Anni Stanner steht vor Kaninchenställen und hat kleine Zwerg- und Satinwidder auf dem Arm
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An die 60 Kaninchen, inklusive der Jungtiere, leben in der Regel bei Züchterin Anni Stanner in Sinsöd, die hier kleine Zwerg- und Satinwidder auf dem Arm hat.

Anni Stanner züchtet Löwenköpfchen, Zwergwidder und Co.

Sie weiß, wie das Kaninchen läuft

Auf ihrem Hof in Sinsöd züchtet Buchs Ortsbäuerin Anni Stanner seit vielen Jahren Kaninchen. Sie beobachtet: Die Nachfrage nach Haustieren ist in der Corona-Krise gestiegen.

Sinsöd – Die Nachfrage nach Haustieren ist in der Corona-Krise gestiegen. Verkäufer wie Kaninchen-Züchterin Anni Stanner aus Sinsöd mussten allerdings beim Vertrieb umdenken. Die 58-Jährige nutzt verstärkt das Internet.

Unzählige Zwergrexe, Löwenköpfchen, Zwergwidder, Satinwidder und Lux-Rexe haben in den vergangenen Jahren in Sinsöd (Gemeinde Buch) das Licht der Welt erblickt. Unter liebevoller Obhut von Züchterin Anni Stanner haben sie dort ihre ersten Lebenswochen verbracht, ehe sie als Haustiere in Familien kamen.

Stanners Wissen über und ihre Liebe für die Langohren gehen bis in ihre Kindheit zurück. Heute besitzt die Ortsbäuerin 25 Häsinnen und fünf Rammler. Meistens leben zudem an die 30 Jungtiere auf dem Bauernhof.

Mit Riesenschecken hat die Zucht begonnen

Zweimal im Jahr bekommt jede Häsin vom Stanner-Hof Jungtiere. „Es wäre sogar noch öfter möglich, aber das möchte ich nicht“, erklärt die 58-Jährige. Los gehe es im Januar, weitere Babys anderer Häsinnen kommen über das Jahr verteilt.

Begonnen mit der Zucht hat Stanner vor vielen Jahren mit den Riesenschecken. Auf Nachfrage ihres jüngsten Sohns Andreas startete sie vor zwölf Jahren mit einem Löwenkopf-Pärchen und stellte ihre Zucht nach und nach auf die kleineren Langohren um. „Es hat sich dann etwas gewandelt, die Kleinen gingen besser zu vermarkten“, erklärt die 58-Jährige. Am beliebtesten sind heute die Zwergwidder, weil sie sehr ruhig und kinderfreundlich seien. Seit einem Jahr hat Stanner auch die eher seltenen Lux-Rexe, die der Vorbesitzer wegen schwerer Krankheit abgeben musste.

Verkauft werden die Kaninchen nur im Pärchen

Täglich ist sie bei den Tieren, füttert sie mit Gras, Heu, Kaninchenmüsli, Brot, Obst oder Gemüse. Manche Tiere behält die 58-Jährige für die eigene Zucht. Ansonsten können die Langohren ab etwa acht Wochen zu ihren neuen Besitzern. Dieser Lebensabschnitt sei wichtig, „damit sich die Tiere bei der Familie einleben und sich an die neue Umgebung gewöhnen“.

Verkauft werden die Kaninchen nur im Pärchen, damit sie sich nicht einsam fühlen. Wenn sie Hasen-Nachwuchs hat, ist Stanner eigentlich jeden Sonntag auf dem Langengeislinger Kleintiermarkt. Wegen der Corona-Krise fand dieser seit Monaten nicht mehr statt. In der Lockdown-Phase hatte die Landwirtin durchaus Bedenken, alle ihre Kaninchen verkaufen zu können. Deswegen vertiefte sie einen Vertriebsweg, den sie zuvor nur gelegentlich nutzte: die Internet-Plattform Ebay Kleinanzeigen. Der Preis liegt je nach Rasse zwischen 30 und 35 Euro.

Etliche Züchter sind wegen Corona aufs Internet umgestiegen

Stanners neuer Vertriebsweg in Zeiten von Corona zeigt Wirkung. Die Nachfrage sei sehr hoch gewesen, als die Lockerungen begannen. Alle Babytiere konnten damals verkauft werden, und ihr Kundenstamm erweiterte sich durchs Internet sehr. Manche Familien kamen aus Altötting, Regensburg oder Passau. Stanner möchte ihre Kaninchen zukünftig weiterhin auf Ebay präsentieren – dann aber neben dem Kleintiermarkt, wenn es ihn eines Tages wieder gibt.

Damit ist sie aber nicht allein. Etliche Züchter aus der Region haben ihren Aussagen nach seit Corona ihre Internet-Präsenz verstärkt. Auch zum Zeitpunkt unserer Recherche finden wir Kleintierangebote von lokalen Besitzern, unter anderem aus Erding, Walpertskirchen, Taufkirchen, St. Wolfgang und Fraunberg.

Nach der digitalen Kontaktaufnahme kommt stets das persönliche Kennenlernen

Die 58-Jährige ist überzeugt, dass das Internet nicht zum Nachteil der Tiere genutzt wird. „Es werden keine Tiere angeboten, denen es schlecht geht“, ist sich Stanner sicher und verweist auf die dortige Präsenz von Tierschützern oder -ärzten. Sie vereinbart mit ihren Kunden nach der digitalen Kontaktaufnahme stets persönliche Termine zum Kennenlernen, zur Besichtigung und Abholung der Kaninchen.

Die Züchterin freut sich, dass die Corona-Krise die Einstellung vieler Menschen in Sachen Haustierhaltung verändert hat. Vor allem bei Familien mit Kindern sei die Nachfrage nach Kaninchen oder anderen Kleintieren gestiegen. „Mir haben einige gesagt, sie möchten nun ein Haustier, weil sie mehr Zeit haben, mehr zuhause sind oder eine Ablenkung möchten“, berichtet Stanner.

Sicher gibt es Menschen, die mit den Lockerungen des Lockdowns ihre Tiere wieder loswerden wollten. Doch Stanner hatte nach eigenen Angaben stets ein gutes Gefühl, dass sich die Kunden ihrer Verantwortung bewusst seien. Gespannt ist sie nun, ob Kaninchen und Co. weiterhin so gefragt sind und „ob es ein langfristiges Umdenken gibt“.

Markus Ostermaier

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