß es in dem Vortrag. Es soll eine praxistaugliche Vorgehensweise für die Trockenstellroutine weiterentwickelt und evaluiert werden, um den Einsatz von Antibiotika zu verringern. Während der Projektlaufzeit von etwa zweieinhalb Jahren sollen 20 bayerische Milchviehbetriebe bei der Umstellung auf das Verfahren „Selektives Trockenstellen“ betreut werden.

Vroni Vogel

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