Einen klassischen Tante-Emma-Laden betreiben Theresia und Heinrich Bauer in der Bucher Vorstadt
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Einen klassischen Tante-Emma-Laden betreiben Theresia und Heinrich Bauer in der Bucher Vorstadt.

Nahversorger in Buch spüren Auswirkungen der A 94 – Auch Corona macht sich bemerkbar

Weniger Verkehr, weniger Kunden

Seit die A94 nicht mehr in Pastetten endet, fließt durch Buch am Buchrain weniger Verkehr. Das merken auch Tankstelle, Bäcker & Co - an sinkenden Kundenzahlen.

Buch am Buchrain – Des einen Freud, des anderen Leid – sehr zutreffend ist dieses Sprichwort in Buch, seitdem die A 94 in Richtung Dorfen in Betrieb ist. Für die Bucher bedeutet das einen erheblich reduzierten Durchgangsverkehr im Hauptort, während Anlieger der Außenbereiche über den Lärm klagen. Abgesehen davon hat die Autobahneröffnung noch ganz andere Auswirkungen.

Vom hohen Verkehrsaufkommen profitierten zuvor die örtlichen Geschäfte, die der Veränderung durchaus mit Sorge und Zweifel entgegen blickten. Ein Jahr nach der A 94-Inbetriebnahme sprachen wir mit Buchs Nahversorgern – alle mit Sitz an der Hauptstraße – über ihre Erfahrungen. Beeinflusst wurde deren Bilanz zuletzt freilich auch durch Corona.

Verkehr hat sich nahezu halbiert

Wie eine Verkehrszählung vom November 2019 belegt, hat sich die Anzahl der Fahrzeuge bereits einen Monat nach der Eröffnung der A 94 spürbar reduziert. Die gravierendste Änderung zeigte die Messstelle an der Staatsstraße 2332, die Richtung Autobahnausfahrt Pastetten führt und innerorts zur Hauptstraße wird: Der Verkehr innerhalb einer Woche hat sich demnach von 21 000 auf 11 300 Fahrzeuge nahezu halbiert (wir berichteten).

Es überrascht nicht, dass davon die freie Tankstelle von Anton Neumaier (56) stark betroffen ist. Seit 2004 betreibt er sie mit seiner gleichaltrigen Lebensgefährtin Maria Peis, die angrenzende Kfz-Werkstatt gibt es seit 1992. Das Paar erklärt, dass der Umsatz um ein Drittel zurückgegangen sei. Bewohner aus dem östlichen Landkreis fahren nun in Lengdorf oder Dorfen auf die Autobahn und tanken dementsprechend woanders. „Uns war bewusst, dass es durch die A 94 weniger wird, aber zahlenmäßig konnten wir es nicht sagen“, meint Neumaier.

Stark bemerkbar gemacht habe sich heuer zudem Corona. Trotz Autobahn und Pandemie rentiere sich der Betrieb aber, versichert er: Erst kürzlich wurde renoviert, Zapfsäulen ausgetauscht, das Gebäude gestrichen. „Wir hoffen auf die Treue der Buchner“, sagt Peis, und Neumaier ergänzt: „Wir machen das auch für sie, damit es kein Ortssterben gibt.“

Bäckerei Neumeier: Viele Aufträge sind wegen Corona weggebrochen

Den reduzierten Verkehr spürt auch die Filiale der Bäckerei Neumeier. „Etwa ein Viertel vom Umsatz ist weggebrochen“, sagt Bäckermeister Jakob Neumeier. Handwerker wie auch Büroangestellte, die früher in Buch Brotzeit gekauft haben, seien weggefallen. Mit dieser Entwicklung hat Neumeier gerechnet, mit Corona allerdings nicht. Zwar sei dadurch die Kaufkraft in seinen Filialen angestiegen, allerdings seien unzählige Aufträge weggebrochen – für Feste oder Maibaumstüberl. Dadurch habe er 2020 ein weiteres Viertel vom gewohnten Umsatz verloren. „Es ist zwar nicht so, dass sich unsere Arbeit nicht mehr rentiert, und wir müssen zum Glück niemanden ausstellen, aber vorher war es besser“, gibt er zu.

Einen Tante-Emma-Laden in der Bucher Vorstadt gibt es bereits seit etwa 1860. Die Nah & Gut-Filiale mit Getränkemarkt wird heute von Heinrich (68) und Theresia Bauer (62) geführt. Beide haben sich vor der A 94-Eröffnung durchaus Sorgen gemacht um die künftige Kaufkraft in ihrem Geschäft an der Hauptstraße. „Als die Autobahn aufgemacht hat, haben wir das gleich gemerkt, und der Verkehr wurde viel weniger“, erzählt Theresia Bauer. Die Anzahl der Pendler-Kunden sei gesunken.

Friseursalon: Aus Pendlern werden Stammkunden

Corona hat sich für das Paar allerdings weitgehend positiv ausgewirkt: Verstärkt kämen Bucher nun wieder in kleinere Geschäfte wie in ihren Nah & Gut, berichtet Theresia Bauer: „Insgesamt kann ich mich nicht beschweren.“ Die Krise habe sich allerdings auf den Getränkeumsatz sowie die zu vermietenden Biertischgarnituren und Kühlanhänger ausgewirkt, da es kaum Veranstaltungen gab.

Ebenfalls in sehr zentraler Lage ist der Friseursalon von Silvia Nagl, die sich gemeinsam mit der Bäckerei Neumeier seit 2012 die Räume des langjährigen Lebensmittelladens Steutzger/Eglseder teilt. Vor der Autobahn seien häufig neue Kunden („fast nur Herren“) spontan in den Salon gekommen. Diese Laufkundschaft falle seit Herbst 2019 weg, sagt Nagl. Einige Pendler seien aber zu Stammkunden geworden.

Die Friseurmeisterin hat sich die Auswirkungen der A 94 anfangs schlimmer vorgestellt. Viel mehr geschadet habe die Pandemie: „Wir hatten sechs Wochen komplett zu. Das kann man nicht mehr aufholen.“ Nagl ist skeptisch, ob es im aktuellen Lockdown nicht auch für ihren Betrieb wieder Einschränkungen geben wird.

Neue Verkehrszahlen

Nach Kenntnisstand von Bürgermeister Ferdinand Geisberger (CSU) wurde im Oktober 2020 eine zweite Verkehrsmessung durchgeführt. Deren Ergebnisse werden am Dienstag, 1. Dezember, im Gemeinderat vorgestellt. Auf der Agenda stehen auch die Ergebnisse der Wasserprüfung und einige Bauanträge. Beginn ist um 19.30 Uhr im Gemeindehaus.

Markus Ostermaier

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