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Von Flüsterasphalt bis Tempolimit: Der Gemeinderat Buch am Buchrain fordert eine ganze Reihe an Maßnahmen, um den Lärm der A 94 für ihre Anwohner erträglicher zu machen (Symbolbild).

Kommune fordert ganze Reihe an Maßnahmen

Von Flüsterasphalt bis Tempolimit: Gemeinderat Buch sagt A 94-Lärm den Kampf an

Von Flüsterasphalt bis Tempolimit: Der Gemeinderat Buch am Buchrain fordert eine ganze Reihe an Maßnahmen, um den Lärm der A 94 für ihre Anwohner erträglicher zu machen.

Buch am Buchrain– Mit unerträglichen Lärmbelastungen haben viele Einwohner der Gemeinde Buch zu kämpfen, die neben der neuen A 94 leben. Interessensgemeinschaftssprecher Wolfgang Obermaier erhielt in der Gemeinderatssitzung am Dienstag zwar Rederecht, präsentierte aber nicht die Ergebnisse seiner eigenen Lärmmessung. Die Aufzeichnungen eines Firmen-Messgeräts, die unserer Zeitung vorliegen, zeigen deutliche Überschreitungen der gesetzlichen Grenzwerte. So wurden etwa am 18. Oktober um 11.47 Uhr 94,1 Dezibel registriert, Spitzenreiter in der Nacht waren am 15. Oktober um 23.47 Uhr 86,5 Dezibel. Die Grenzwerte liegen bei 59 beziehungsweise 49 Dezibel.

Verzicht auf Flüsterasphalt „ein Saustall“

Die Gemeinderäte leiden mit den betroffenen Anwohnern. Matthias Steutzger (parteifrei) nannte die A 94 „eine neue Referenzstrecke einer schlechten Autobahn“, Vize-Bürgermeister Martin Kunstwadl (WG) bezeichnete den Verzicht auf Flüsterasphalt als „Saustall“. Sogar im Hauptort höre er gelegentlich den Lärm. Erschrocken über die Geräuschkulisse im Auto während der Fahrt war Martin Dondl (WG).

„Die berechneten Verkehrszahlen stimmen hinten und vorne nicht mehr“, meinte Margit Kunstwadl (WG). Zugenommen habe ihr zufolge in den vergangenen Jahren nicht nur die Anzahl der Lkw, sondern auch die der Autos. Von „extremen Auswirkungen für die Anlieger“ sprach Ferdinand Geisberger (CSU).

Der Bürgermeister wehrte sich gleichzeitig gegen Obermaiers Vorwurf, die Kommune habe im Planfeststellungsverfahren zu wenig gegen die Autobahn unternommen und verwies auf frühere Klagen der Gemeinde.

Gleich mehrere Anträge zum Thema A 94

Zum Thema A 94 waren gleich mehrere Anträge zur Sitzung eingegangen. Neben Post von Obermaier, Anwohnern und den Islandpferdefreunden gab es einen Antrag von Bernhard Blasi (CSU) sowie vier von SPD/Parteifreien. Da alle dasselbe Ziel bezwecken, wollte Geisberger erst nicht auf die einzelnen Schreiben eingehen. Stattdessen präsentierte er einen am Vortag der Sitzung versandten Brief der Gemeinde an die CSU-Politiker Ulrike Scharf und Andreas Lenz, an die Arge 94, an die Autobahndirektion Südbayern sowie an die Regierung von Oberbayern. Darin stellt Geisberger Fragen zur Realisierung des Planfeststellungsbeschlusses und fordert die Überprüfung der Wirkung der Lärmschutzmaßnahmen sowie ein Lärmgutachten mit Berücksichtigung aller Windrichtungen.

Detaillierte Forderungen - Sofortmaßnahme: Tempolimit

Martin Kern (SPD) und Josef Auer (WG) war der Brief nicht konkret genug. Sie sprachen sich für detailliertere Forderungen aus, die anschließend gesammelt wurden. Neben Flüsterasphalt, neuen Lärmschutzwänden und -wällen beziehungsweise deren Erhöhung plädierte das Gremium als Sofortmaßnahme für eine Tempobegrenzung. Der Wunsch des Gemeinderats wären 60 km/h für Laster, 130 km/h für Autos tagsüber sowie in der Nacht 100 km/h.

Eine Fachberatung als Rechtsbeistand für alle Maßnahmen schlug Blasi in seinem Antrag vor. Einen Zusammenschluss mit der Interessensgemeinschaft sowie den anderen betroffenen Orten regte Axel Krämer (CSU) an. Kerns Idee der Prüfung nach überschüssigem Erd-Baumaterial der Autobahn, das für Wälle genutzt werden könnte, wird nachgegangen. Ebenso wurde der SPD-Antrag unterstützt, vom Landesamt für Umwelt die kostenlose Messung aus dem Lärmbelastungskataster anzufordern. Geisberger will zudem einen Vertreter nach Buch einladen.

Forderung nach einem professionellen Lärmgutachten

Dondl und Steutzger forderten die zeitnahe Durchführung eines professionellen Lärmgutachtens nur für die Gemeinde Buch. Die Verwaltung will sich hierzu informieren und einen Gutachter einladen. SPD/Parteifreie hinterfragten zudem die Inhalte des genehmigten Planfeststellungsbeschlusses. Die finale Version liege Buch nicht vor, antwortete Geisberger. Er empfahl den Anwohnern, sich direkt an die Regierung von Oberbayern zu wenden und die Lärmprognose für ihren Standort selbst anzufordern. Bei Problemen wolle die Gemeinde eine Anfrage starten. 

Markus Ostermaier

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