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Einmaliges Naturerlebnis: eine Nacht in den Bergen.
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Warm eingepackt schlafen Matthias Sipple und seine Freundin Regina Mack regelmäßig unter freiem Himmel.

Abenteuer Biwak

Für Matthias Sipple aus Buch ein Traum: Aufwachen mit dem Gipfel im Blick

Dem Abenteuer Biwak hat sich Matthias Sipple aus Buch am Buchrain verschrieben. Warm eingepackt, übernachtet er gerne unter freiem Himmel - auch in den Bergen.

Warm eingepackt schlafen Matthias Sipple und seine Freundin Regina Mack regelmäßig unter freiem Himmel.

VON MARKUS OSTERMAIER

Buch am Buchrain – Die Sonne geht auf, der Himmel verfärbt sich im Morgenrot. Man wird geweckt von Licht und frischer Bergluft. Nach dem ersten Augenschlag sieht man den wenige Meter entfernten Gipfel, einzigartiges Panorama und die unendliche Weite der Natur. Was für Viele wie ein Traum klingen mag, hat Matthias Sipple schon mehrmals erlebt. Der 34-jährige Physiotherapeut aus Buch liebt die Berge – und verbringt dort auch mal gerne die Nacht. In Hütten oder im Zelt, aber auch unter freiem Himmel. Biwakieren nennt man dieses Abenteuer.

Sipple ist ein sportlicher Mensch. Als Fünfjähriger begann er mit Judo und ist inzwischen Trainer, 2. Vorsitzender im Judo-SV Anzing und Bayerischer Meister bis 73 Kilo. Seit siebeneinhalb Jahren arbeitet er als Physiotherapeut, aktuell in Buch und in Dorfen. Sipples große Faszination seit Kindheitstagen sind aber die Berge.

Mit Rucksack und Zelt unterwegs in Europa

Skifahren und Snowboarden lernte er schon als Kind, mit den Eltern unternahm er viele Wanderungen. Seine Bergsport-Agenda lässt sich ergänzen durch Skitouren, Klettern und Gleitschirm-Fliegen. Die Berge spielen im Leben des 34-Jährigen eine wichtige Rolle. Der junge Mann mit den dunkelblonden Locken besucht sie in der Regel jede Woche ein- bis zweimal. Schon öfter hat er auch direkt dort übernachtet – anfangs auf Hütten mit Bewirtung oder für Selbstversorger.

Seinen ersten richtigen Natur-Urlaub verbrachte Sipple vergangenes Jahr in Finnland. Zwei Wochen lang war er unterwegs, nur mit Zelt und Rucksack. Seitdem hat ihn die Begeisterung für das Biwakieren gepackt. Für den Finnland-Trip beschaffte sich Sipple auch eine gute Ausrüstung. Die Unterlage bildet eine aufpumpbare Matte mit Daunenfüllung. Der Schlafsack besteht aus Kunstfaser, da dieser auch mal nass werden darf, erklärt der Wander-Profi. Der sogenannte Komfortbereich dieses Materials liegt bei Außentemperaturen bis zu minus sieben Grad.

Zwar sollte man beim Biwakieren immer warme Klamotten dabei haben. In der Nacht trägt Sipple aber nur leichte Kleidung oder Ski-Unterwäsche, „damit sich im Schlafsack Wärme aufbauen kann“.

Und wie verläuft so eine Nacht auf über 1000 Metern Höhe? Wanderer wie Sipple kommen erst am frühen Abend am Gipfel an. Meistens unternimmt er solche Touren mit seiner Partnerin Regina Mack oder mit Freunden. Mit einem Gaskocher wird Abendessen zubereitet, oft gibt es Reisgerichte. Der Sonnenuntergang ist im Sommer meist zwischen 21 und 22 Uhr, danach ist Schlafenszeit, bevor der Sonnenaufgang den neuen Tag einläutet. Vor dem Abstieg gibt es noch ein Frühstück. Der 34-Jährige greift gerne auf Müsli mit Milchpulver und getrockneten Beeren zurück.

Die richtige Planung ist wichtig

Biwakiert hat Sipple unter anderem bereits im Salzkammergut oder in Deutschland auf der Brecherspitze und der Benediktenwand. Außerdem war er neben Finnland schon in Norwegen oder erst diesen Juni neun Tage lang in den Dolomiten unterwegs. 208 Kilometer und 13 000 Höhenmeter sind in Italien zusammen gekommen.

Sipple und seine Freundin wurden dort in der Nacht auch mal ziemlich nass. „Das könnte schon auch mal gefährlich werden, wenn das Wetter noch schlechter und es richtig kalt wird“, gibt der Physiotherapeut zu. Deswegen macht er Touren, bei denen ausschließlich der Schlafsack dabei ist, nicht über mehrere Tage und nur bei guten Wetteraussichten.

Dringend zu beachten sei außerdem, dass das Biwakieren nicht überall erlaubt ist. Die rechtliche Lage ist nicht ganz einfach und laut Sipple in jeder Region unterschiedlich. Grundsätzlich sei oft das Zelten in Wäldern und auf Bergen verboten. Das Übernachten unter freiem Himmel – also das Biwakieren – sei oft jedoch erlaubt, wenn man an einem Ort nicht länger als einen Abend bleibt. Streng verboten ist es grundsätzlich in Naturschutzgebieten. Der Outdoor-Sportler gibt den Tipp, sich vor entsprechenden Ausflügen gut im Internet zu informieren.

Auch wenn sich Sipple am Berg nicht laut und falsch verhält, nicht zu späten Uhrzeiten wandert und dabei keine Wildtiere stört, kein Lagerfeuer macht oder Müll wieder mitnimmt, kann er verstehen, wenn andere Menschen die Biwak-Aktivitäten nicht gut finden. „Mir ist klar, dass man über den Mensch in den Bergen kontrovers diskutieren kann.“ Für ihn ist Bergsport aber ein guter Ausgleich. „Ich fühle mich wohl. Nirgends in der Natur ist es so schön wie in den Bergen.“

Am Biwakieren begeistern ihn nicht nur Ruhe und Einsamkeit. Jedes Mal aufs Neue fasziniere es ihn, frühmorgens mit dem Bergpanorama aufzuwachen. „Man kann dort abschalten und lebt völlig ohne Zeit, nur mit der Sonne“, schwärmt Sipple.

Grundsätzlich ist seiner Einschätzung nach jeder Wanderer mit guter Verfassung auch für eine Nacht am Berg geeignet. Weniger Risiko habe das Abenteuer, wenn man es in Gesellschaft unternimmt, rät der Bucher. Zu beachten sei das schwerere Gepäck, das man tragen müsse. Wichtig sei zudem eine detaillierte Planung vorab, wie das Verfolgen des Wetterberichts, und das nötige Equipment fürs Biwakieren.

Nicht zu vergessen seien eine Stirnlampe und ausreichend Flüssigkeit, beziehungsweise die Berücksichtigung möglicher Auffüllorte. Sipple: „Das Ganze steht und fällt mit der Ausrüstung.“

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