5000 Kubikmeter Erde braucht A94-Anlieger Wolfgang Obermaier aus Loiperding für die Aufschüttungen um sich vom Autobahnlärm zu schützen. Die Hälfte ist schon geliefert. Rund 20 000 Euro soll das Vorhaben kosten.
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5000 Kubikmeter Erde braucht A94-Anlieger Wolfgang Obermaier aus Loiperding für die Aufschüttungen um sich vom Autobahnlärm zu schützen. Die Hälfte ist schon geliefert. Rund 20 000 Euro soll das Vorhaben kosten.

Wolfgang Obermaier baut zweiten Lärmschutz

A94: Acht-Meter-Wall gegen Autobahnlärm

In Eigenregie hatte Wolfgang Obermaier aus Loiperding einen vier Meter hohen Lärmschutz an seinem Garten errichtet, um sich vom Krach der Isentalautobahn zu schützen. Jetzt errichtet er einen doppelt so hohen Erdwall.

Loiperding – Für Wolfgang Obermaier ist der Lärm der A94 unerträglich. Der Anlieger aus Loiperding (Gemeinde Buch am Buchrain) hat sich wegen fehlender Schutzmaßnahmen bereits vor einem Jahr eine eigene Lärmschutzwand gebaut. Doch damit nicht genug: in Eigenregie entsteht im Moment auf dem Anwesen des 44-Jährigen ein Erdwall. In Planung ist zudem eine große Garage.

Eine vier Meter hohe Wand hat der 44-Jährige bereits vor einem Jahr in seinem Garten aufgestellt. Langsam wird sie durch stetig wachsende Pflanzen bereits etwas grüner und wesentlich ansehnlicher.

Obermaier gehört zu den bekannten Gesichtern des Anlieger-Widerstands, seit der neue Autobahnabschnitt im Oktober 2019 freigegeben wurde. Wie viele andere Anwohner, beklagt er die hohe Lärmbelastung der A94. In seinem Bereich gibt es auf der Trasse weder Flüsterasphalt noch andere Schutzmaßnahmen.

Schon wenige Monate nach der Trassen-Eröffnung stand für Obermaier und seine Familie fest, dass sie mit der Situation nicht leben können. Sie beschlossen, selbst aktiv zu werden. Vor einem Jahr bauten die Obermaiers auf der Westseite ihres Gartens eine vier Meter hohe und 35 Meter lange Lärmschutzwand aus Erdabraum. Kostenpunkt: 20 000 Euro.

Den ersten Winter hat die Eigenkonstruktion überstanden, berichtet Obermaier unserer Zeitung. Längst hat sich die Familie an die neue Aussicht gewöhnt. In drei bis vier Jahren soll die Wand komplett grün sein und so noch mehr Lärmschutz bieten. Der auf der Innenseite angepflanzte Efeu und das Gartengeißblatt wachsen bereits kontinuierlich. Auf der äußeren Seite Richtung Autobahn ist der Bewuchs noch deutlich spärlicher. „Der Efeu will dort noch nicht so recht“, sagt Obermaier. Dennoch ist er zufrieden: „Die Wand reut mich keine Minute.“ Die Lärmbelastung in seinem Garten habe sich bereits reduziert.

Während der Baumaßnahme im vorherigen Jahr entwickelte der Bucher Ideen für weitere Lärmschutzprojekte. Seit kurzem entsteht hinter der Wand ein zusätzlicher Schutz, der zuerst von der Gemeinde Buch und dem Landkreis genehmigt werden musste: ein Erdwall. Weitere rund 20 000 Euro kostet so ein aufgestauter Hügel aus Erdmasse, informiert Obermaier. Durch eine Kooperation mit dem Fuhr- und Baggerbetrieb Sigl aus Lengdorf komme es ihn aber etwas billiger. Grob die Hälfte der 5000 Kubikmeter Erdreich wurden schon nach Loiperding geliefert. An der höchsten Stelle ist der Wall bereits gut fünf Meter hoch. Wenn die Baumaßnahme in rund zwei Jahren abgeschlossen ist, soll er acht Meter hoch sein. 2022 will Obermaier die vorgeschriebene Bepflanzung ansäen. Neben Büschen und Pflanzen auf der Südseite sind ebenerdig ein Amphibienteich, Tannen sowie eine Grünfläche geplant.

Schon jetzt bemerkt man eine Veränderung des Schalls, wenn man am Fuß des Schutzwalls steht oder auf dessen Spitze. Obermaier schätzt, dass sich der auf seinem Grund ankommende Straßenlärm um etwa vier Dezibel reduzieren könnte. Er ist überzeugt: „Man kann mit einer Autobahn in 300 bis 400 Metern Nähe leben, wenn der Staat anständige Voraussetzungen schafft.“

Und es gibt noch ein drittes Projekt. Besagter genehmigter Plan beinhaltet eine 26 Meter lange und acht Meter hohe Garage. Diese soll das Wohnareal im Norden vor weiterem Lärm bewahren. Die Kosten: um die 120 000 Euro. Mit dieser Baumaßnahme will Obermaier aber erst in drei bis vier Jahren beginnen.

Er stimmt zu, dass Investitionen in dieser Größenordnung nicht selbstverständlich sind. „Das muss man sich erst einmal leisten können, das stimmt.“ Eine Aussicht auf Teilkostenerstattung oder irgendeine Förderung der Maßnahmen gibt es nicht. „Da kriegt man gar nix“, ist Obermaier überzeugt. Da habe er sich diesbezüglich bereits bei Landrat Martin Bayerstorfer und MdL Ulrike Scharf erkundigt. Da er die Garage aber auch sinnvoll nutzen könne, sieht er diese Ausgaben nicht als verschwendet an. Viel schlimmer sei für ihn die Wertminderung seines Grundstücks durch die Autobahn.

Mit anderen Anliegern ist der 44-Jährige weiterhin in Kontakt. Obermaier hat mitbekommen, dass ein Bürger aus Lindum die Errichtung einer Halle als Lärmschutzmaßnahme plant. Ebenso ist die Gründung einer offiziellen Interessensgemeinschaft mit betroffenen Autobahn-Anliegern bis nach Heldenstein vorgesehen. Wegen Corona verzögere sich das aber.

Durch den Lockdown sei es auf der A94 zuletzt immer noch etwas ruhiger gewesen, sagt Obermaier. Vor allem der Berufsverkehr sei um 30 bis 40 Prozent geringer. Der 44-Jährige vermisst trotzdem die von der Regierung angekündigten Geschwindigkeitskontrollen. Allgemein ist er von kommunalen sowie überregionalen Politikern schwer enttäuscht. „Die Politik hat die Sache komplett einschlafen lassen. Man hört und sieht nichts mehr von ihnen.“

Markus Ostermaier

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