100 Polizisten jagen Briefbomber

Bomben-Fund am Münchner Flughafen: Täter plante Anschlag auf großen Lebensmittelhersteller in Bayern

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Nach der Brief-Explosion in der Lidl-Zentrale und einer Paket-Explosion bei Capri Sonne ist auch am Flughafen München ein verdächtiges Paket entdeckt worden.

Update vom 21. Februar 2021: Nach den drei Anschlägen, bei denen per Post Bomben an Lebensmittelfirmen in Baden-Württemberg und Bayern versandt wurden, sitzt nun ein 66 Jahre alter Verdächtiger in Untersuchungshaft. Derzeit gehe man nicht davon aus, dass der Mann noch weitere Sprengstoff-Briefe oder -Pakete versandt habe, teilten die Staatsanwaltschaft Heidelberg und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Samstag (20. Februar) gemeinsam mit.

Flughafen München: Nach Bomben-Anschlägen auf Lebensmittelfirmen - Tatverdächtiger in Untersuchungshaft

Bereits am Freitagabend hatten Spezialkräfte der Polizei den Rentner an seinem Wohnsitz bei Ulm festgenommen. Der Verdächtige sei bislang nie polizeilich in Erscheinung getreten und leistete bei seiner Festnahme keinen Widerstand. Bislang, so die Polizei, verweigere er aber eine Aussage zu den, gegen ihn getätigten Vorwürfen. Demnach bleibt das Motiv für seine Taten vorerst weiter unklar.

Bei zwei Anschlägen bei dem Getränkehersteller Capri Sun in Eppelheim und die Zentrale des Lebensmittelhändlers Lidl in Neckarsulm waren insgesamt vier Personen verletzt worden. Sie alle konnten das Krankenhaus mittlerweile verlassen. Ein drittes Sprengstoffpaket, adressiert an den Babynahrungs-Hersteller Hipp in Pfaffenhofen, konnte im Verteilerzentrum des Flughafens München rechtzeitig entdeckt und entschärft werden.

Originalmeldung von Freitag, 19. Februar 2021

Flughafen München - Eine Serie von Paket-Bomben-Sendungen hält derzeit die Polizei in Süddeutschland in Atem. Der oder die unbekannten Täter haben dabei offenbar bekannte Lebensmittelunternehmen im Visier. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (18. auf 19. Februar) konnte nun am Flughafen in München von einem Spezialisten-Team bereits die dritte Bombe erfolgreich entschärft werden. Sie war an den Hersteller von Babynahrung Hipp adressiert, der seinen Sitz im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen hat, wie die Polizei auf Anfrage des Münchner Merkur bestätigte.

Paket-Bombe am Flughafen München entschärft: Bereits die dritte Bombe in drei Tagen

Das verdächtige Paket war bereits am Mittwochabend im Verteilzentrum des Flughafen München entdeckt worden. Dort werden nur kleinere Pakete mit einem Gewicht bis zu einem Kilo verteilt, zudem nur Adressen deren Postleitzahl mit 85 beginnt. Das Unternehmen Hipp hat die Postleitzahl 85276. Nach Informationen der Polizei wurden Spezialisten der Technischen Sondergruppe des Bayerischen Landeskriminalamts hinzugezogen.

Paket-Bomber hat Lebensmittelhersteller im Visier: Dritte Bombe war an Hipp adressiert

Es ist bereits das dritte Bomben-Paket in Süddeutschland, das in den vergangenen Tagen aufgetaucht ist. Bereits am Dienstag war bei dem Getränkehersteller Capri Sonne in Eppelheim (Rhein-Neckar-Kreis) ein Mitarbeiter bei einer Verpuffung in der Warenannahme verletzt worden. Am Mittwochnachmittag (17. Februar) folgte eine Briefbomben-Explosion in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm (Kreis Heilbronn). Hierbei wurden drei Mitarbeiter verletzt. Sie alle konnten das Krankenhaus aber mittlerweile wieder verlassen.

Flughafen München: Paket-Bombe an Hipp adressiert - Sonderkommission ermittelt unter Hochdruck

Eine eilig einberufene Sonderkommission ermittelt nun unter Hochdruck auf der Suche nach dem oder den möglichen Attentätern. Es ist nicht auszuschließen, dass noch weitere Pakete oder Briefe im Umlauf sind. Aufgrund des vorsichtigen Vorgehens bei der Entschärfung der Bombe am Flughafen München ist das Paket unbeschädigt und kann nun genauestens auf mögliche Spuren und Täterhinweise untersucht werden. Die Polizei geht von einem Zusammenhang bei den Taten aus. Alle drei Päckchen trugen fiktive Absender, so die Polizei. Ein Bekennerschreiben lag bis Freitagmittag noch nicht vor. Aufgrund des großen öffentlichen Drucks könnte aber noch eines folgen, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Über ein mögliches Motiv wurde noch nichts bekannt. Die drei attackierten Lebensmittelhersteller haben allerdings gemeinsam, dass sie in den letzten Jahren vermehrt wegen verschiedenster Vorfälle öffentlich in der Kritik standen. So wurde dem Unternehmen Hipp beispielsweise vorgeworfen, dass die dort hergestellte Babynahrung teils sehr ungesund und für Kleinkinder deshalb ungeeignet sei. Auch deshalb ist bei den Ermittlungen Eile geboten, denn noch einige weitere Lebensmittelhersteller in Deutschland wurden bereits mehrfach öffentlich wegen diverser Vorfälle angeprangert. Die Polizei hofft nun, durch den Einsatz der Sonderkommission bald zu Ergebnissen zu kommen und mögliche weitere Anschläge verhindern zu können. Der Lebensmittelverband hat bereits zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Die Poststellen sollen Sendungen aussortieren, wenn sie keinen bekannten Absender haben, Unebenheiten aufweisen oder ungewöhnlich schwer sind. kah

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Rubriklistenbild: © Tom Weller

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