In fast unberührter Landschaft wird der Bucher Mobilfunkmast gebaut. Das Fundament steht bereits.

Baubeginn für Handymast 

Endlich raus aus dem digitalen Mittelalter

Buch am Buchrain - Mehrere Bauverzögerungen und viele Jahre Standortsuche liegen hinter dem von der Bucher Bevölkerung gewünschten Mobilfunkmast. Nun wird er tatsächlich, nahe der A 94, gebaut. Ein Rückblick über das oftmals schwierige Kapitel Handymast.

„Die Lage der Gemeinde verbietet viele Standorte.“ Diese Worte eines Vodafone-Vertreters vom April 2011 haben sich, rückblickend gesehen, zum Thema Mobilfunkmast in Buch am Buchrain bewahrheitet. Die Netzdeckung beschäftigte die Gemeinde über die vergangenen sechs Jahre durchgehend und stellte das Ratsgremium immer wieder vor neue Probleme. Einheimische waren schon 2010 von der Notwendigkeit eines eigenen Sendemasts überzeugt. „Die digitale Versorgung hier ist wie im Mittelalter“, sagte ein Bürger damals.

Im April 2010 fiel der Beschluss, drei Monate später parallel zum Nichtraucherschutz-Bürgerentscheid eine Befragung durchzuführen, wie die Bucher zum Mobilfunk stehen. „Wir wollten uns damit ein Meinungsbild einholen. Denn oft hört man nur die Lauten, die dagegen schimpfen und nicht die, die es dringend brauchen“, sagt Bürgermeister Ferdinand Geisberger heute. Die Umfrage lieferte auch ein deutliches Ergebnis: Bei einer Beteiligung von 41,37 Prozent stimmten 74,35 Prozent der Bürger für eine bessere Mobilfunkversorgung. Außerdem favorisierten 52,07 Prozent den am weitesten vom Hauptort entfernten Standortvorschlag, den Wasserturm in Oberbuch.

Vier mögliche Anbieter hatte die Kommune zum Zeitpunkt der Umfrage vorzuweisen. Im März 2011 war nur noch Vodafone im Spiel. Der Betreiber war am Grund von drei Eigentümern in Mitterbuch interessiert, welche die Anfrage aber alle ablehnten. Schon einen Monat später änderte Vodafone seine Meinung wieder zum Standortvorschlag Wasserturm. Zwar sei das Gebiet Oberbuch schon gut versorgt, aber man könnte sich den Platz eventuell nun doch vorstellen, erläuterte ein Vertreter damals. Der Standort in einer Ackerfläche im Pitzer Feld südöstlich vom Bauhof wurde als nicht geeignet eingestuft, da das Gelände von Buch teilweise hügelig ist.

Prompt gab es im Mai 2011 eine Unterschriftsliste von Bewohnern aus Oberbuch gegen den Handymast, aus Angst vor gesundheitlichen Auswirkungen. In der selben Sitzung folgte einen neuen Standortvorschlag – ein Platz auf einem Feld zwischen Hauptort und Mitterbuch. Von der Entscheidung, diesen Standort prüfen zu lassen, ließ das Gremium vorerst auch nicht ab, als es einen Monat später wieder eine Unterschriftsliste gegen den neuen Standortvorschlag gab.

Ein Notfall während einer Beerdigung betonte die Dringlichkeit einer guten Handyverbindung erneut. Im September 2011 hatte eine ältere Frau Kreislaufprobleme, brach zusammen und wurde bewusstlos. Der Notarzt konnte wegen des schlechten Netzes nicht verständigt werden. „Alle haben auf der Beerdigung über unser Netz geschimpft“, hieß es damals im Gemeinderat.

Wie Geisberger im April 2012 berichten musste, gab es bei Vodafone ein Umdenken. Der Betreiber habe kein Interesse mehr, das Handynetz zu verbessern, und alle Standortvorschläge hatten sich somit erledigt. Gleichzeitig verkündete der Rathauschef, dass dafür die Deutsche Telekom die Verhandlungen wieder aufgenommen habe. Der Hauptgrund für das Umdenken lag aber nicht an Buch am Buchrain selbst, wie Telekom-Pressesprecherin Katja Werz schon im August 2012 erklärte: „Hauptziel ist es, die A 94 gut abzudecken.“

Die freudige Nachricht folgte dann im Dezember 2012: Telekom hat in einem Waldstück nahe der künftigen Autobahntrasse einen Standort gefunden. Im August 2013 wurde der Bauantrag für den 50 Meter hohen Stahlgittermast vom Bucher Gremium genehmigt. Der Standort befindet sich auf einer kleinen Grünfläche im Waldstück beim Fischbacherhäuschen (Ortsteil Hausmehring).

Im April 2014 ruderte der Anbieter beim Baubeginn wieder zurück. Anstatt Anfang 2014 sollte es im vierten Quartal losgehen. Wegen geänderter Rahmenbedingungen erläuterte Telekom dann im August 2014 gegenüber der Heimatzeitung, dass der Sendemast doch erst im Frühjahr 2015 gebaut werden kann.

Die überraschende Neuigkeit, dass Vodafone wieder an der Verbesserung des Mobilfunknetzes interessiert ist und später den Telekom-Mast mit nutzen will, gab es im April 2015. In derselben Sitzung verkündete Bürgermeister Geisberger allerdings auch, dass der Bau erneut verschoben worden sei. Kurzfristige Verschiebungen gab es vergangenes Jahr noch öfters: Der Baubeginn Ende Juni konnte nicht eingehalten werden, der Zeitraum August bis Oktober ebenfalls nicht. Ende Oktober verriet Pressesprecherin Werz auch die Ursache dafür: Infrastruktur-Probleme.

Schließlich gab der Rathauschef im Februar in der Bürgerversammlung bekannt, dass der Sendemast bis Sommer 2016 stehen soll, da Hauptanfahrtswege zum Standort nur noch bis dahin Bestand haben und dann der A 94-Trasse zum Opfer fallen werden. Auch die Deutsche Telekom bestätigte vor zwei Monaten, dass die letzten Schwierigkeiten gelöst worden seien und die Vorbereitungen für die Bauphase im Mai starten sollen.

Und es ist tatsächlich so: in dem ruhigen Waldstück in Hausmehring wird mittlerweile wirklich schon gearbeitet. Das Fundament für den Handymast in der Nähe des verlassenen Fischbacherhäuschens steht bereits. Demnächst wird der Sendemast aufgestellt. Die Inbetriebnahme der Technik erfolgt aber nicht vor Jahresende.

Gemeindechef Geisberger ist sehr froh über den „jetzt endlich“ erfolgten Baubeginn: „In unserer Zeit mit Smartphones und der heutigen Technik wird eine gute Handyversorgung immer wichtiger. Es ist ein Standard-Faktor für Neuansiedlungen von Firmen.“

Markus Ostermaier

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