Glückliches Paar: Andreas und Martin Kern aus Buch am Buchrain (v. l.).
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Glückliches Paar: Andreas und Martin Kern aus Buch am Buchrain (v. l.).

Ehepaar aus Buch am Buchrain

Martin und Andreas Kern heiraten zum dritten Mal - jetzt ist es offiziell

Dreimal haben sich Martin und Andreas Kern das Jawort gegeben. Seit 21. März sind sie offiziell verheiratet. Mit ihrer Geschichte möchte das Ehepaar aus Buch am Buchrain anderen Homosexuellen Mut machen.

Mitterbuch– Andreas und Martin Kern haben die Hürde überwunden. Freunde, Familie, Arbeitskollegen, Nachbarn – alle wissen, dass die beiden Männer ein Paar sind. Sie stehen offen zu ihrer Homosexualität und sind glücklich. Der Weg dorthin war nicht immer leicht.

Andreas Kern lebt auf dem Familienanwesen in Mitterbuch. Der 31-jährige Landwirt betreut in Weihenstephan Pflanzenbauversuche. Martin Kern, dessen Geburtsname Laminit ist, stammt aus dem schwäbischen Buchdorf. Der 35-Jährige ist Lehrer, betreibt noch einen Internethandel und ist in der Lokalpolitik aktiv. Er ist SPD-Kreisvorsitzender und Mitglied des Bucher Gemeinderats.

Über das Internet hatten sich die Männer 2008 kennen gelernt. Martin besuchte Andreas in Buch. Es funkte sofort. Anfangs führten die beiden eine Fernbeziehung, 2012 zog Martin zu seinem Freund. Der Schwabe erzählte seiner Familie erst durch Andreas von seiner Homosexualität. Diesen Schritt hatte der Bucher 2008 bereits hinter sich. 

Martin Kern: Man hat schon Bedenken, ob es einem negativ ausgelegt wird

Viel Respekt und etwas Angst hatte der 31-Jährige damals aber noch, seine Freunde und Kollegen einzuweihen. Ein gemeinsamer Besuch als Paar bei der Hochzeit von Andreas’ Schwester Christine im Jahr 2009 ermutigte die Männer, noch mehr zu ihrer Liebe zu stehen.

„Man hat schon Bedenken, ob es einem negativ ausgelegt wird“, sagt Martin Kern. Er empfiehlt kleine Schritte und kontinuierlich immer mehr Bekannte zu informieren. Heute weiß er: „Viele Ängste sind unbegründet. Wenn man zu seinem Freund steht, ist es das wert.“

„Man muss dazu stehen, wer man eigentlich ist“

So sieht es auch Andreas Kern. Er betont, wie wichtig die Unterstützung und der Rückhalt durch den Freund und die Familie sind. „Ich bin inzwischen so erleichtert. Man muss dazu stehen, wer man eigentlich ist. Dann wird man auch von den Leuten akzeptiert.“

Vor fünf Jahren besiegelten die Männer ihre Liebe. Andreas Kern wollte immer einmal heiraten. Als er nicht damit rechnete, machte ihm Martin einen Antrag. Im Juli 2014 unterzeichneten die beiden in Donauwörth eine eingetragene Lebenspartnerschaft. 

„Ab dem Zeitpunkt war unsere Partnerschaft für alle ganz normal“

Martin legte dabei seinen Geburtsnamen ab. Im August 2014 gab es bei Augsburg eine Zeremonie unter freiem Himmel mit 200 Gästen. „Ab dem Zeitpunkt war unsere Partnerschaft für alle ganz normal“, sagt Martin Kern.

Seit Oktober 2017 ist die rechtmäßige Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare möglich. Ein wichtiger Schritt auch für die Kerns. „Irgendwie war es für uns konsequent, dass wir den gleichen Status einnehmen wollen“, sagt Martin Kern. So ließen sie sich heuer am 21. März in der Verwaltungsgemeinschaft Pastetten trauen. 

Sie haben zwar nicht gefragt, ob es dort die erste gleichgeschlechtliche Eheschließung gewesen ist, „aber wir gehen davon aus“.

Nach kurzfristiger Terminvereinbarung fuhren die beiden in Alltagskleidung und ohne Gäste zum Standesamt. Für sie war der Urkundentausch eine reine Formalität. Deshalb überraschte es sie ein wenig, als sie noch einmal um das Jawort gebeten wurden. „Darauf waren wir gar nicht vorbereitet“, erzählt Andreas Kern lachend. „Für mich war ja davor schon selbstverständlich, dass Martin mein Mann ist.“ Deswegen gab es im Anschluss auch keine richtige Hochzeitsfeier. „Kein normales Paar erhält zwei Zeremonien, daher wollten wir das auch gar nicht“, sagt Martin Kern.

Mit ihrer Geschichte möchten die Eheleute anderen gleichgeschlechtlichen Paaren Mut machen. „Homosexualität ist nämlich noch nicht so normal, wie die Gesellschaft immer tut“, sagt Martin Kern. 

„Das war ein schönes Erlebnis, da tut sich etwas“

Er findet aber, dass der größere Teil der Bevölkerung gegenüber Homosexualität inzwischen aufgeschlossen ist. Aber: „Der kleinere, ablehnende Teil ist oft der Lautere. Zwischen den beiden Lagern wird der Ton eher schärfer.“ Andreas Kern wünscht sich, dass sich die Menschen wieder besser zuhören und füreinander mehr Verständnis haben.

Eine Erfahrung freut Martin Kern besonders. Der 35-Jährige hatte sich als Lehrer an einer Grafinger Schule beworben, deren Trägerin die evangelische Kirche ist. Diese hatte nichts gegen seine Homosexualität einzuwenden. 

„Das war ein schönes Erlebnis, da tut sich etwas“, freut er sich. Vor zehn Jahren musste er seine Sexualität an einer katholischen Schule in seiner alten Heimat noch verheimlichen.

Von Markus Ostermaier

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