Im Austausch mit der Kanzlerin: Nicole Simon aus Buch (r.) erhielt eine der seltenen Gelegenheiten, sich mit Angela Merkel über ihre Ausbildung zu unterhalten.
+
Im Austausch mit der Kanzlerin: Nicole Simon aus Buch (r.) erhielt eine der seltenen Gelegenheiten, sich mit Angela Merkel über ihre Ausbildung zu unterhalten.

Online-Bürgerdialog: Nicole Simon (18) ohne Scheu vor Angela Merkel

Bucherin befragt Bundeskanzlerin

Nur wenige junge Menschen können behaupten, sich mit der Bundeskanzlerin unterhalten zu haben. Nicole Simon aus Buch am Buchrain wurde nun diese Ehre zuteil. Die 18-Jährige nahm am digitalen Bürgerdialog von Angela Merkel teil. Thema: die Ausbildung in Zeiten von Corona.

VON MARKUS OSTERMAIER

Buch/Berlin – Die Kanzlerin legt Wert auf den Austausch mit der Bevölkerung, trotz Pandemie. Beim ersten von Merkels vier virtuellen Gesprächsrunden kamen verschiedenste Lehrlinge und Ausbilder zu Wort. Ein Orgelbauer, eine Lufthansa-Speditionskauffrau, ein Bierbrauer oder eine Hotelchefin aus Berchtesgaden – die Berufsvielfalt der 18 Teilnehmer war groß. Auszubildende seien laut Merkel in „einer ganz entscheidenden Phase ihres Lebens“. Für Schulabgänger sei der Wechsel in den neuen Lebensabschnitt wegen Corona noch besonderer, die Suche nach einer Ausbildungsstelle vielleicht noch schwieriger. „Und das will ich einfach von Ihnen hören, weil ich ja auch nicht jeden Tag mit Auszubildenden spreche“, sagte die Bundeskanzlerin. Die Teilnehmer waren 90 Minuten lang live mit Kamerabild zugeschaltet, Merkel sowie Moderator Sven Voss lauschten und antworteten aus dem Kanzleramt in Berlin.

Länger gedulden, bis sie zu Wort kam, musste sich Niocole Simon. Erst kurz vor Schluss erschien die Bucherin an ihrem Homeoffice-Arbeitsplatz auf dem Bildschirm. So nervös sei sie nicht gewesen, erzählt sie unserer Zeitung. Nach ihrer Vorstellung stellte sie der Kanzlerin verschiedene Fragen. Sie interessierte, welchen Rat Merkel der jungen Generation für die Zukunft geben möchte. Die CDU-Politikerin antwortete, „obwohl das jetzt ein bisschen paradox klingt“, persönliche Kontakte wertzuschätzen. Außerdem bat sie, zu beachten, dass ein funktionierender Staat nicht selbstverständlich sei. Bei Naturkatastrophen sei es wichtig, sich präventiv zu wappnen. Auch der Klimawandel sei ein solches Ereignis, für das man umdenken müsse. „Das sollten Sie als Generation erst nehmen“, sagte Merkel.

In dem Zusammenhang sprach die Kanzlerin von der Wichtigkeit der generationsübergreifenden Zusammenarbeit. „Sie als die Jungen haben das Recht, von uns – den Älteren – zu verlangen, dass wir uns um den Klimaschutz kümmern.“ Im Gegenzug sei es in besonderen Zeiten der Pandemie aber auch deren Recht, von der jüngeren Generation Opfer einzufordern, um Risiken zu vermeiden.

Simon, die für den Livestream ihren bayerischen Dialekt etwas unterdrückte, stimmte Merkel zu und erkundigte sich nach Fortschritten in der Klimabilanz. Die 66-Jährige informierte über die geplanten Maßnahmen wie die ausschließliche Wasserstoff-Nutzung ab 2050. „Technologisch ganz herausfordernde Zeiten“ stünden bevor.

Möglich wurde Simons Teilnahme, da eine Vertreterin der Münchner IHK sie bereits durch ihr Engagement als Ausbildungsscout kannte. Die 18-Jährige, die bei Seidenader Maschinenbau den Beruf der technischen Produktdesignerin erlernt, stellte sich sofort zur Verfügung. „Ich bin bei sowas relativ offen, und so eine Möglichkeit bekommt man ja nicht alle Tage“, erklärt Simon.

Die Bucherin wertet Merkels Antworten im Nachgang als „interessant und informativ“. Zu ihrer Klima-Nachfrage hatte sie eine etwas andere Antwort erwartet, „aber wahrscheinlich wurde die Frage etwas falsch verstanden“. Generell ist sie vom Auftritt der Kanzlerin sehr angetan. „Sie hat sich total Mühe gegeben, und sie ist so rübergekommen, als hätten sie unsere Themen wirklich total interessiert“, berichtet Simon. Merkel sei wichtig gewesen, dass trotz der fortgeschrittenen Zeit jeder Dialog-Teilnehmer zu Wort komme. „Es war eine coole Möglichkeit und eine schöne Erfahrung“, lautet ihr Fazit.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare