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Coronakonformer Reitunterricht wie bei Eva Menzinger (r.) in Hammersdorf stellt keinerlei Probleme dar. Der Sicherheitsabstand zu ihrer Schülerin Lea auf dem Islandpferd Heppni kann mühelos eingehalten werden.

Vor allem bei Frauen beliebt

Pferdehof Menzinger: Auf den Lockdown folgt der Reit-Boom

Seit Lockdown-Ende haben Reitvereine und Pferdehöfe alle Hände voll zu tun. Auch der Pferdehof Menzinger in Hammersdorf. Immer mehr Menschen wollen das Reiten lernen.

Hammersdorf – In der Corona-Pandemie konzentrieren sich viele Menschen auf Freizeitangebote in ihrer näheren Umgebung. Dies macht sich auch in Reitvereinen und Pferdehöfen extrem bemerkbar. Beim Pferdehof Menzinger in Hammersdorf bei Buch am Buchrain ist die Nachfrage an Reitunterricht und Einstellmöglichkeiten seit der Krise so hoch wie noch nie zuvor. Diese Erfahrung macht die Familie Menzinger auch noch im Jubiläumsjahr: Seit 25 Jahren gibt es ihren Verein Islandpferdefreunde Hammersdorf.

Der Pferdehof wurde schon ein paar Jahre zuvor von Elisabeth und Jörg Menzinger erworben, weil die heutige Vereinsvorsitzende und Pferdehofleiterin Eva Menzinger damals als Zehnjährige unbedingt Reiten lernen wollte und ihre Eltern mit ihrer Begeisterung angesteckte. So kam es, dass die Familie vor einem guten Viertel Jahrhundert aus München nach Buch zog, damit die Eltern nebenberuflich einen Pferdehof betreiben konnten.

Anfangs lebten in Hammersdorf sogar noch verschiedene Pferderassen. Später wurde der Betrieb komplett auf Islandpferde umgestellt, welche unter anderem für ihre unterschiedlichen Gangarten geschätzt werden. Seit 2003 leitet Eva Menzinger den Pferdehof mit ihrem Mann Villi Einarsson, der 2005 aus Island nach Buch kam. Der stetig gewachsene Betrieb ist der Lebensunterhalt des Paares. Der Verein hat inzwischen knapp unter 100 Mitglieder, und auf dem Hof leben 80 Pferde. Ungefähr ein Drittel davon ist Eigentum der Betreiber, die anderen Tiere sind im Besitz von Bürgern, die Plätze in der Pferdepension gebucht haben.

Vor komplett neue Rahmenbedingungen wurden die Menzingers aufgrund der Pandemie gestellt. Während dem Lockdown war Reitunterricht verboten. „Das war finanziell nicht ganz ohne“, gibt Eva Menzinger zu. Für knapp zwei Monate wurden die beiden angestellten Reitlehrerinnen, die neben ihr und Einarsson unterrichten, in Kurzarbeit geschickt. Pferdebesitzer durften allerdings trotzdem kommen – unter strengen Auflagen. „Manche Ställe hatten in der Zeit komplett geschlossen, aber das fand ich zu hart“, erklärt die 42-Jährige. „Außerdem hätten wir gar nicht so viel Personal, um alle Pferde komplett alleine zu versorgen.“ Des Weiteren wäre es auch für die Lebewesen schlimm, wenn sie ihre vertrauten Personen plötzlich nicht mehr sehen würden.

Maximal eineinhalb Stunden durften die Besitzer während des Lockdowns bei ihrem Pferd verbringen. „Die Leute haben es so genossen, mal rauszukommen und haben gesagt, dass wir ihnen die Zeit gerettet haben“, freut sich Menzinger. „Die Pferde tun für so einen Ausgleich unglaublich gut, weil man dabei selbst zur Ruhe kommen muss.“

Ohne Probleme kann laut der 42-Jährigen seit Frühjahr wieder der Reitunterricht durchgeführt werden. Dieser finde sowieso großteils nur einzeln oder in Zweierteams statt, Sicherheitsabstände können also bequem eingehalten werden, erläutert Menzinger. Zudem findet der Unterricht meistens im Freien statt, sogar die überdachte Halle ist halboffen. Eine Maskenpflicht gibt es nur in geschlossenen Räumen, ergänzt Menzinger.

Ein geändertes Freizeitverhalten der Bevölkerung macht sich seit dem Ende des Lockdowns auch in Hammersdorf bemerkbar. „Wir hatten noch nie so viele Anfragen für Reitunterricht wie dieses Jahr“, berichtet Menzinger und fügt hinzu, dass es anderen Pferdehöfen ähnlich gehe: „Das ist aktuell ein Phänomen in ganz Deutschland.“ Die Sommerferien seien bereits gefragter gewesen als sonst, aber in der Herbst-Zeit sei die Nachfrage bislang sogar am Größten. Das Hauptklientel seien Frauen aus München und der Region, aber aus allen Altersklassen. Selbst die Anfragen nach Pensionsplätzen oder zu verkaufenden Tieren habe sich erhöht. Die 42-Jährige erklärt es sich damit, dass sich viele Menschen jetzt wieder ein festes Hobby suchen „und nun den Traum vom eigenen Pferd verwirklichen wollen“.

Noch gibt es beim Bucher Pferdehof Menzinger aber offene Kapazitäten. Die Reitlehrerin ist positiv gestimmt, dass der Islandpferde-Trend weiter anhalten wird. „Unsere Erfahrung ist, dass man länger dabei bleibt, wenn man erst einmal mit dem Reiten angefangen hat.“

Markus Ostermaier

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