An allen vier Ortseingängen von Buch befinden sich Begrüßungstafeln, die auch das Gemeindewappen zeigen. Heimatforscher Walter Hipper kennt dessen Bedeutung genau. Der 81-Jährige ist umfangreich mit der Bucher Historie vertraut. Unzählige antike Unterlagen hat er gesichtet und übersetzt mit Freude historische Dokumente in die heutige Sprache. Hipper war auch einer der Hauptinitiatoren, als 2008 die erste Gemeindechronik veröffentlicht wurde. „Man wächst da hinein und wird mit der Zeit immer neugieriger“, erinnert er sich an die umfangreichen Recherchearbeiten. Einen Namen gemacht hat sich Hipper zudem als Naturexperte: 28 Jahre lang leitete er bis 2019 den Verein für Gartenbau und Dorfverschönerung Buch-Reithofen.
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An allen vier Ortseingängen von Buch befinden sich Begrüßungstafeln, die auch das Gemeindewappen zeigen. Heimatforscher Walter Hipper kennt dessen Bedeutung genau. Der 81-Jährige ist umfangreich mit der Bucher Historie vertraut. Unzählige antike Unterlagen hat er gesichtet und übersetzt mit Freude historische Dokumente in die heutige Sprache. Hipper war auch einer der Hauptinitiatoren, als 2008 die erste Gemeindechronik veröffentlicht wurde. „Man wächst da hinein und wird mit der Zeit immer neugieriger“, erinnert er sich an die umfangreichen Recherchearbeiten. Einen Namen gemacht hat sich Hipper zudem als Naturexperte: 28 Jahre lang leitete er bis 2019 den Verein für Gartenbau und Dorfverschönerung Buch-Reithofen.

Das Wappen ist jung, verweist aber auf eine lange Geschichte

Buch am Buchrains Gemeindewappen: Erinnerung an einen Edelsitz

Buch am Buchrain – Verhältnismäßig jung ist das Wappen von Buch am Buchrain – es gibt es erst seit 38 Jahren. Die Ursprünge gehen jedoch weit zurück in die Vergangenheit. Das Aushängeschild der 1213 Jahre alten Gemeinde bezieht sich unter anderem auf den früheren Edelsitz im 14. Jahrhundert.

Gelb, Schwarz und Weiß sind die Farben des Wappens von Buch. Angefertigt wurde dieser Entwurf von Theodor Goerge, einem gefragten Heraldiker aus Freising, im Auftrag des Gemeinderats und des damaligen Bürgermeisters Anton Lohner. Die Erstellung von Wappen „ist in den 1980er Jahren in Mode gekommen“, weiß Buchs Heimatforscher Walter Hipper. Ihn könnte man getrost als wandelndes Ortslexikon von Buch am Buchrain bezeichnen, auch wenn er das sofort bescheiden abwinken würde.

Entwurf aus dem Jahr 1983

Ob die Kommune einen bestimmten Bezug zu Heraldiker Goerge hatte, ist Hipper nicht bekannt. Auf jeden Fall wurde dessen Wappen-Entwurf am 10. Juni 1983 von der Regierung von Oberbayern angenommen und darf seitdem offiziell verwendet werden.

Das Wappen zeigt einen schwarzen Stierkopf in einer gelben Vierung sowie einen hellen Buchenzweig mit drei Blättern und zwei gelben Bucheckern. Hipper kennt die Bedeutung dieser Elemente genau. Selbst die Grundform mit dem schwarzen Hintergrund und der andersfarbigen Vierung links oben hat eine Bedeutung.

Das schildförmige Motiv bezieht sich auf das alte Wappen der Puecher, das zusätzlich einen Helm mit zwei Hörnern beinhaltet. Das im 8. Jahrhundert erstmals erwähnte Buch war im Hochmittelalter Sitz eines Adelgeschlechts: der Puecher. Diese Familie kann bis ins 14. Jahrhundert nachgewiesen werden.

Aus Puech am Puechrain wird Buch am Buchrain

„Buch war als Edelsitz sehr begehrt und hatte eine hohe Bedeutung“, erläutert Hipper, der seit mehr als 50 Jahren mit Gattin Irene verheiratet ist und zwei Töchter hat. „Bis 1404 hat hier das Geschlecht der Puecher regiert. Das waren bedeutende Leute. Wir hatten also über 400 Jahre lang einen Ortsadel.“ Auf dieser Zeit und der Bezeichnung Puech am Puechrain basiert auch der heutige Ortsname.

Aus den früheren Wappen des Adelsgeschlechts der Puecher und der Familie von Bischof Moritz von Sandizell setzt sich das aktuelle Wappen zusammen.

Der Stierkopf aus dem Gemeindewappen bezieht sich laut Hipper auf das Wappen der Edlen von Sandizell, ein uraltes bayerisches Adelsgeschlecht aus dem 16. Jahrhundert. Moritz von Sandizell war Bischof von Freising und verwaltete die Pfarrei Buch von 1540 bis 1557. Jedoch ist nicht eine Tätigkeit als Pfarrherr übermittelt. Die Seelsorge hatte von Sandizell wohl einem Vikar übertragen.

„Da Buch eine reiche Pfarrei war, waren wir eher dafür da, um sein Einkommen aufzubessern“, erläutert Hipper. In einem Kapitel der Gemeindechronik schreibt er: „Moritz von Sandizell wurde als guter Verwalter und Finanzmann, aber als schlechter Seelsorger mit wenig Aktivität kritisiert.“ Später wurde der Bischof vom Herzog sogar zur Abdankung gedrängt.

Bekannt für viele Buchenwälder

Die Hintergrundfarbe Gelb in der Sandizell-Vierung wurde in Bezug auf die Kirche gewählt, erklärt Hipper. Der Stierkopf erinnert außerdem an die landwirtschaftliche Struktur der Gemeinde. Darauf beziehen sich auch die Buchenzweige, die zudem sinnbildlich für den Ortsnamen stehen. Vor allem früher sei Buch für seine vielen Buchenwälder bekannt gewesen, so Hipper.

Insgesamt gefällt dem 81-Jährigen das Bucher Wappen gut. Aufgrund der eher negativen Seiten von Moritz von Sandizell – die Quellen hat der Rentner erst vor gut 20 Jahren entdeckt – würde er sich rückblickend aber eine stärkere Fokussierung der Puecher anstelle von Sandizell wünschen.

„Ich kann aber niemandem einem Vorwurf machen. Ich bin auch erst durch reinen Zufall darauf gestoßen, wie Moritz von Sandizell wirklich war“, erklärt Hipper schmunzelnd.

Markus Ostermaier

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