Einen professionellen Vorlesungs- und Homeoffice-Arbeitsplatz mit drei Bildschirmen hat sich der duale Student Thomas Räschmeier aus Buch am Buchrain in den heimischen vier Wänden eingerichtet. Bereits zwei virtuelle Semester seines Studiums hat er dort verbracht.
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Einen professionellen Vorlesungs- und Homeoffice-Arbeitsplatz mit drei Bildschirmen hat sich der duale Student Thomas Räschmeier aus Buch am Buchrain in den heimischen vier Wänden eingerichtet. Bereits zwei virtuelle Semester seines Studiums hat er dort verbracht.

Thomas Räschmeier (20) im Interview

Bucher Student über den neuen Alltag in Corona-Zeiten: „Teilweise waren die Dozenten überfordert“

Ausnahmezustand herrscht seit dem Frühjahr an Hochschulen und Universitäten. Dozenten müssen sich aufgrund der Pandemie alternative, digitale Lehrmethoden überlegen. Auch der Alltag der meisten Studenten ist komplett anders, das eigene Zuhause ist zum Ersatz-Lehrsaal geworden. So geht es auch Thomas Räschmeier aus Buch.

VON MARKUS OSTERMAIER

Buch am Buchrain – Der 20-Jährige absolviert sein duales BWL-Industrie-Studium bei Gieseke + Devrient.

Die Vorlesungen finden normalerweise in Präsenz in Stuttgart statt. Das dritte seiner sechs Theorie-Semester hat Räschmeier Ende November abgeschlossen. Wir sprachen mit dem Studenten über seine Erfahrungen mit Online-Vorlesungen und die neuen Rahmenbedingungen für Prüfungen.

Herr Räschmeier, wie hat sich Corona im Frühjahr auf Ihr Studium ausgewirkt?

Mein zweites Semester hat Mitte März begonnen, und die Hochschule hat kurzfristig nach zwei Tagen Pause komplett umgestellt auf Online-Vorlesungen. Dass es so schnell ging, hat mich überrascht, aber es gab natürlich auch manchmal technische Probleme.

Waren die Professoren anfangs etwas überfordert?

Die Dozenten haben insgesamt ihr Bestes gegeben, aber teilweise waren sie das schon, ja. In einem Fach haben wir nur Seitenzahlen eines Buches erhalten, die wir uns selbst anschauen sollten. Das war eigentlich keine Vorlesung mehr, sondern schon eher ein Selbststudium.

Und die Prüfungsleistungen – waren die ebenfalls digital?

Richtig. Das haben wir aber erst eine Woche zuvor endgültig erfahren. Alle Studenten waren zuhause mit eingeschalteter Webcam. Man musste aber nicht den Schreibtisch sehen, sondern nur, dass niemand anderes im selben Raum ist. Außerdem gab es nicht so typische Wissensfragen, sondern eher Verständnisfragen. Die Zeit war zu knapp, aber mir haben die Online-Prüfungen gefallen, weil sie zu meinem Lerntyp gut passen. Die Dozenten haben aber eher schlechte Erfahrungen damit gesammelt.

Wie ist dann Ihr Wintersemester verlaufen?

Das war besser. Die Vorlesungen von September bis November waren noch besser organisiert, viele Dozenten haben technisch etwas aufgerüstet und sich noch mehr Mühe gegeben.

Haben die Prüfungen erneut virtuell stattgefunden?

Nein, sie waren alle wieder in Stuttgart in Präsenz, aber ich bin eher weniger ein Fan davon. In den Prüfungsräumen war es eiskalt, weil vorher ewig gelüftet wurde. Man saß währenddessen oft mit der Jacke drin, und die Maske stört schon auch ein bisschen. Es ist gar nicht so einfach, sich dann richtig auf die Prüfung zu konzentrieren.

Sind Sie bei Ihren Online-Vorlesungen immer daheim in Buch oder in Stuttgart?

Das ist unterschiedlich. Meistens bin ich in Buch, manchmal aber auch in meiner Wohnung in Stuttgart. Während meiner Online-Prüfungen war ich zum Beispiel dort, weil die Internet-Leitung in Stuttgart noch stabiler ist.

Gibt es mehrere Studenten wie Sie, die eine Wohnung in einer anderen Stadt gemietet haben, diese aber aktuell wegen Pandemie eigentlich nicht benötigen?

Ja, auf jeden Fall. Für viele macht es eigentlich aktuell keinen Sinn, die Wohnung zu behalten. Man zahlt ja auch die ganze Zeit dafür. Das ist im Moment nicht ganz optimal.

Ist Ihr Folgesemester erneut virtuell?

Mein viertes Semester beginnt Ende Februar und ist sicher wieder online. Alles in Präsenz kann ich mir nicht vorstellen – vielleicht nur wieder die Klausuren.

Dann sind Sie aktuell der klassische Fernstudium-Hochschüler, der eigentlich ein Präsenzstudium gewählt hatte.

Ja, wobei ich auch sagen muss: Ich bin Fan der Online-Vorlesungen. Es hat auch Vorteile und macht vieles flexibler. Ich muss nicht extra nach Stuttgart fahren und kann mir vieles besser einteilen. Mein bevorzugtes Modell wäre ein Mix aus Präsenz und Online.

Gibt es auch Nachteile der digitalen Notlösung?

Natürlich. Die Wohnung in Stuttgart steht halt die meiste Zeit leer, und das typische Studentenleben fällt einfach komplett weg. Außerdem hat man nicht so viel Kontakt zu anderen Studenten und lernt sie viel schlechter kennen.

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