Hier gehen weder Telefon noch Internet

Offline in Bockhorn-Südwest

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Bockhorn – Das Baugebiet Bockhorn-Südwest soll modernste Telekommunikationsstrukturen erhalten. Doch die Bewohner warten seit Monaten auf überhaupt einen Anschluss. Weder Telefon noch Internet funktionieren.

Glasfaserkabel bis zum Haus: Davon träumen heute viele Menschen. Für die Eigenheimer im Baugebiet Bockhorn-Südwest dürfte das ein Kaufargument gewesen sein. Die Bewohner der im Endausbau mehr als 70 Einzel- und Doppelhäuser können sich dann über Turbo-Internet mit geradezu futuristischen Bandbreiten freuen. Die Telekom wirbt mit bis zu 200 Megabit pro Sekunde – ein Vielfaches des Tempos, mit dem die meisten Internetnutzer derzeit auskommen müssen.

Doch aktuell liegt die Bandbreite in Bockhorn-Südwest bei genau null. Das erste Dutzend Häuser ist bereits bewohnt. „Die ersten Leute sind im Oktober eingezogen“, erzählt Bürgermeister Hans Schreiner. Sie seien von nahezu jeder Form moderner Telekommunikation abgeschnitten. Denn auch die Mobilfunkanbindung sei in dem Bereich schlecht. „Wir haben ein Riesenproblem mit der Telekom“, sagt der Rathauschef.

Er könne da momentan wenig tun. Denn zwischen der Gemeinde und dem Konzern bestehe keine vertragliche Beziehung bezüglich des 5000 Quadratemeter großen Areals am Ortsausgang Richtung Mauggen. Jeder einzelne Bürger müsse sich nun damit herumschlagen. Erkundigt hat sich Schreiner freilich schon. „Die haben gesagt: März“, berichtet der Bürgermeister über die Auskunft des Konzerns. Aus Erfahrung wisse er aber: Es könne auch sehr viel später werden.

„Fasermangel“ – das sei laut Telekom das Problem, sagt Schreiner. „Irgendwann haben die gesagt: ,Wir haben gedacht, wir hätten mehr Glasfasern‘“, erzählt der frühere IT-Ingenieur (59) mit einem Kopfschütteln. Denn eigentlich sei die ganze Gemeinde sehr gut ans Internet angebunden – mit Glasfasersträngen in jeden Hauptort.

Nach seinem technischen Verständnis hätte er nicht gedacht, dass es eine solche Schwierigkeit überhaupt gebe, meint Schreiner. Schließlich sei die Übertragung per Lichtsignal in den Glasfaserleitungen eigentlich verlustfrei. Nun weiß er: In Bockhorn braucht es laut Telekom so etwas wie eine große Verstärkeranlage.

Die Glasfaser-Hauptleitungen habe das Unternehmen bereits in den 1990er Jahren entlang der Hauptverkehrsadern verlegt. Schreiner: „Sogar nach Riedersheim ging sehr früh eine Glasfaserleitung.“ Zunächst lagen die hochmodernen Kabel ungenutzt im Erdreich, etwa ab 2004 seien sie aktivert worden. Dadurch seien die Hauptorte der Gemeinde bereits seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit DSL versorgt gewesen. „Nur in Maierklopfen hatten wir zunächt ein Problem“, berichtet der Bürgermeister.

Doch seit 2015 würden die Lücken in der Breitbandversorgung nach und nach geschlossen. „Wir haben in den Hauptorten Bandbreiten von etwa 50 Megabit“, berichtet Schreiner. Das sind für eine ländliche Gemeinde geradezu paradiesische Internetverhältnisse. Nur die Bewohner von Bockhorn-Südwest sind vorerst noch offline.

Rubriklistenbild: © dpa

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