Sauer auf das neue Gesetz: Stefan Herweger muss sich von seinem Ofen trennen.
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Sauer auf das neue Gesetz: Stefan Herweger muss sich von seinem Ofen trennen.

Strenge Grenzwerte

Erzwungener Abschied: Stefan Herweger muss seinen Kachelofen für immer stilllegen

Seit 1985 ist der Kachelofen von Stefan Herweger ein treuer Begleiter. Jetzt muss er ihn stilllegen. Der Grund: Neue Grenzwerte im Bundesimmissionsschutzgesetz.

Buch - Gerne sitzt der 65-Jährige an kalten Tagen auf der Ofenbank und genießt die Wärme im Rücken. Der Holzofen heizt große Teile seines Bucher Wohnhauses und ist noch immer in einwandfreiem Zustand, sagt Herweger. Doch der Gesetzgeber sieht das anders: Wegen strenger Grenzwertregelungen im Bundesimmissionsschutzgesetz darf der Rentner seinen Kachelofen künftig nicht mehr betreiben.

Damit ist Herweger nicht alleine. Betroffene Endverbraucher müssen ihren Ofen meist komplett austauschen. In den 1980er-Jahren hat Herweger im Bucher Ortsteil Oberbuch sein Wohnhaus ausgebaut. Der Kachelofen besteht seit 1985 und ist seitdem im Einsatz. In den kalten Monaten wärmt er täglich Wohnzimmer, Küche und „eigentlich das ganze Haus“, sagt Herweger. Nie gab es Probleme mit dem Ofen, der nach Einschätzung des 65-Jährigen „technisch auf höchstem Niveau“ ist.

Kachelofen-Aus für immer: Gesetzesnovelle von 2010

Umso überraschender war für Herweger der diesjährige Besuch des Schornsteinfegers. Der für Buch zuständige Stephan Gottlieb informierte ihn, dass er seinen Kachelofen aufgrund der Emissionsvorschriften künftig nicht mehr nutzen dürfe. Ähnliche Rückmeldungen erhielt der verärgerte Bürger auch bei seinen Nachfragen beim Schornsteinfeger-Innungsverband oder dem Landkreis.

Die Regelung basiert auf dem Bundesimmissionsschutzgesetz. 2010 wurde eine Novelle mit höheren Anforderungen an Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe beschlossen. Demnach dürfen vor 2010 errichtete Einzelraumfeuerstätten nur noch dann betrieben werden, wenn sie die Grenzwerte von 150 Milligramm je Kubikmeter Staub sowie vier Gramm je Kubikmeter Kohlenmonoxid (CO) nicht überschreiten. Für Öfen, die zwischen 1985 und 1994 eingebaut wurden, endete die Übergangsfrist zur Nachrüstung oder Außerbetriebnahme Ende 2020.

Kachelofen-Aus: Problem betrifft sehr viele Häuser in der Umgebung

Auf diese Angaben des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks verweist auch Kaminkehrer Gottlieb aus Isen. Falls bei einem Ofen nicht die Prüfstandsmessbescheinigung des Herstellers vorliegt, könne alternativ eine Messung vor Ort durchgeführt werden. Gottlieb sagt, er habe seine Kunden bereits mehrmals über die bevorstehende Änderung und den Ofenaustausch informiert. Der Unmut sei groß gewesen. „Es wurde viel geschimpft über die Politiker. Später war etwas mehr Einsicht da. Viele haben zwar noch immer kein Verständnis, aber tolerieren es halt jetzt“, sagt er.

Der Kaminkehrermeister bestätigt, dass aktuell sehr viele Bürger der Umgebung, die in den 1980er-Jahren gebaut haben, von den Emissionsregeln betroffen sind. Seinen Erfahrungen nach haben sich aber fast alle seiner Kunden um einen neuen Ofen gekümmert und seien mit dem Nachfolger-Modell zufrieden. Sie brauchten „außerdem weniger Holz“, sagt er.

Kachelofen-Aus: Feinstaubfilter sind keine wirkliche Option

Der Einbau von Feinstaubfiltern ist dagegen kaum eine Option. Diese müssten nämlich in sehr regelmäßigen Wochenrhythmen gereinigt werden. „Der Aufwand und die Wartung ist viel größer – das macht fast niemand“, erläutert Gottlieb. Die Kosten eines Filters betragen seinen Schätzungen nach um die 1000 Euro. Einen neuen Ofen erhalte man zwischen 800 und 2500 Euro.

Der Schornsteinfeger findet die Frist für die Stilllegung der Feuerungsanlagen „relativ human“, da die von 1985 bis 1994 eingebauten Öfen ohnehin schon recht alt seien. Herweger hat für die gesetzlichen Regelungen weniger Verständnis. Sein Unmut richtet sich gegen die verantwortlichen politischen Akteure. „Die Verbotspolitik ärgert mich so sehr. Für mich ist das Enteignung.“

Das Formular zur Stilllegung seiner Einzelraumfeuerungsanlage hat der 65-Jährige nach anfänglichem Zögern trotzdem unterschrieben. „Ich komme ja nicht aus und muss es machen, wenn ich kein Bußgeld zahlen will.“

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Von Markus Ostermaier

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