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In ihrem Element: Barbara Valentiner als Kämpferin bei den Ritterspielen.

Bucherin bei den Kaltenberger Ritterspielen

Amazone in der Arena

Barbara Valentiner liebt das Mittelalter. Die Taekwondo-Sportlerin aus Buch ist seit Jahren Kämpferin beim großen Kaltenberger Ritterturnier. Bis Ende Juli ist die 51-Jährige heuer wieder in der Arena zu sehen.

Buch/Kaltenberg – Auftritte von Gauklern und Narren, rhythmische Mittelalter-Musik mit Dudelsäcken, eine spannende Stuntshow mit Pferden – die Ritterspiele in Kaltenberg (Landkreis Landsberg) entführen jährlich zehntausende Besucher in eine ganz andere Welt.

Fasziniert war auch Barbara Valentiner, als sie das Mittelalter-Festival Ende der 90er-Jahre zum ersten Mal besuchte. Die Frau aus Buch am Buchrain war sofort vom außergewöhnlichen Flair begeistert. Selbst als Valentiner mit ihrer Familie 1999 für zehn Jahre nach Amerika ging, ließ sie die Faszination nicht los. Beim jährlichen Sommerurlaub in der Heimat waren die Ausflüge nach Kaltenberg Pflicht. Jeden Sommer besuchten sie an fast allen Aufführungswochenenden die Ritterspiele. Schließlich dachte sich die Frau mit den langen blonden Haaren, sie möchte noch öfters in Kaltenberg sein und schrieb von Amerika aus den Produzenten an, ob er nicht einen freien Job für sie hätte – egal für was. Mit Erfolg. Die Organisatoren waren von der Spontanbewerbung überzeugt.

Von 2006 bis 2008 arbeitete Valentiner bei den Rittenspielen als Pressebetreuerin. „Ich kannte mich auf dem Gelände ja schon bestens aus. Für mich waren das eher wie Spaziergänge“, erzählt Valentiner, die 2009 wieder nach Buch zurückkehrte. 2010 wirkte sie das erste Mal beim dortigen Mittelalter-Festumzug mit und wurde schließlich gefragt, ob sie im Folgejahr nicht als Kämpferin in der Showarena mitwirken wolle. Bis dato hatte die Bucherin, die seit 36 Jahren die koreanische Kampfsportart Taekwondo betreibt, aber gar keine Erfahrung mit Kampfauftritten in einer Liveshow.

„Bei meiner ersten Show vor den 12 000 Besuchern war ich immens aufgeregt. Aber das Adrenalin pusht einen enorm.“ Und Valentiner kam auf den Geschmack. Heuer kämpft sie bereits zum sechsten Mal in den Reihen der bösen Ritter. Den Gruppen schwarze Ritter zu Bruck und den Barbaren gehörte sie an, dieses Mal tritt sie mit dem Wikinger-Verein Cullach Cuthach auf. „Zu den Guten will ich gar nicht gehören“, erklärt sie schmunzelnd. Heuer ist Valentiner in Kaltenberg als Mönch und Feuerritter zu sehen. An diesem Wochenende ist Premiere, Aufführungen sind auch an den nächsten beiden Wochenenden.

„Etwas ungewöhnlich“, wie sie selbst sagt, ist ihre Waffe: ein Stock. Ihr männlicher Haupt-Kampfpartner ist mit einem Schwert bewaffnet, die Bewegungen seien aber ähnlich. Generell ist die Besetzung der Kampfgruppen überwiegend männlich. „Früher waren es höchstens fünf bis sechs Frauen, inzwischen werden es aber mehr“, erklärt die Bucherin. Auf jeden Fall ist die Teilnahme bei den Ritterspielen zeitaufwendig. Bereits im Mai waren die ersten Workshops, ab Ende Juni liefen Trainings für Kämpfe und Choreografien. An den drei Spielwochenenden schläft Valentiner in Kaltenberg in einem Mercedes-Bus, den ihr der befreundete Musikkabarettist Roland Hefter leiht.

„Es ist körperlich schon sehr anstrengend und man kommt schon manchmal bei den warmen Temperaturen ans Limit“, erzählt Valentiner, die beruflich als Check In Service Assistant bei der Lufthansa arbeitet. Auch ganz ohne Verletzungen geht es nicht. Immer wieder gibt es blaue Flecken, einmal gab es schon eine überdehnte Sehne und einen durchs Schwert abgeschürften Finger. Trotz der Verletzungen meisterte Valentiner aber tapfer alle weiteren Shows in diesen Jahren.

Ursprünglich hatte die Bucherin überlegt, heuer nicht mehr aufzutreten. Beim Besuch des ersten Trainings war das aber schnell wieder vom Tisch. „Das würde ich auch gerne wissen“, sagt Valentiner lachend, wenn man fragt, woher das große Mittelalter-Interesse kommt. „Es zieht mich einfach an und man kommt nicht mehr raus. Ich fühle mich einfach wohl, und Kaltenberg ist wie nach Hause kommen. Es ist eine Leidenschaft und wie eine Auszeit von der Alltagshektik.“

Markus Ostermaier

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