Senioren beim gemeinsamen Seniorentanz im Dezember 2017
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Eine beliebte Veranstaltung, die von Forsterns Rentnern gut angenommen wird, ist der vom Seniorenbeirat organisierte Seniorentanz. Wegen Corona pausiert das ursprünglich 14-tägige Angebot gerade. Unser Bild zeigt die Forsterner Premiere im Dezember 2017.

Seniorenbeirat: Forstern und Pastetten raten Buch zur Gründung – Eigene Vertretung wichtig

Nachbarn bieten Schützenhilfe an

In Forstern und Pastetten gibt es ihn bereits, in Buch am Buchrain ist man noch skeptisch: Es geht um den Seniorenbeirat.

Buch/Pastetten/Forstern – Gemeinsame Sache machten die Gemeinden Buch, Forstern, Pastetten und Hohenlinden vor einigen Jahren bei der Modellstudie „Älter werden auf dem Lande“. Inzwischen haben die Gemeinden einen Seniorenbeirat – damals ein Ergebnis aus der Studie – mit Ausnahme von Buch. Hier ist man noch geteilter Meinung, ob das ehrenamtliche Gremium ins Leben gerufen werden soll. Pastetten und Forstern dagegen sind von dessen Notwendigkeit überzeugt und raten Buch dazu, ebenfalls einen Beirat zu gründen.

„Vielleicht ist unsere Gemeinde für so einen Seniorenbeirat doch zu klein?“

Dort kam das Thema zuletzt im April 2019 durch einen Antrag von Parteifreien Bürgern/SPD ins Gespräch, die einen Beirat befürworten. Bürgermeister Ferdinand Geisberger (CSU) hingegen ist nach wie vor skeptisch, ob sich ein Seniorenbeirat umsetzen lässt, wie er auf erneute Anfrage unserer Zeitung erklärt. Coronabedingt stünden derzeit andere Themen im Fokus. Außerdem fürchtet er, dass sich keine engagierten Rentner finden könnten. Bereits vor besagtem Antrag habe er mit potenziellen Kandidaten gesprochen, „aber sie haben alle abgelehnt. Vielleicht ist unsere Gemeinde für so einen Seniorenbeirat doch zu klein“, meint Geisberger.

Anders sieht das Sozial- und Seniorenbeauftragter Robert Ulzhöfer. Seiner Einschätzung nach ist manchen Gemeinderäten die Funktion des Beirats noch nicht ganz bewusst. In seiner Tätigkeit als Verkehrsplaner habe er in anderen Kommunen häufig mit Seniorenbeiräten zu tun gehabt und ist von deren Nutzen überzeugt. „Der Beirat soll vor Entscheidungen der Gemeinde gehört werden und Anregungen aus Sicht der Senioren weitergeben“, erläutert der 63-jährige SPD-Gemeinderat und nennt als aktuellen Anlass zur Mitgestaltung die Veränderungen in der Ortsmitte. Ulzhöfers Einschätzung nach ist der Arbeitsaufwand für einen Seniorenbeirat in einer kleinen Gemeinde wie Buch überschaubar. Dass es keine Freiwilligen dafür gibt, könne er sich nicht vorstellen.

Es geht nicht um die Bespaßung der älteren Bürger, sondern um „projektbezogenes Management“

Im Nachbarort Forstern gibt es seit 2017 einen Seniorenbeirat. An der Spitze des vierköpfigen Teams steht der 65-jährige Rentner Reinhard Anger. Seinen Aussagen nach geht es bei dem Gremium nicht um die Bespaßung der älteren Bürger, sondern „um projektbezogenes Management“: „Wir sehen uns als Berater des Gemeinderats und als Bindeglied zwischen Verwaltung und Senioren“, so Anger. Die ehrenamtliche Unterstützung sei wichtig, da die Mitarbeiter einer Kommune nie so viel Zeit hätten, sich um alle Senioren-Themen zu kümmern.

Der Forsterner Beirat trifft sich mindestens einmal im Monat und hat monatlichen Kontakt zu den Seniorenreferenten im Gemeinderat. Das bisher größte Projekt waren Vorbereitungen für das geplante Pflegezentrum. Hier beurteilte der Beirat für die Kommune Pflegekonzepte verschiedener Anbieter. Außerdem gibt es Beratungen, etwa für Vorsorge oder den Umgang mit IT-Technik. Und der Seniorentanz war bis zur Corona-Zeit sehr beliebt.

Gemeindebus als großer Wunsch in Pastetten

Das Gremium aus Forstern unterstützte zudem die Gründung des Seniorenbeirats Pastetten im Januar 2019. Vorsitzender des achtköpfigen Teams, inklusive zwei Nachrückern, ist seitdem Josef Marsch. Der Pastettener Beirat sortierte sich im vergangenen Jahr, formulierte Ziele und nahm vor der Kommunalwahl Kontakt zu allen Parteien auf. „Es hat sehr gut begonnen, doch dann kam Corona“, erzählt Marsch: Seit März hat sich der Beirat nicht mehr getroffen. „Wir sind aber nicht amtsmüde geworden, sondern waren nur vernünftig“, betont der 67-Jährige, der nun sein Team kontaktieren möchte, ob es wieder eine Sitzung durchführen will.

Eines der aktuellen Themen sei die Diskussion um die Gesundheitsregion. Marsch habe es enttäuscht, dazu von der Kommune nicht um Stellungnahme gebeten worden zu sein. Ansonsten wünsche sich der Beirat noch immer einen Gemeindebus für die Einwohner. „Vielleicht wäre das gemeinsam mit zwei anderen Gemeinden leichter zu organisieren.“

„Wenn man den Bürgern erklärt, was der Sinn ist, finden sich auch Leute dafür“

Beide Vorsitzenden finden, dass sich der Seniorenbeirat in ihrer Kommune bewährt habe. „Ich finde wichtig, dass die älteren Bürger wissen, dass es eine eigene Vertretung für sie gibt“, sagt Marsch. Bedenken wie in Buch, keine Kandidaten zu finden, gab es bei den Nachbarn nicht. „Wenn es die Gemeinde will, wird sie es auch schaffen, und es wird Leute geben, die sich dafür einsetzen“, sagt Marsch. Ähnlich sieht es Anger: „Wenn man den Bürgern genau erklärt, was der Sinn ist, finden sich auch Leute dafür.“

Beide Beiräte haben für Buch eine eindeutige Empfehlung: „Ich kann nur sagen: Macht das“, sagt Marsch. Und Anger meint: „Buch sollte es ganz dringend machen. Es ist nötig, sonst kümmert sich niemand um die Themen der Senioren.“ Mit Blick auf das gemeinsame Projekt Pflegezentrum würde er es begrüßen, auch in Buch Ansprechpartner in einem Seniorenbeirat zu haben.

Forstern wie auch Pastetten bieten an, der Kommune in einer Sitzung von ihren Erfahrungen zu berichten. Ursprünglich hatte das Bucher Gremium dies im April 2019 sogar als weiteres Vorgehen definiert. Seniorenreferent Ulzhöfer möchte das Thema zeitnah erneut bei seinen Kollegen platzieren.

Markus Ostermaier

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