Stets engagiert war Martin Kunstwadl (r.) in den letzten Jahrzehnten in Buch am Buchrain. Unser Bild zeigt ihn bei der Stimmenauszählung der diesjährigen Kommunalwahl.
+
Stets engagiert war Martin Kunstwadl (r.) in den letzten Jahrzehnten in Buch am Buchrain. Unser Bild zeigt ihn bei der Stimmenauszählung der diesjährigen Kommunalwahl. 

Martin Kunstwadl über sein kommunalpolitisches Engagement

Ein halbes Leben Gemeinderat

36 Jahre lang war Martin Kunstwadl im Gemeinderat von Buch am Buchrain engagiert - sein halbes Leben. Wir sprachen mit dem 71-Jährigen über sein Engagement.

Buch am Buchrain– Drei Bürgermeister hat Martin Kunstwadl miterlebt, als er für die Wählergruppe im Gemeinderat von Buch saß. Nach 36 Jahren ist das dienstälteste Gemeinderatsmitglied nun ausgeschieden. Der frühere Maurer und Landwirt war 18 Jahre lang Vorsitzender der Feuerwehr und brachte sich in den Sitzungen mit seinem historischen Wissen ein. Seit 1984 war Kunstwadl im Bauausschuss, seit 2008 zudem Seniorenbeauftragter, Kassenprüfer und 2. Bürgermeister, zuletzt auch im Finanzausschuss. Wir sprachen mit dem 71-Jährigen über sein Engagement.

Herr Kunstwadl, 1984 wurden Sie erstmals in den Gemeinderat gewählt. Wie kam es dazu?

Ich war 35 Jahre alt und wurde von Bürgermeister Anton Lohner gefragt, ob ich für die Wählergruppe Buch kandidieren möchte. Ich dachte eigentlich nicht, dass ich gleich gewählt werde, aber hatte Interesse und war zu der Zeit Feuerwehrvorstand. Das hat mein Wahlergebnis sicher unterstützt. 1984 waren acht Personen aus der Wählergruppe im Gemeinderat und fünf von der CSU. SPD/Parteifreie gab es noch nicht.

Hätten Sie damals gedacht, dass Sie so lange Ratsmitglied sein werden?

Nein, das hatte ich nicht vor, es hat sich so ergeben. Mir hat es Spaß gemacht, und ich wurde einfach immer wieder gewählt.

Man hört, Sie haben das Amt stets sehr ernst genommen.

Ja. Manche glauben mir das nicht, aber ich war in jeder einzelnen Sitzung dabei. Einmal bin ich sogar am Abend von meiner Reha nach Hause gefahren, weil wir ein wichtiges Finanzthema hatten. Außerdem habe ich immer alles selbst dokumentiert, meistens mit meinen eigenen Fotos. Inzwischen sind 19 Alben mit Unterlagen gefüllt.

Sie waren zwölf Jahre lang Vize-Bürgermeister. Wie war diese Zeit?

Das war eine schöne Erfahrung. 2008 wurde ich knapp mit Zustimmung der SPD gewählt. Die meisten Termine waren sehr kurzfristig, aber die Zusammenarbeit hat gepasst. Nur einmal habe ich eine Sitzung geleitet. Da ging es um den Streit zur Holzskulptur unserer 1200-Jahr-Feier. Der Entwurf ist damals etwas schiefgegangen.

Sie haben seit 1984 viele Gemeinderatsbeschlüsse mitgestaltet. Was waren die wichtigsten?

Direkt zu Beginn wurde der Friedhof erweitert, das Feuerwehrhaus und der Bauhof errichtet. Sehr viele Straßen wurden gebaut und Baugebiete erschlossen. Außerdem gab es den Umbau des Gemeindehauses, die Hammerbach-Renaturierung, und unsere Brunnen-Standortsuche hat begonnen. Beschäftigt haben uns auch der Bau und die Standortsuche für den Kindergartens. Zweimal wurde die Kläranlage umgebaut und der neue Bauhof dort errichtet. Ich selbst war oft bei Grundstücksverhandlungen für den Geh- und Radweg nach Haidberg dabei – ein schwieriges Thema.

Sie haben die komplette Entstehung des Sport- und Freizeitgeländes miterlebt.

Richtig. Es war wichtig, dass die Fußballer eine eigene Fläche kriegen. Das war früher ein Zustand. Bei der Einweihung des Fußballplatzes haben damals auch wir Gemeinderäte gespielt mit Sepp Maier als Schiedsrichter. Das Sportgelände hat sich toll entwickelt. Bei den Arbeiten fürs Schützenheim habe ich selbst aktiv mitgeholfen.

Was war für Sie ein besonders schönes
Erlebnis in Ihrer Amtszeit?

Die 1200-Jahr-Feier 2008 war eine super Sache. So etwas wird es nicht so schnell wieder geben, dass so ein historisches Dorf aufgebaut wird.

Und was war die größte Niederlage?

