Beim Halten eines Wasserglases fällt häufig ein typisches Symptom von Parkinson auf: der so genannte Tremor, das Zittern der Hände und auch der Beine.
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Beim Halten eines Wasserglases fällt häufig ein typisches Symptom von Parkinson auf: der so genannte Tremor, das Zittern der Hände und auch der Beine.

Erdinger Selbsthilfegruppe hält trotz Corona zusammen

Am Sonntag ist Welt-Parkinson-Tag: Wenn die Hände nicht mehr gehorchen

Der Welt-Parkinson-Tag am Sonntag, 11. April, soll auf die immer noch unheilbare Krankheit aufmerksam machen. Anlässlich dessen ruft der Franz Kunstwadl, Leiter der Parkinson-Gruppe Erding/Freising, zur Aufklärung auf.

Landkreis/Buch am Buchrain –Schätzungsweise 400 000 Menschen leiden in Deutschland an Morbus Parkinson. Der Welt-Parkinson-Tag an diesem Sonntag, 11. April, soll auf die immer noch unheilbare Krankheit aufmerksam machen sowie das Verständnis für Erkrankte und ihre Angehörigen fördern. Anlässlich dessen ruft der Bucher Franz Kunstwadl, Leiter der Parkinson-Gruppe Erding/Freising, zur Aufklärung auf.

Der weltweite Aktionstag wurde 1997 ins Leben gerufen und findet am Geburtstag des englischen Arztes James Parkinson statt. Dieser beschrieb 1817 erstmals die Symptome der später nach ihm benannten neurologischen Erkrankung. Was Parkinson für Betroffene und Angehörige bedeutet, weiß Kunstwadl aus Buch am Buchrain. „Die Diagnose Parkinson ist ein tiefer Einschnitt in die bisherige Lebensplanung. Bislang gibt es keine Heilung und auch keine Therapie, die die Erkrankung verhindert oder vollständig zum Stillstand bringt“, erklärt er.

Parkinson ist unheilbar, aber einige Symptome lassen sich gezielt behandeln

Dennoch spricht Kunstwadl allen Erkrankten Mut zu: „Parkinson ist eine langsam fortschreitende Krankheit, und einige Symptome lassen sich gezielt behandeln, sodass viele Patienten noch Jahre, teils auch Jahrzehnte ein weitgehend normales Leben führen können.“ Trotzdem sei es schwer, die Krankheit alleine zu bewältigen.

Unterstützung bietet die Selbsthilfegruppe in Erding, eine regionale Gruppe der deutschen Parkinson Vereinigung (dPV). Ziel der vor 40 Jahren gegründeten Selbsthilfevereinigung ist es, die Lebensumstände von Parkinson-Patienten und ihren Partnern zu verbessern.

Parkinson tritt überwiegend in einem Alter von 50 bis 60 Jahren auf, ein Teil der Betroffenen ist aber auch deutlich jünger, informiert Kunstwadl. Ursache der Erkrankung ist ein Mangel des Nervenbotenstoffs Dopamin, der für die Steuerung von körperlichen und geistigen Bewegungen benötigt wird. Ein typisches, durch diesen Mangel hervorgerufenes Symptom ist ein Tremor – das bekannte Zittern der Hände, Arme und auch Beine. Weitere Symptome sind eine zunehmende Unbeweglichkeit, Haltungsinstabilität und Muskelsteifheit (Rigor). Mit diesen Symptomen hat die überwiegende Mehrheit der Parkinson-Erkrankten zu kämpfen, weiß Kunstwadl.

Der Gedankenaustausch mit anderen Betroffenen ist immens wichtig

Wie sich die fortgeschrittene Erkrankung auf seinen Körper und sein Leben auswirkt, schildert ein Mitglied der Selbsthilfegruppe so: „Da es über Nacht keine regelmäßige Tabletteneinnahme gibt, bin ich morgens ziemlich steif. Die Tabletteneinnahme, verschiedene Übungen und mein Vorsatz, mich nicht unterkriegen zu lassen, helfen. Aber vieles geht nicht mehr so einfach wie früher: Ich kämpfe mit dem Gleichgewicht und brauche eine Gehhilfe, mir fallen Sachen herunter, das Umblättern der Zeitung fällt schwer. Die Feinmotorik lässt zusehends nach, Schlüssel ins Schloss stecken, Geld aus dem Portemonnaie holen, das Hemd zuknöpfen, Schuhe zubinden – all das erfordert meine volle Konzentration. Manchmal geht es, manchmal nicht. Dazu bin ich sprachlich schwer zu verstehen, ich muss mich darauf konzentrieren, langsam, deutlich und laut zu sprechen. Aber trotz Parkinson hat das Leben auch tolle und gute Seiten behalten.“

Der Gedankenaustausch mit anderen Betroffenen sei für den Kranken, aber auch für die Partner und Angehörigen immens wichtig, betont Kunstwadl. „Der Austausch innerhalb der Selbsthilfegruppe sorgt für mehr Information und Verständnis und hilft, unsere Lebensqualität zu verbessern.“

Selbsthilfegruppe: Zusammenhalt auch in Corona-Zeiten

Zu den Aktivitäten der Parkinson-Gruppe Erding gehören regelmäßige Informationstage. Jeden ersten Mittwoch im Monat um 14 Uhr ist normalerweise der Parkinson-Treff beim Lindenwirt in Bergham. Vorträge der Chefärzte der Neurologischen Kliniken im näheren Umkreis sind im Jahresprogramm zu finden. Gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Ausflüge, Sommerfeste und Nikolausfeiern runden das Programm ab.

Man sei füreinander da und helfe sich, auch in Corona-Zeiten, sagt Kunstwadl. Wer sich seiner Krankheit stelle, käme in der Regel besser damit klar. Durch die Einschränkungen während der Pandemie mussten die Treffen zwar in den vergangenen Monaten ausfallen, aber der Kontakt innerhalb der Gruppe wurde weiterhin telefonisch und auch via Internetkonferenz aufrecht erhalten. Sobald es die Situation zulässt, sollen zunächst im kleinen Kreis wieder Treffen und gemeinsame Aktivitäten stattfinden.  red

Kontakt zur Selbsthilfegruppe

Die Erdinger Parkinson-Selbsthilfegruppe steht Erkrankten und Angehörigen bei. Gruppenleiter Franz Kunstwadl freut sich über Anfragen unter Tel. (0 81 24) 52 70 52 oder per E-Mail an parkinson.erding@web.de. Seine Stellvertreterin Anna Elisabeth Greinke ist erreichbar unter Tel. (0 81 22) 95 70 12. Weitere Informationen stehen im Internet auf www.parkinson-erding.de.

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