Vier Meter hoch, 35 Meter lang: Wolfgang Obermaier hat auf seinem Anwesen in Loiperding eine Lärmschutzwand selbst gebaut. Sie steht im Westen des Grundstücks. Dort ist die Entfernung zur A 94 am kürzesten.
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Vier Meter hoch, 35 Meter lang: Wolfgang Obermaier hat auf seinem Anwesen in Loiperding eine Lärmschutzwand selbst gebaut. Sie steht im Westen des Grundstücks. Dort ist die Entfernung zur A 94 am kürzesten.

20.000 Euro aus eigener Tasche

Corona-Lockerungen spürbar: A94-Anwohner hält Lärm nicht mehr aus - und zahlt Schutzwall aus eigener Tasche

Coronabedingt hatten die A94-Anlieger eine Pause vom Autobahnlärm. Der nimmt allmählich wieder Fahrt auf. Eine Familie hat jetzt selbst eine Lärmschutzwand bauen lassen - finanziert aus eigener Tasche.

  • Die Anlieger der neuen Autobahn im Landkreis Erding sind Lärm gewohnt.
  • Dieser hatte zwischenzeitlich dank Corona etwas abgenommen.
  • Nun wo wieder mehr Autos fahren, hat ein Anwohner sich selbst geholfen.
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Buch am Buchrain– Nach der Corona-Pause nimmt der Verkehr auf den Autobahnen wieder zu. Das spüren auch die A94-Anwohner aus Buch am Buchrain. Acht Monate nach der Trassen-Eröffnung hoffen sie noch immer auf eine Verbesserung ihrer Lebenssituation.

Aufgrund der Corona-Krise sind seit Mitte März andere wichtige Themen aus dem öffentlichen Fokus verschwunden – wie die Ende September eröffnete A94. Aktuell werden ihre Sorgen nicht primär behandelt, doch die Anwohner leben noch immer in unmittelbarer Nähe zur Autobahn. Wie geht es den Betroffenen? Wir sprachen mit drei Anliegern aus Buch.

A94-Anwohner klagen über Lärmbelastung - Tempolimit bringt Erleichertung

Dort sind vor allem die äußeren Ortsteile Hammersdorf, Loiperding, Herweg, Tannenhof und Ödenbach betroffen. Die A94 führt dort vorbei Richtung Dorfen, allerdings gibt es weder lärmmindernden Fahrbahnbelag noch andere Schutzmaßnahmen. Übereinstimmend berichten die A94-Anlieger, dass das im Februar eingeführte Tempolimit die Situation leicht verbessert habe. „Eigentlich hatte ich aber gar nicht erwartet, dass es etwas bringt“, gibt Eva Menzinger aus Hammersdorf zu. Buchs CSU-Gemeinderat Bernhard Blasi, ebenfalls aus Hammersdorf, nennt die 120 km/h-Beschränkung einen guten Anfang: „Die Spitzen mit den sehr schnellen lauten Autos sind weniger geworden.“

Noch spürbarere Veränderungen brachte der Lockdown mit den Ausgangsbeschränkungen. „Das hat uns eine ruhigere Phase beschert. Teilweise war es fast wie früher“, berichtet Wolfgang Obermaier (44), der in Loiperding etwa 300 Meter von der Trasse entfernt wohnt. Das Idyll war aber nur von kurzer Dauer. Jede Corona-Lockerung mache sich auch auf den Straßen bemerkbar, sagt Obermaier: „Jeder Tag mit einer Entlastung bringt eine neue Belastung für uns.“

Lärmbelastung an A94: Hauptproblem sind die Lastwagen

Noch immer seien das Hauptproblem die Lkw, denen jedoch keine Tempobeschränkung vorgeschrieben wurde. Bei ungünstiger Lage hört Obermaier die Lastwagen bis Lengdorf beziehungsweise Pastetten. „Eigentlich wäre Tempo 60 für Laster gut, aber dann braucht man ja keine Autobahn mehr“, sagt Menzinger, die ihren Pferdehof in etwa 350 Meter Entfernung zur A94 betreibt.

