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Arleta Sauer von den Neubauer Restaurierungswerkstätten in Bad Endorf bei der Arbeit am Seitenaltar.

Die Bootsmänner auf der Kirchenkanzel

Buch am Buchrain - Die Marmorierungen der Fassmaler-Familie Zellner sind in fast 30 Kirchen im Landkreis zu finden. Eines der ersten Gotteshäuser, das die Zellners komlett gestaltet haben, ist die St. Martinskirche in Buch.

Mit einem hauchdünnen Pinsel geht Arleta Sauer an die Arbeit. Die Diplom-Restauratorin kniet auf einem Stahlgerüst, beugt sich über die Säule am Seitenaltar in der Pfarrkirche in Buch. Mit ruhiger Hand bearbeitet sie Marmorierungen, trägt Farbschichten ab und legt weitere frei. Dabei muss sie ganz vorsichtig sein, denn diese Marmorierungen stammen von der Fassmaler-Familie Zellner, die sich im 18. Jahrhundert einen bedeutenden Ruf im gesamten süddeutschen Raum erworben hat.

Vater Georg Andreas sowie die Söhne Franz und Georg Caspar Zellner waren Experten in Sachen gemalte Imitation von Marmor. Ihre Werke schmücken neben kunsthistorisch bedeutsamen Kirchen in der Oberpfalz, in Ober- und Niederbayern auch rund 30 Gotteshäuser im Kreis Erding, darunter Oppolding, Esterndorf und Altenerding. Die Kirche in Buch war eine der ersten im Landkreis, deren Gesamtausstattung die Zellners geschaffen haben - von Marmorierungen an den Altären bis hin zu Fassungen und Vergoldungen der Skulpturen.

Ungewöhnnlich: die große, figurative Darstellung des Boots samt Bootsmännern.

„Leider wurden diese Originale im Lauf der Zeit bearbeitet, dem Zeitgeist angepasst und übermalt“, erklärt Sauer. So wurde etwa das Craquelé, also feine Linien, die das natürliche Aussehen von Marmor nachahmen, mit groben Mustern übermalt. Sie ähneln dem Gestein nur bei flüchtigem Hinsehen.

Nun versucht Sauer, Expertin der Neubauer Restaurierungswerkstätten in Bad Endorf, herauszufinden, wie die Altäre im Urzustand ausgesehen haben. Sie trägt dazu die Farben mit Skalpell und Ethanol Schicht für Schicht ab. Derzeit arbeitet sie an einer Musterfläche am Seitenaltar und legt frei, wie der echte Zellner-Marmor ausgesehen hat. Sauer: „Dann kann man entscheiden, ob man die Marmorierungen nur konservatorisch behandelt, also reinigt und ausbessert, oder ob man sie in ihren Originalzustand zurückversetzt.“ Letztere Variante wäre sehr zeitaufwändig und teuer. „Oft findet man sich damit ab, wie es jetzt aussieht. Das ist eben ein historisch gewachsener Zustand“, sagt Sauer, die manchmal in den Marmorierungen kleine Bilder entdeckt, wie einen betenden Mönch oder eine Kreuzigungsszene - eine Spezialität der Zellners. Meistens sind diese Bilder sehr abstrakt und so gut versteckt, dass man sie auf den ersten Blick nicht sieht. Ein wenig aus dem Rahmen fällt hier das Boot mit zwei Seemännern, das die Seite der Kanzel schmückt. „Diese Größe und die figurative Darstellung sind ungewöhnlich“, sagt Sauer.

vam

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