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Motiviert und kreativ präsentierten sich die Kandidaten der Wählergruppe Buch. Unser Bild zeigt den amtierenden Gemeinderat Josef Auer (l.). 

Kommunalwahl 2020

„Dorfcharakter bewahren, aber Fortschritt nicht verschlafen“: Wählergruppe Buch stellt Kandidaten vor

Unabhängig, frei und offen: So beschreibt sich die Wählergruppe (WG) Buch am Buchrain selbst. Die Kandidaten für die Gemeinderatswahl am 15. März stellten sich im Schützenstüberl vor.

Buch am BuchrainSogar ein weibliches Grünen-Parteimitglied ist unter ihnen.

Nur eine Nebenrolle spielte in der Versammlung Gemeinderats-Urgestein und Vizebürgermeister Martin Kunstwadl, der die Gäste begrüßte. Er stellt sich nach 36 Jahren nicht mehr zur Wahl. Dass er in all der Zeit in keiner einzigen Gemeinderatssitzung gefehlt hat, quittierten die Besucher wertschätzend mit viel Applaus.

Der Fokus der Veranstaltung lag auf den neuen Kandidaten, die sich und ihre Schwerpunkte vorstellten. Den Anfang machte Zimmerermeister Martin Dondl, der die Liste anführt und seit 19 Jahren Gemeinderat ist. Der 52-Jährige thematisierte die baulichen Veränderungen in Buch wie Feuerwehr oder Kindergarten. Die Kommune müsse die Chance nutzen, bei der Neuplanung des Loibl-Anwesens mitzuwirken, um eventuell die örtliche Gastwirtschaft zu bewahren, sagte Dondl. Schon sicher sei, dass man wegen des Wegfalls des Innenhofs als Ort für Veranstaltungen oder Parkplätze Alternativen erarbeiten müsse. Zudem ist ihm mit Blick auf die Haushaltsmittel wichtig, eine „lebendige Ortsmitte“ zu erhalten und Vereine zu unterstützen. „Wir sollten unseren ländlichen Dorfcharakter bewahren, aber nicht den Fortschritt verschlafen.“

Eine ähnliche Meinung hat Josef Auer, seit zwölf Jahren WG-Rat. Die Diskussionen im Gemeinderat seien in der Regel vernünftig, zuletzt aber oft sehr emotional und mit Konflikten, findet Auer. Der 58-jährige Diplomkaufmann strebt stets vernünftige und einvernehmliche Lösungen an. „Wir sind im Gemeinderat die einzige vollkommen unparteiliche Gruppe“, sagt er. Margit Kunstwadl ist seit 2014 eine von zwei Frauen im Gemeinderat. Die Pfarrsekretärin (40) würde sich über mehr Frauen im Rat freuen und möchte sich vor allem für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, besonders nach Erding, einsetzen.

Friedrich Reiser war 31 Jahre lang Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Isen und konnte wegen Interessenskonflikten nicht früher in die Kommunalpolitik. Jetzt als Rentner (64) wolle er unterstützen, das „nicht unbedingt harmonische Arbeitsklima im Gemeinderat“ zu verbessern. Einen Seitenwechsel will auch Joachim Paul Hornstein wagen. Oft habe er in seiner Steuerberatungskanzlei über die Politik geschimpft, erzählte der 67-Jährige. Nun möchte er im Bucher Gremium unterstützen.

Ein Parteimitglied gibt es doch in der Bucher Wählergruppe. Carola Bock outete sich als Mitglied der Grünen, für die sie auch für den Kreistag kandidiert. Klimaschutz gehört zwar zu den Anliegen der 40-Jährigen. Den Fokus legt die Kita-Verwaltungsleiterin aber auf den Ausbau der Bucher Kita und die Integration von Neubürgern. „Ich bin selbst schon seit zehn Jahren in Buch, aber habe schon gehört, ich bin die Unbekannteste der ganzen Liste“, berichtete Bock schmunzelnd.

Über ähnliche Themen, Geh- und Radwege, Trinkwasser, Landwirtschaft, Soziales oder Unterstützung der Außenbereiche drehten sich die Anliegen der weiteren Kandidaten Ludwig Obermaier, Günther Herbst, Albert Rappold, Bernhard Stanner, Alfred Hobelsberger und Johann Brunner.

Ein Bürger wünschte sich in der Fragerunde den Breitbandausbau in der Bucher Vorstadt, der laut Auer aktuell wegen fehlender Fördermöglichkeiten aber nicht in Sicht ist. Die Kritik eines anderen Zuhörers richtete sich gegen das kommunale Ergebnisauszählungsverfahren. Eine wichtige Rolle spielen dabei bekanntlich die Gesamtstimmen der Listen. „Von dem Verfahren halte ich gar nichts. Das ist eigentlich keine Persönlichkeitswahl mehr“, stellte der Rentner fest. 

Markus Ostermaier 

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