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Auf der Suche nach der Vergangenheit: Stefan Biermeier (vorn) und Axel Kowalski (l.) von der Grabungsfirma SingulArch erklären Gemeinderäten und Grundstückseigentümern die Grabungsfunde im Baugebiet Am Haidfeld. 

Südlicher Landkreis 

Bauen, wo einst ein Riesen-Speicher stand

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Im Erschließungsgebiet Am Haidfeld in Buch am Buchrain wurden die Archäologen fündig. Das freut nicht jeden.

Buch am Buchrain– Dass nicht alle Beteiligten über die archäologischen Funde im Baugebiet Am Haidfeld in Buch am Buchrain glücklich sind, war beim Ortstermin zu spüren. Leichte Spannung lag in der Luft, als Stefan Biermeier von der Grabungsfirma SingulArch den Stand der Dinge zusammenfasste und weitere Arbeiten vorstellte. Gekommen waren neben Grundstücksbesitzern auch Gemeinderäte, Verwaltungsmitarbeiter und Bürgermeister Ferdinand Geisberger.

Warum die Archäologen im Haidfeld graben? Das liegt daran, dass beim Bau der Erschließungsstraßen Funde entdeckt und der Denkmalschutzbehörde gemeldet wurden. Nun versucht die Grabungsfirma zu retten, was zu retten ist. „Bislang ist beim Bau der Straße ein halber Hektar Fläche vernichtet worden, der für die Archäologen hätte aufschlussreich sein können“, sagt Biermeier. Den Vorwurf, dass die Gemeinde sich nicht an Vorgaben gehalten und die Experten viel zu spät ins Boot geholt hätte, kann Bürgermeister Geisberger nicht nachvollziehen. „Wir haben die gesetzlichen Auflagen erfüllt“, sagt er. Man sei davon ausgegangen, dass im Haidfeld, wie in den anderen Baugebieten, nichts gefunden wird.

Die Kosten, die durch die Grabungen entstehen, sollen auf die Grundstückseigner umgelegt werden, je nachdem wie viele Quadratmeter sie dort besitzen. Zur Höhe wagen Biermeier und sein Kollege Axel Kowalski keine konkrete Aussage, es dürfte aber schätzungsweise mit mindestens 50 000 Euro zu rechnen sein. Allerdings: Diese Summe wäre auch entstanden, wenn die Gemeinde das Areal früher als Verdachtsfläche gemeldet hätte.

Aber die Experten versichern, dass der Zeitablauf der Erschließung die Untersuchungen nicht stört. Derzeit werde eine 3000-Quadratmeter-Fläche untersucht, weitere 12 000 Quadratmeter sollen folgen. „Wir arbeiten so effektiv wie es geht“, so Biermeier.

Zutage kommt dabei ein großes Stück Bucher Geschichte. Entdeckt wurden etwa Reste einer Siedlung, die wegen eines bearbeiteten Feuersteins in der oberen Bodenschicht, zunächst in die Jungsteinzeit datiert wurde. Eine Graphittonscherbe, die auch ein Bearbeitungsmuster aufweist, könnte aus der Zeit von Mitte 2. bis Mitte 1. Jahrhundert v. Chr. stammen. Die Experten vermuten aber, dass sie eher zufällig in die Verfüllung einer fast 1000 Jahre jüngeren Grube gelangt ist. Doch sie zeigt, dass ein Gehöft aus der Keltenzeit in der Nähe gestanden haben muss.

Weitere Scherben verraten, dass es hier im Frühmittelalter Gebäude gab. Besonders interessant sind Gruben, in denen Pfosten mit einem Durchmesser von 60 oder mehr Zentimetern standen. Einige der Pfähle wurden offensichtlich unten zugespitzt und in den Boden gerammt. Sie weisen auf einen riesigen Bau hin, der die üblichen Gebäudedimensionen der geschätzten Zeit deutlich sprengt. Aber: „Der ausgegrabene Ausschnitt der Siedlung ist zu klein, um den Grundriss des Gebäudes rekonstruieren zu können“, so Biermeier.

Die Pfosten würden jedoch an einen vergleichbaren Fund im Gewerbegebiet Harthofen erinnern. Die Spezialisten vermuten, dass es sich in Buch um einen Speicher handelt, möglicherweise um einen sogenannten Zehntscheuer – ein Lagerhaus, in dem Bauern als Steuern abgeführte Naturalien gelagert haben. Dafür spricht ein Vermerk in der Ortschronik von Buch, nach dem hier die Familie Cunthart lebte, die zu den Begütertsten des bayerischen Herzogtums gehörte.

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