Eine Erdkröte hat Silke Pfister beim Schutzzaun in Buch entdeckt. Die 44-Jährige trägt das kleine Lebenwesen sicher ins Regenrückhaltebecken.
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Eine Erdkröte hat Silke Pfister beim Schutzzaun in Buch entdeckt. Die 44-Jährige trägt das kleine Leben wesen sicher ins Regenrückhaltebecken.

Silke Pfister hilft Amphibien über die Straße

Die Froschretterin aus Buch am Buchrain

Silke Pfister und ihr Team betreuen in Buch am Buchrain Schutzzäune für Amphibien. Bei ihrer Arbeit stellen sie fest: Heuer sind es weniger Tiere als in den Vorjahren.

Buch am Buchrain– Die grünen Zäune säumen schon seit einigen Wochen die Landkreisstraßen. Zum Schutz von wandernden Amphibien werden sie aufgestellt. Meist sind es Freiwillige, die diese Zäune betreuen. Eine von ihnen ist Silke Pfister aus Buch am Buchrain.

Es ist der Beginn eines herrlichen Frühlingssonntags. Auf den Straßen ist es noch ruhig, Silke Pfister dagegen ist schon um 7.30 Uhr hellwach. Wie so oft um diese Uhrzeit führt ihr Weg die 44-Jährige zu Buchs östlicher Ortszufahrt. Pfister ist verantwortlich für die dunkelgrünen Amphibienschutzzäune, die dort wieder auf beiden Seiten der ED 20 stehen. Seit sieben Jahren kümmert sie sich um Planung und Einteilung der Helfer und unterstützt selbst eifrig die kleinen Lebewesen beim Überqueren der gefährlichen Straße.

Den 300 Meter langen Schutzzaun hat die Gemeinde auf Anregung Pfisters beschafft. „Mir taten einfach die vielen überfahrenen Frösche in diesem Bereich sehr leid. Das ist hier wirklich schlimm gewesen“, erzählt sie. Vor zwei Jahren besorgte die Kommune noch einen zweiten kürzeren Zaun für die Gewässer-Straßenseite.

Viele Grasfrösche und Erdkröten kommen jedes Jahr von den Bucher Waldgebieten zu dem kleinen Teich, der noch im Hauptort und angrenzend zum Ortsbereich Pitz liegt. Das Gewässer ist ein Regenrückhaltebecken, das bei den Amphibien zur Fortpflanzung aber sehr beliebt ist. Jährlich etwa 300 bis 400 Tieren helfen Pfister und ihre Freunde bei der Bewältigung der Fahrbahn, die die Wiese vom Wasser trennt.

Meistens steht der Zaun ab Anfang bis Mitte März einen guten Monat lang – also in der Hauptwanderzeit der Kröten und Frösche. Der harte Kern des Helferteams besteht aus fünf Leuten. „Es gibt aber auch ein paar anonyme Läufer, die gelegentlich ein paar Tieren helfen“, hat Pfister schon mitbekommen. Jeden Morgen und Abend ist einer der Helfer unterwegs, um die Amphibien in Eimern einzusammeln und auf die andere Straßenseite zu bringen. Meistens sind es morgens mehr Tiere, heuer allerdings sind die Fundzahlen bislang etwas geringer. In den ersten zweieinhalb Wochen waren es nur an die 100 Tiere. „Grasfrösche hatten wir noch gar keine, nur Erdkröten“, berichtet die 44-jährige Verkäuferin. Sechs Molche habe man zudem noch gerettet.

Die Tagesfunde variieren stark. Bei der Begehung mit der Heimatzeitung hat sich zum Beispiel nur eine einzige Erdkröte zum Schutzzaun begeben. Die Amphibien-Helferin vermutet als Grund für die niedrigeren Zahlen unter anderem das Wetter. „Die Frösche sind vor allem nachts unterwegs, wenn es warm ist, also am liebsten bei über zehn Grad. Aber das hatten wir ja heuer im März gar nicht“, erzählt sie.

Für möglich hält die Bucherin zudem, dass das wegen des Haidfeld-Baugebiets erweiterte Regenrückhaltebecken von den Kröten nicht so gut angenommen werde. Beim Ausbau im Herbst wurden aus dem Teich auch alle Goldfische und Karpfen entfernt. „Dieser Wasserbereich wird ganz bestimmt wieder sehr schön werden“, ist Pfister überzeugt. Amphibien seien bei Veränderungen allerdings sensibel. Als der Teich vor zwei Jahren gesäubert wurde, hätten die Tiere ihn teilweise auch abgelehnt.

Die 44-Jährige teilt des Weiteren die Auffassung des Bund Naturschutz Bayern, dass die Anzahl der Amphibien rückläufig ist. Die Natur verändere sich stark: „Es gibt weniger Pflanzen, daher weniger Insekten und letztendlich weniger Frösche – das ist ein Kreislauf.“

Zwar habe sie für ihre Arbeit schon oft positives Feedback erhalten. Pfister bedauert aber, dass es beispielsweise beim Schutz der Tiere kaum neue Helfer gibt. „Jeder ist für die Erhaltung der Natur, aber fast keiner tut etwas dafür. Es reicht aber nicht aus, wenn man nur auf die Straße geht zum Protestieren“, sagt Pfister und sammelt nebenbei Müll auf, der wild entsorgt wurde.

Der Aufwand für Helfer während der Krötenwanderung sei eigentlich überschaubar, findet sie. Das Ehrenamt dauere nur gute vier Wochen im Jahr. Für den Dienst benötigt werden lediglich Aufmerksamkeit, Handschuhe, Gummistiefel und Taschenlampe. Zwar habe man laut Pfister in Buch keinen explosionsartigen Anstieg an Fröschen erkennen können. „Aber Artenschutz fängt in kleinen Gesten an. Die Arbeit ist es wert, dass unser Natur-Kreislauf erhalten bleibt.“

Markus Ostermaier

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