Der Geschichte seiner Familie auf der Spur ist Hans Schreiner. Hier zeigt er Bilder seiner Vorfahren.
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Der Geschichte seiner Familie auf der Spur ist Hans Schreiner. Hier zeigt er Bilder seiner Vorfahren.

Bockhorns Ex-Bürgermeister spricht über Hof, Familienchronik und darüber, was er vermisst

Wie ist es so als Politrentner, Herr Schreiner?

Heute auf den Tag genau vor einem Jahr hat Hans Schreiner die Stichwahl gegen Landrat Martin Bayerstorfer verloren. Danach hat sich der Mann aus dem Weiler Reisach von allen politischen Ämtern zurückgezogen. Der 64-Jährige Freie Wähler war 18 Jahre lang Bürgermeister von Bockhorn. Unsere Zeitung besuchte ihn auf seinem landwirtschaftlichen Anwesen.

VON FRIEDBERT HOLZ

Bockhorn - Herr Schreiner, wie geht es Ihnen, was sind Ihre derzeit dringlichsten Aufgaben – am Hof und privat?

Mir geht’s gut, ich bin derzeit beschäftigt mit der Bestellung meiner Felder. Darauf baue ich Getreide, Mais und Raps an. Gerade wurde die Sommergersten-Saat ausgebracht durch einen spezialisierten Dienstleister. Denn der hat viel moderneres Gerät als ich, was unter dem Strich auch wirtschaftlicher für mich ist. Außerdem kümmere ich mich um unseren Wald: Dort hat der Borkenkäfer leider viel Fichtenholz zerstört, daher habe ich jetzt Mischwald angepflanzt.

Sie hatten Umbau-Pläne für Ihr Anwesen. Konnten Sie in der Zwischenzeit etwas umsetzen?

Darunter hatte ich keine konkreten Bauvorhaben verstanden. Vielmehr ging es meiner Familie und mir darum, das Anwesen, das großteils leer steht, etwas zu entrümpeln. Vieles ist aufgrund meiner Tätigkeit als Bürgermeister über die Jahre liegen geblieben. Jetzt wurde es entsorgt.

Sie leben hier sehr ruhig: Fehlen Ihnen nicht ab und zu Tage voller Termine?

Doch, vor allem zu Beginn habe ich Begegnungen mit anderen Menschen außer meiner engsten Familie sehr vermisst. Ich musste meinen Rhythmus im Leben erst einmal anpassen, habe begonnen, Liegengebliebenes abzuarbeiten. Da meine 95-jährige Mutter bei uns lebt, gibt es auch pflegerische Dienste zu erledigen, etwa eine Fahrt zum Arzt. Und ich habe begonnen, eine Familienchronik zu schreiben, über unseren Hof, geschichtliche Geschehnisse hier und unseren Teilort Reisach. Dabei kam heraus, dass dieses Anwesen bis ins 15. Jahrhundert zurückgeht.

Sie wollten mit Ihrer Frau Reisen unternehmen, konnten Sie das jetzt verwirklichen? Haben Sie sich eine Ruhepause gegönnt?

Ich kümmere mich jetzt, in dieser neuen Lebensphase, mehr um meine Gesundheit, um Familie und Freunde. Gerne fahre ich mit meiner Frau auch zum Wandern in die Chiemgauer Berge. Leider ist die Einkehr in ein gemütliches Gasthaus zur Brotzeit noch nicht möglich – das fehlt mir schon etwas.

Auch als Ende März 2020 die Landratswahl entschieden war, fuhren Sie erst mal heim und machten Brotzeit. Waren Sie erleichtert, dass es letztlich für Sie nicht zu diesem Amt gekommen ist?

Ich wäre gerne Landrat geworden und habe mich über das meiner Meinung nach sehr gute Ergebnis von 46,8 Prozent der Stimmen gegen den Amtsinhaber gefreut, der immerhin eine starke Partei hinter sich wusste. Für dieses Resultat bekam ich viel Respekt. Ich kann heute erhobenen Hauptes durch jeden Ort im Landkreis gehen. Manche in der Politik zerbrechen ja an einer Niederlage, ich aber bin mit mir völlig im Reinen.

Gerade jetzt in der Corona-Zeit hat ein Landrat viele unangenehme Entscheidungen zu treffen. Sind Sie froh, heute nicht mehr in einer Entscheider-Rolle zu sein?

Ein politisches Amt in dieser Zeit ist für niemanden ein Zuckerschlecken. Schließlich müssen viele Entscheidungen getroffen werden, die für die Bewohner unseres Landkreises nicht immer angenehm sind. Dazu kommt, dass wir im Herbst Bundestagswahl haben, die bereits ihre Schatten vorauswirft und mancherorts für unangenehme Fragen sorgen dürfte. Diesem Prozess muss ich mich nun glücklicherweise nicht mehr stellen.

Was hat Ihnen in ihrer langen Zeit als Bürgermeister in Bockhorn viel Spaß gemacht, und woran möchten Sie am liebsten nicht erinnert werden?

Mit den Menschen in der Gemeinde umzugehen, hat mir immer viel Freude gemacht. Vor allem erinnere ich mich gerne an Besuche in unserer Grundschule und im Kinderhaus – alle Kinder kannten mich, und ich umgekehrt fast alle Kinder und ihre Familien. Paare habe ich gerne getraut, und bei vielen Geburtstagen durfte ich mitfeiern. Weniger schön war hingegen so manche Verhandlung mit Grundstückseigentümern, etwa für Radwege. Zudem haben regionale Projekte, wie die Nordumfahrung und die Walpertskirchener Spange sehr viel Zeit beansprucht.

Was hätten Sie, wenn die Zeit zurückzudrehen wäre, noch gerne in Ihrer Amtszeit umgesetzt?

Den neuen Kindergarten in Grünbach hätte ich gerne noch gebaut, nach all den Querelen bis zu seiner Genehmigung und dem doch langjährigen Entscheidungsprozess im Gemeinderat.

Sicher verfolgen Sie die Geschicke der Gemeinde nach wie vor, tauschen Sie sich ab und zu mit Ihrem Nachfolger Lorenz Angermaier aus?

Ich hatte immer ein gutes Verhältnis mit meinem langjährigen Stellvertreter und heutigen Bürgermeister. Daher lief auch die Amtsübergabe problemlos. Wir halten freundschaftlichen Kontakt.

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