Dass wir die Autobahn bekommen haben. Ich war immer bei den Gegnern dabei, wir haben massiv protestiert. Normal wäre die A 94 noch weiter in die Nähe des Sportgeländes gekommen, aber da haben wir Einspruch erhoben. Es ist enttäuschend, dass im Buchner Bereich für Lärmschutz kein Geld ausgegeben wurde. Eine Enttäuschung ist auch, dass die VR-Bank in Buch schließt. Ich habe Protest eingelegt, aber das wird wohl nichts bringen.

Wie hat sich über die Jahre die Arbeit im
Gremium verändert?

Es gab Veränderungen, als in den 1990er Jahren die dritte Partei reinkam. Früher war es ruhiger. Unsere Sitzungen haben zuvor auch schon oft lange gedauert, aber es wurde nicht so viel diskutiert.

Wie haben sich die Themen verändert?

Themen und Anforderungen werden immer mehr. Früher hat man nie einen Rechtsanwalt gebraucht, um sich zu einigen. Heute geht es oft nicht mehr ohne. Der Datenschutz regt mich in bestimmten Fällen auf. Als Gemeinderat darf man nicht mehr wissen, wer da eigentlich baut. Außerdem braucht man heute immer öfter Gutachten und Spezialisten, das kostet alles Zeit und Geld.

Was ist Ihr Resümee nach zwölf Jahren als Seniorenreferent?

Der Start und die Einführung des Amts waren nicht ganz optimal, aber es hat sich gut entwickelt. Ein versprochener Ersatztermin zum Pflegezentrum in Forstern hat leider nicht mehr stattgefunden. Generell wurde wenig aus der Studie „Älter werden auf dem Lande“ umgesetzt. Ich habe vorgeschlagen, den Steinbelag zwischen Friedhof und Gemeindehaus zu verändern. Rollstuhlfahrer kommen hier nur schwer hoch, aber das wurde noch nicht gemacht. Es wäre empfehlenswert, sich mehr um die Senioren zu kümmern.

Heuer haben Sie nicht mehr kandidiert. Warum?

Das Alter war der ausschlaggebende Grund. Gesundheitlich geht es mir gut, aber man weiß ja nicht, wie es in sechs Jahren aussieht. Außerdem gehören Jüngere rein. Ich muss auch zugeben, dass ich mir manchmal mit der Digitalisierung schwer tue. Mir gefällt nicht so, dass man nichts mehr in Papierform erhält, sondern nur über das Ratsinformationssystem – wenn es funktioniert.

Welche Projekte hätten Sie gerne noch mit begleitet?

Das neue Feuerwehrhaus oder auch den kommunalen Wohnungsbau. Vielleicht wird dieses Thema aufgeschoben. Gerade ist ja eine schwierige Zeit, und auch Buch wird sparen und Projekte schieben müssen. Wichtig wäre mir, dass weiter Baugrund geschaffen und die Radwege umgesetzt werden.

Aufgrund der Corona-Krise wurde Ihre letzte Sitzung als Gemeinderat abgesagt. Sind Sie traurig?

Ja, das ist schon schade, aber dafür kann die Gemeinde nichts. Es hätte in besagter Sitzung schon Punkte gegeben, die ich wichtig gefunden hätte. Aber es ist, wie es ist.

Wollen Sie sich weiterhin in der Gemeinde
engagieren?

Im Moment habe ich nichts Konkretes geplant. Ich habe ja auch sonst noch viele Sachen gemacht, die viele nicht wissen. Erst neulich habe ich am Müllner Bründl die Bretter einer Brücke ausgebessert. Wenn man wieder wegfahren darf, werde ich mit meiner Frau Resi Tagesausflüge machen. Außerdem beschäftigen mich unsere vier Kinder, neun Enkel und unsere Hündin Lilli.

Markus Ostermaier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein Erlebnistag auf dem Gronimushof
Da war handwerkliches Geschick gefragt.
Ein Erlebnistag auf dem Gronimushof
Flughafen München: Münchner rennt ohne Maske durchs Terminal - Sein Attest macht Beamte sprachlos
Ein Münchner will am Flughafen München die Maskenpflicht umgehen und legt ein falsches Attest vor. Doch nicht mit der Bundespolizei. Sie veröffentlichen dieses Foto …
Flughafen München: Münchner rennt ohne Maske durchs Terminal - Sein Attest macht Beamte sprachlos
Kommentar: Neue Arbeitsplätze? Nein, danke!
Es war zu erwarten: Kaum werden erste Überlegungen für eine Event-Arena am Flughafen bekannt, wird politische Kritik laut. Doch in Zeiten drohender Kündigungen am …
Kommentar: Neue Arbeitsplätze? Nein, danke!
Horror-Unfall auf der B20: Vier junge Männer sterben beim Versuch nachts zu Überholen - Details zu den Opfern
In der Nacht auf Montag ereignet sich in Ascha (Landkreis Straubing-Bogen) ein schrecklicher Verkehrsunfall, der vier Leben kostet. Schuld ist ein missglückter …
Horror-Unfall auf der B20: Vier junge Männer sterben beim Versuch nachts zu Überholen - Details zu den Opfern

Kommentare