+
Ein überraschendes Versprechen gab Ministerpräsident Markus Söder auf dem Pferdehof Menzinger.

Protest gegen Autobahnlärm

Das Gastgeschenk des Ministerpräsidenten: ein Tempolimit an der A94

  • schließen

Ab 1. Februar soll es eine Geschwindigkeitsbeschränkung an der umstrittenen Isentaltrasse der A94 geben. Das hat Ministerpräsident Markus Söder bei einem Ortstermin versprochen.

Hammersdorf – Die Stimmung war erwartungsvoll, viel erwartet hat aber wohl niemand. Doch Ministerpräsident Markus Söder ließ am Mittwochmittag auf dem Pferdehof Menzinger in Hammersdorf (Gemeinde Buch am Buchrain) eine Bombe platzen. Er hatte für die lärmgeplagten Anwohner der A 94 ein gewaltiges Gastgeschenk dabei: ein Tempolimit zur Lärmreduzierung auf dem vor drei Monaten eröffneten Abschnitt zwischen Pastetten und Heldenstein. „Am 1. Februar wird das kommen“, verkündete Söder.

Eine konkrete Geschwindigkeitsangabe nannte der CSU-Chef nicht. Die genaue Strecke, auf der die Beschränkung gelten soll, müsse noch festgelegt werden. Er sei aber der Meinung: „eher großräumiger als kleinteiliger“. Der dafür zuständige Innenminister sei grundlegend einverstanden. „Ich habe ihn überzeugt“, erklärte Söder vor gut 100 Zuhörern, die zu dem Ortstermin auf dem Pferdehof 400 Meter neben der Autobahn gekommen waren.

Lärm an der A94: Über 70 Dezibel in der Nacht

„Wir haben hier in der Nacht Werte von über 70 Dezibel“, klagte Pferdehofbesitzerin Eva Menzinger über das noch fünf Minuten zuvor organisierte Megaphon – mit so vielen Besuchern hatte niemand gerechnet. „Wir Anwohner tragen eine unglaubliche Last für den Vorteil von vielen“, kritisierte Menzinger. „Zwischen 5 und 6 Uhr ist hier die Hölle los“, erzählte ihr Vater Jörg Menzinger. Die Familie messe selbst Lärm und stelle fest: „Die Nachtwerte werden oft überschritten.“ SPD-Lokalpolitiker Menzinger war lange im Widerstand gegen die Isentaltrasse engagiert. Dass ein CSU-Ministerpräsident ausgerechet auf seinem Hof Wohltaten verkündet – „das werde ich auch noch überleben“, sagte er lächelnd.

Applaus erhielten zwei Protest-Wortführerinnen: Maria Numberger und Isolde Freundl aus Lindum. „Unsere Lebensqualität ist zerstört“, klagte Numberger. Später demonstrierte die Bewohnerin eines Hofs nur 50 Meter neben der A 94, welchen Belastungen sie und ihre junge Familie ausgesetzt sind. Ihr Mann Martin startete einen Rasenmäher-Bulldog. und Maria Numberger hielt dem Ministerpräsidentin ein Messgerät unter die Nase: 71 Dezibel. „Sehen Sie, man kann sich nicht einmal mehr unterhalten“, sagte die forsche junge Frau.

Er habe großes Verständnis für die Nöte der Anwohner, erklärte der Ministerpräsident. Verständnis allein sei aber ein bisschen dünn. „Das Mindeste, was man tun kann, ist den Bürgern ein Angebot zu machen, ihre Lebensgrundlage zu verbessern. „Da gehört der Asphalt dazu, und auch Lärmschutzwände halte ich für essenziell.“ Und eben das Tempolimit, von dem die Autobahndirektion Südbayern gesagt hatte, dass dafür die Rechtsgrundlage fehlt. Den Austausch des kritisierten Fahrbahnbelags halte er durchaus für möglich, deutete Söder an. Dafür und für Verbesserungen beim Lärmschutz seien aber genaue Untersuchungen nötig.

Lärm an der A94: Kritik am Fahrbahnbelag

Zuvor hatten sich Ulrike Scharf, Dorfens Bürgermeister Heinz Grundner und Landrat Martin Bayerstorfer genau hinter diese Forderungen gestellt. „Man hat das Gefühl, es stimmt etwas mit dem Auto nicht, wenn man da rüber fährt“, kritisierte die CSU-Landtagsabgeordnete aus Maria Thalheim den rumpeligen Fahrbahnbelag.

Der Landrat monierte, dass nicht genug Anstrengungen für Lärmschutzwälle unternommen worden seien. Am Abschnitt bis Pastetten seien noch Überschussmassen, also Erdaushub, dafür verwendet worden, wenn Bürger Grund für die Wälle zur Verfügung stellen. „Hier ist aber mit keinem der Anlieger darüber gesprochen“, kritisierte der CSU-Kreisvorsitzende.

Eine weitere Lärmschutz-Sünde sind nach der Überzeugung vieler Bürger die gläsernen Schutzwände auf Brücken. Diese wurden bei einer Planänderung 2015 beschlossen, ohne dass anliegende Kommunen darüber informiert wurden.

Die Zuhörer waren baff, haben jetzt aber eine neue Sorge. Hier unser Bericht.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fraunberger findet Impfscheine aus dem Jahr 1885 auf seinem Dachboden
Einen ganz besonderen Fund, der bestens zur aktuellen Situation passt, hat der 80-jährige Bartholomäus Lechner aus Großhündlbach (Gemeinde Fraunberg) auf seinem …
Fraunberger findet Impfscheine aus dem Jahr 1885 auf seinem Dachboden
Coronavirus im Landkreis Erding: Verdopplungsrate bei zwölf Tagen – Newsticker
Im Landkreis Erding haben sich 442 Menschen mit dem Sars-Cov-2 infiziert. Die Verdopplungsrate sinkt damit weiterhin und liegt bei zwölf Tagen.
Coronavirus im Landkreis Erding: Verdopplungsrate bei zwölf Tagen – Newsticker
Rekordergebnis trotz verkürzter Christmas-Hill-Zeit
Ein Rekord-Spendenergebnis von 16 000 Euro kam beim diesjährigen Christmas Hill in Ottenhofen zusammen.
Rekordergebnis trotz verkürzter Christmas-Hill-Zeit
Landkreis Erding: Corona-Virus erreicht Pflegeheime
Das Corona-Virus hat die Pflegeheime erreicht. Das Landratsamt bestätigte drei Covid-19-Fälle in drei der 15 Senioren- und Behinderteneinrichtungen im Landkreis.
Landkreis Erding: Corona-Virus erreicht Pflegeheime

Kommentare