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Den Effekt der Bodenverdichtung demonstrierte Berater Adolf Hörl (mit Kanister) bei einem Versickerungsver such.

Aktionstag

Weniger Ertrag, mehr sauberes Wasser

An zwei Demonstrationsbetrieben im Landkreis erproben die Landwirte Maßnahmen für die Reinhaltung des Grundwassers. Am gestrigen Tag des Wassers waren Kollegen zu Besuch.

Bockhorn – Auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage für die Menschheit zu achten, ist nicht nur ein Anliegen der UNESCO. Auch die moderne Landwirtschaft, oft als Verursacher für Gewässerverschmutzung an den Pranger gestellt, will Lösungswege aufzeigen. Und so lud das Amt für Landwirtschaft Erding am gestrigen Tag des Wassers zum Weiler Loh bei Bockhorn ein: Dort führt Landwirt Stefan Hörmann einen der beiden Demonstrationsbetriebe im Landkreis.

Vor einem Dutzend interessierter Landwirte und Bürgermeister stellte Josef Schächtl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) die grundsätzliche Problematik vor. „Im Landkreis Erding haben wir zwar eine sehr geringe Belastung der Gewässer durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel. Jedoch gibt es viel Phosphat im Oberflächenwasser“, sagte der Fachmann.

Um Landwirten Tipps zu geben, reist Wasserberater Adolf Hörl durch die Gemeinden. „Gemäß einer EU-Wasserrahmenrichtlinie gibt es, in mehrere Stufen eingeteilt, viele Kriterien, um saubereres Grundwasser zu erreichen. Stimmt auch nur einer der Parameter nicht, fällt die Benotung schon deutlich“, erläuterte er. Mit Erkenntnissen aus der Beratung könnten Landwirte mehr Schutz für Gewässer durch richtige Bewirtschaftung ihrer Flächen erreichen.

Landwirt Hörmann berichtete, dass er „eine grundlegende Veränderung haben wollte“. Daher bewirtschafte er verschiedene Flächen ganz anders als früher. „Es gilt, das Wasser in der Fläche zu halten und gleichzeitig etwas für den Hochwasserschutz zu leisten“, sagte Hörmann.

Und so führte er die Gruppe zu einem rund 20 Meter breiten unbewirtschafteten Grünstreifen am Schollbach, der durch einen Teil seiner Agrarflächen führt. Als Pufferfläche schütze dieser Streifen den Bach vor Düngemitteln. Durch den Verzicht auf die Bewirtschaftung habe er hier zwar einen Ertragsverlust und damit Einbußen. Doch über die Fördermittel vom Amt, die er über maximal fünf Jahre bekommen könne, erhalte er wieder einen Finanzausgleich, berichtete Hörmann. „Außerdem stelle ich bei vielen Kollegen fest, dass sie ihre Felder zwar wunderschön pflegen. Doch die Optik ist gar nicht so wichtig – der Ertrag und das Ergebnis auch für die Gewässer zählen mehr. Mit schweren Schleppern pressen wir oft Luft aus unseren Böden, dann verschwindet sogar der Regenwurm“, sagte der Bauer.

„Über das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm nehmen wir jährlich 100 Millionen Euro in die Hand, allein für Boden- und Gewässerschutz“, berichtete Wasserberater Schächtl. Viele Landwirte würden diese Angebote annehmen und sie auf mehr als 600 000 Hektar umsetzen.

Welchen unglaublichen Effekt ein unverdichteter gegenüber einem stark verdichteten Boden haben kann, demonstrierte das AELF-Team mit einer simplen Vorführung. In zwei gleich große Röhren, die nebeneinander in den unterschiedlichen Böden steckten, wurde die gleiche Menge Wasser eingefüllt. Während die Flüssigkeit beim stark verdichteten Boden nahezu bewegungslos verharrte, sog das unverdichtete Erdreich das wertvolle Nass in Sekundenschnelle auf. Ebenso wichtig, ist es laut Anton Mitterer vom AELF, Mulchsaatverfahren anzuwenden, Zwischenfrüchte vor Mais anzubauen, ausreichend Kalk zu düngen und ausgeprägte Hangmulden zu begrünen.

Rupert Hutterer aus Lengdorf, Inhaber des zweiten Demonstrationsbetriebs im Kreis, plädierte für eine bodennahe Gülleaustragung. Hutterer: „Wichtig ist, dass wir von Landwirt zu Landwirt sprechen. Persönlicher Austausch und Erfahrung sind am überzeugendsten.“

Friedbert Holz

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