Die 41-Jährige, ihre Mitarbeiter und Gäste leiden besonders unter dem Lärmpegel . „Wir müssen alle draußen arbeiten und können beim Reitunterricht keinen Gehörschutz tragen.“ Die Reitstunden-Nachfrage nehme zu, doch der Dauerlärm sei ein störender Faktor. Für die Pferde seien diese Umwelteinflüsse auch nicht optimal, selbst wenn sie sich etwas daran gewöhnen, so Menzinger. Das Überqueren der Autobahnbrücke klappe inzwischen meistens. Hupende oder rasende Fahrzeuge flößen den Tieren dennoch Angst ein, so die Bucherin.

Nach Corona-Lockerungen wieder mehr Lärm - Anwohner baut A94 Schutzwall

Inzwischen selbst aktiv geworden sind die Obermaiers. In Eigenregie bauten sie auf der Westseite ihres Grundstücks eine Lärmschutzwand aus Erdabraum – vier Meter hoch und 35 Meter lang. In ein paar Jahren soll sie ganz grün aussehen, Efeu soll auf beiden Seiten hinauf wachsen. Die Kosten von 20.000 Euro trägt die Familie privat. Leichte akustische Verbesserungen im Garten oder auf der Terrasse merken Obermaier und seine Frau Sandra bereits. Ebenso wollen sie noch einen Erdwall sowie im Norden eine längere Garage errichten, die ebenfalls Straßenlärm abfangen soll.

Nach wie vor „in der Lebensqualität beeinträchtigt“ fühlt sich die Familie Blasi, die zwar etwa 750 Meter von der A94 entfernt lebt, aber sie dennoch stark höre. Den 32-jährigen Blasi ärgert besonders, dass Bucher Betroffene zuvor in Bürgerversammlungen beruhigt worden seien, dass in den bewohnten Bereichen Flüsterasphalt verwendet werde. „Man verlässt sich darauf, und es gibt auch die technischen Möglichkeiten, aber leider wurde bei uns gespart und nicht nach aktuellem Standard gebaut“, so Blasi.

Corona-Lockerungen bringen A94-Lärm zurück - Anwohner fordern erneute Maßnahmen

Die ersten Angaben der Autobahndirektion, dass bisher keine Baufehler entdeckt worden seien, überraschen die Anlieger nicht. „Ich hatte nicht unbedingt geglaubt, dass rechtswidrig gebaut wurde“, sagt Menzinger. Auch Obermaier sieht die Schuld nicht bei der ausführenden Firma, sondern bei Politik und Autobahndirektion, die für die Planunterlagen verantwortlich seien.

Dass die angekündigten Lärmmessungen wie berichtet zeitlich verschoben werden, begrüßen alle. Ebenso würden sie sich grundsätzlich über eine Verlängerung des Tempolimits freuen – aber nicht als einzige Maßnahme. Verbesserungen am Fahrbahnbelag oder mehr Lärmschutz sehen sie noch immer als erforderlich an.

A94-Anwohner klagen über Lärm: „...müssen wir wieder aktiv werden“

Obermaier hat bereits einen Ersatztermin mit Landrat Martin Bayerstorfer und MdL Ulrike Scharf angefragt, der im März wegen Corona ausgefallen war. „Mal sehen, welche ihrer Forderungen von vor der Wahl jetzt noch stehen“, sagt der 44-Jährige. Blasi möchte die Thematik wieder im Gemeinderat platzieren. Ihn interessieren die Gutachten-Fortschritte und das Vorgehen anderer Landkreisgemeinden. Zudem würde er gern mit einem Fachmann zusammenarbeiten, der die Kommune zu Lärmentwicklung und -schutz berät.

Die meisten Anwohner haben Verständnis, dass während der Corona-Krise der Fokus woanders lag. Etwas Sorge bereitet Menzinger allerdings die wirtschaftliche Situation und dass aufgrund der Krise lange nichts voranschreiten könnte. Sie ist noch immer begeistert vom Auftritt des Ministerpräsidenten auf ihrem Pferdehof und setzt große Hoffnung in Markus Söders damalige „positive Signale“. Sie möchte abwarten. „Wenn das Thema aber total einschläft, müssen wir wieder aktiv werden.“

Die Isentalautobahn hatte schon während ihrer Bauphase und vor der Eröffnung immer wieder zu heftigen Protesten der Anwohner geführt. 

Markus Ostermaier

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