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Sinneswahrnehmungen, Richtungsangaben, Schimpfwörter: Alles ist in Wolfgang Hippers Mundartforschung enthalten.

Mundartforschung

Hüter des bayerischen Wort-Schatzes

Buch am Buchrain - Dialekt ist für die Mitglieder des Buachna Heimatvereins der wichtigste Schwerpunkt. Vorsitzender Wolfgang Hipper hat von seinem Vater eine alte Mundartforschung mit bisher 421 Wörtern übernommen. Sie zeigt, wie das Bayerisch der Bucher früher ausgesehen hat.

Dialekt verändert sich über Jahre und Generationen – und verschwindet teilweise aus unserem Alltag. Junge Menschen unterhalten sich oft noch mit den Großeltern auf Bayerisch, kennen aber dabei schon einige Ausdrücke der älteren Generation nicht mehr. Dies kann auch passieren, wenn man einen Blick in die 23-seitige Auflistung von Wolfgang Hipper wirft. Der Vorsitzende des im Januar gegründeten Buachna Heimatvereins hat von seinem Vater August eine Mundartforschung übernommen. Der Lehrer sammelte ab seiner Ankunft in Buch am Buchrain ausgefallene bayerische Ausdrücke, die die Einheimischen benutzten.

1936 zog der in Waldhausen (Kreis Traunstein) geborene August Hipper nach Buch. Zuvor lebte er in Erding und kam ohnehin als Lehrer viel herum. Direkt nach seiner Ankunft in Buch begann er damit, das dort gesprochenen Bayerisch in loser Blattform festzuhalten und in Themen einzuteilen. „Er war schon immer geschichtlich interessiert“, erzählt der 1947 geborene Sohn Wolfgang Hipper. Er wurde sogar mit zwei Dialekten erzogen, da seine Mutter Anna aus Schwaben stammte.

Erstmals präsentierte Wolfgang Hipper die wertvolle Sammlung bei der Gründungsversammlung des Buachna Heimatvereins – und sorgte damit für Begeisterung. Übersichtlich sind die bayerischen Ausdrücke in 20 verschiedene Kategorien eingeteilt – von Tierwelt über Krankheiten und Ortsnamen, religiöses Brauchtum und Sinneswahrnehmungen bis hin zu Kleidung, Zeitangaben oder Schimpfwörter. Die Tabellen enthalten das bayerische Wort in Lautschrift und daneben die hochdeutsche Übersetzung. Nicht selten sind darunter Dialekt-Ausdrücke, die man heutzutage nur noch selten hört.

„Vieles von diesem Bayerisch gibt es auch in Nachbarschaften, aber viele Ausdrücke sind nicht mehr so geläufig oder abgewandelt“, berichtet Hipper. Einige Heimatvereinsmitglieder gaben noch am selben Abend Ergänzungen ab. „Es freut mich natürlich, auf so etwas aufzubauen“, gibt der Rentner zu. Der 69-Jährige möchte helfen, dass der frühere Wortschatz nicht verloren geht. Weitere Raritäten werden gerne in die Listen aufgenommen.

Bei den mittlerweile 48 Anhängern des Buachna Heimatvereins kristallisierte sich bei einer Umfrage heraus, dass sich die meisten Mitglieder mit dem Dialekt befassen möchten. Auch dem Vorsitzenden, der 1983 bis 1988 Konrektor der Forsterner Grund- und Mittelschule war sowie die Grundschule Klettham von 1988 bis 2010 leitete, ist das Thema sehr wichtig. Aus seiner Erfahrung berichtet Hipper: „In Forstern war es noch etwas besser, aber in Klettham war Bayerisch nicht zuhause.“ Langes Training und harte Arbeit sei es damals gewesen, seinen Schülern ein Gedicht im Dialekt beizubringen. In vielen Schulen sei heutzutage eine Hinführung zur Hochsprache gewünscht.

Hipper würde sich wünschen, dass bayerisches Kulturgut wie Gedichte und Volkslieder in Kitas wieder mehr Beachtung finden. „Außerdem sehe ich nicht ein, dass in Kindergärten Englisch gelernt wird und nicht Bayerisch“, sagt der Pädagoge. Der Dialekt sei eine gute Voraussetzung zum Sprachen lernen. Derzeit hat der Heimatvereins-Vorsitzende das Gefühl, dass die junge Generation – auch durch Burschenvereine und Dirndlschaften – wieder mehr Wert auf Brauchtum und Heimat legt. Sicher ist sich Hipper bei einem: „Es gibt für einen jungen Menschen keinen Grund, sich zu schämen oder sich als zweitklassig ansehen zu lassen, wenn er Bayerisch spricht – ganz im Gegenteil.“

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