Der kommunale Wohnungsbau der Gemeinde Buch soll 2021 auf der Grünfläche verwirklicht werden.
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Der kommunale Wohnungsbau der Gemeinde Buch soll 2021 auf der Grünfläche verwirklicht werden. Unser Bild stammt vom Sommer 2020.

Eigenanteil für Gemeinde Buch steigt auf 4,4 Millionen Euro – Sorge um den Haushalt

Kommunaler Wohnungsbau wird teurer

Der kommunale Wohnungsbau wird für die Gemeinde Buch teurer. Rund 4,4 Millionen Euro betragen die für die Gemeinde anfallenden Kosten nun. Das gefiel nicht jedem im Gemeinderat

Buch am Buchrain – Ein teures, im Ort durchaus umstrittenes Projekt ist in Buch am Buchrain der kommunale Wohnungsbau. Durch Kostensteigerungen von 592 000 Euro betragen die für die Gemeinde anfallenden Kosten nun 4,4 Millionen Euro. Den Förderungsantrag an die Regierung von Oberbayern hat der Gemeinderat abgesegnet – allerdings mit den Gegenstimmen von Parteifreien Bürgern/SPD. Die drei Räte befürchten, dass sich die Kommune mit der Finanzierung vom Sozialbau, Feuerwehrhaus und weiteren Projekten übernimmt und der nächste Haushalt nicht genehmigt wird.

Förderung der Regierung: 30 Prozent

Ursprünglich hatte die Münchner Firma HOE-Architects, die für Buch den kommunalen Wohnungsbau plant, mit 3,8 Millionen Euro Kostenbeteiligung gerechnet. Im Gemeinderat berichtete Architekt Jürgen Hermann nun von der Steigerung. Die neue Summe von 4,4 Millionen Euro ist nur der Anteil, den die Kommune selbst trägt. Im Finanzierungsplan belaufen sich die zuwendungsfähigen Gesamtkosten sogar auf 6,3 Millionen Euro. Die Förderung der Regierung beträgt 30 Prozent. Der Sozialbau enthält 13 Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von 895 Quadratmetern, das Bauwerk selbst hat 2300 Quadratmeter.

200 000 Euro mehr kostet das Gebäude gemäß der aktuellen Berechnungen. Dafür sind laut Hermann nicht nur Massenmehrungen verantwortlich. Besonders das „sehr niederschmetternde Baugrundgutachten“ habe zu Neuplanungen geführt. Wegen der Bodenverhältnisse müssten Mikropfähle im Untergrund platziert werden, welche die beiden über der Tiefgarage liegenden Gebäude nach unten ziehen. Das Problem: „Das Wasser fließt nicht ab, und wir haben eine sehr große unterirdische Fläche, die aber kaum Auflast hat. Das Gebäude würde also wie ein Schiff nach oben schwimmen“, erläuterte der Architekt.

Den Gemeinderat bewegt vor allem die Problematik der Tiefgarage

Kostenzuwächse bei der technischen Gebäudeausrüstung (78 000 Euro), den Außenanlagen (164 000 Euro) oder den Baunebenkosten (145 000 Euro) hätten sich ergeben, da sie teilweise zum früheren Planungszeitpunkt noch nicht zu berechnen gewesen seien.

Neu ist auch, dass drei der 22 Stellplätze auf dem benachbarten Feuerwehr-Gelände angesiedelt werden. Die dortige Pelletheizung versorgt auch den Wohnungsbau, ist aber kostenmäßig beim Gerätehaus angesetzt.

Zwar haben die Architekten bereits Ideen für Einsparungen in Höhe von 100 000 Euro – es könnte die Verglasung des Treppenhauses und das Kunststoff-Alu-Material der Fenster geändert werden oder Rollläden entfallen. Im Förderantrag sollte aber die derzeit ursprüngliche Summe genannt werden, empfahl Hermann.

Das Gremium bewegte vor allem die Problematik der Tiefgarage. Auf Rückfrage von Axel Krämer (CSU), warum andere Wohnhäuser am Haidfeld nicht das Entwässerungsproblem haben, erklärte Hermann, dass diese Gebäude auf einem Keller basierten. Es bringe auch nichts, die kommunalen Häuser parallel und nicht in L-Form zu platzieren, ergänzte der Experte: „Das unterirdische Volumen wäre immer noch größer und die Auftriebskraft zu groß.“

Ebenerdige Parkplätze statt Tiefgarage?

Matthias Steutzger (parteifrei) schlug vor, auf die Tiefgarage zu verzichten. Stattdessen könnten die Parkplätze ebenerdig entstehen und darüber die Wohnungen. „Da hätten wir bestimmt ein gewaltiges Kostensenkungspotenzial“, meinte er. Hermanns Ansicht nach wird so eine Konstruktion eher in Städten umgesetzt. Zudem würde man dadurch etwas weniger Wohnraum bauen können und somit dem Auftrag der Kommune nicht mehr gerecht werden. Josef Auer (WG) hob die Vorbildfunktion der Gemeinde hervor, weswegen der Stellplatzschlüssel nicht gesenkt werden sollte.

Die kommunale Investition in Höhe von 4,4 Millionen Euro ist nach Meinung des Architekten „hoch, aber auch nicht zu hoch. Ein Bauträger würde dieses Projekt zwar nicht machen, aber Sie kriegen ja noch eine Förderung“, sagte er. Zur Finanzierung wird Buch ein 30-jähriges Darlehen aufnehmen, informierte Bürgermeister Ferdinand Geisberger (CSU). Seiner Meinung nach sollte es keine weiteren Kosten-Überraschungen mehr geben: „Wir haben schon sehr genau und detailliert geplant.“

Parteifreie/SPD: Räte sorgen sich um den Haushalt

Auch Birgit Hipper (CSU) hielt ein Plädoyer für den Sozialwohnungsbau: „Jetzt ist der Zeitpunkt da, zu signalisieren, dass wir das möglichst schnell bauen wollen.“ Weniger euphorisch sind Parteifreie/SPD, die gegen den Finanzplan und den entsprechenden Antrag votierten. Sie sorgen sich wegen des zeitgleichen Bauprojekts Feuerwehrhaus und der zusätzlichen finanziellen Belastung (4,6 Millionen Euro). „Diese Summen hat die Gemeinde noch nicht gestemmt, und wir sind nicht auf Rosen gebettet“, warnte Steutzger.

Ähnlich sah es Robert Ulzhöfer (SPD), der zudem kritisierte, kein Handout erhalten zu haben und auf der Leinwand keinen der Euro-Beträge lesen zu können: „Das ist wie die Katze im Sack zu kaufen.“ Martin Kern (SPD) macht sich Sorgen, in Buch bald „Forsterner Verhältnisse“ zu haben, wenn der Landkreis die umfangreichen Investitionen im Haushalt möglicherweise nicht genehmige. Kern bat darum, bis zum Haushaltssatzungsbeschluss 2021 eine Stellungnahme der Kommunalaufsicht einzuholen, wie sie zur Finanzierung der Großprojekte steht.

Markus Ostermaier

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