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In dieser Gräberreihe im neuesten Bereich des Bucher Friedhofs wurde die Handgranate entdeckt. 

Gefährlicher Fund

Woher stammt die Handgranate im Bucher Friedhof?

Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg hat in Buch am Buchrain für Aufregung gesorgt. Eine Handgranate wurde auf dem Friedhof entdeckt.

Buch am Buchrain – Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg hat in Buch für Aufregung gesorgt. Eine scharfe, aber transportfähige Handgranate wurde von Angehörigen bei einem Friedhofsgrab entdeckt und von Experten erfolgreich entschärft.

Es muss ein Schockmoment gewesen sein, den zwei Bucher an einem Sonntagmorgen vor der Corona-Krise erlebt haben. Arglos pflegten sie im neuesten Bereich des Friedhofs das noch frische Grab eines Verstorbenen. Plötzlich kam bei den Erdarbeiten ein kleiner rostiger Gegenstand ans Licht. Bei genauerem Hinsehen stellten die Angehörigen fest: Es ist eine alte Handgranate.

Schockmoment am Sonntag

Nur wenige Meter entfernt wurde in der Pfarrkirche St. Martin der Sonntagsgottesdienst gefeiert. Danach ging alles ganz schnell. Die Angehörigen verständigten sofort die Polizei. Harald Pataschitsch, Erdings stellvertretender Dienststellenleiter, bestätigt den Vorfall. Der Alarm wurde um 10.15 Uhr dokumentiert.

Die Beamten sperrten den Friedhof sofort nach ihrem Eintreffen ab, Sprengstoffexperten der Firma Tauber untersuchten das Fundstück. Die Handgranate sei damals direkt abtransportiert worden, berichtet Pataschitsch. Ob von dem Fundstück tatsächlich eine Gefahr ausgegangen ist, haben Ortsansässige wie der Bucher Kirchenpfleger Wolfgang Hipper, der zum Zeitpunkt des Fundes ebenfalls an der Kirche war, bis heute nicht erfahren.

Andreas Heil, Betriebsleiter von K.A. Tauber Spezial-Tiefbau GmbH aus Nürnberg, berichtet auf Nachfrage unserer Zeitung, die Handgranate sei noch scharf gewesen, aber verlagerungs- und transportfähig. Von Fall zu Fall entscheiden seine Mitarbeiter, wo Kollisionsgegenstände entschärft werden, „keinesfalls aber in bewohntem Gebiet“. Die Entschärfung verlief laut Heil erfolgreich und an einem ruhigen, geeigneten Ort, der geheim bleibt. Der Experte wollte keine weiteren Details zum Fundstück preisgeben, etwa dessen Alter oder Modell. „Kampfmittel sind stets und immer gefährlich – bis heute“, erklärt Heil.

Doch woher könnte die Handgranate stammen? In der Gemeinde ist man davon überzeugt, dass es sich um ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg handelt. Kirchenpfleger Hipper kann sich vorstellen, dass die Waffe ein Überbleibsel von Amerikanern ist.

Wie in der Gemeindechronik dokumentiert, waren amerikanische Bodentruppen im April und Mai 1945, die zuvor die regionale deutsche Luftwaffe ausgeschaltet hatten, nach Buch marschiert. Mehrere Tage hielten sie sich hier auf und suchten das Dorf nach Widerstandsnestern und SS-Leuten ab. Die Bucher mussten den Amerikanern damals Quartier in ihren Häusern gewähren und selbst auf Nebenzimmer, Keller oder Ställe ausweichen.

Viel Munition in Nachkriegsjahren entdeckt

Bevor sie weiterzogen, nahem die Bodentruppen allerlei Wertgegenstände mit. Mit ihrer eigenen Ausstattung gingen sie nachlässiger um. Überall im Ort entdeckten die Bucher später amerikanische Granaten. Hipper erzählt von seinem Onkel, der ein Exemplar im Kachelofen fand, dessen Schwager eins im heutigen Gemeindehaus.

Zwar wurden in den Nachkriegsjahren Munition und Granaten gesammelt und in Löschweihern entsorgt. Doch schon damals zeigte sich, dass nicht alle gefährlichen Gegenstände entdeckt wurden. Hipper verweist auf einen Vorfall, der auch in der Chronik dokumentiert ist. Ein zehnjähriger Bub löste 1945 im Ortskern versehentlich eine im Durchgangsrohr des Straßengrabens abgelegte Handgranate aus. Zwei Mädchen starben, fünf weitere Kinder wurden bei dem Unfall verletzt.

„Überall ist damals viel Munitionszeug rumgelegen. Das war schon gefährlich“, erinnert sich Hipper. Dass das Areal um den Friedhof – damals war dort der Schulhof – schon früher ein sensibler Bereich war, kann der Kirchenpfleger aus eigenen Erfahrungen bestätigen. Als etwa Zehnjähriger hatte er dort zwischen einem Holzschuppen und einem Zaun inmitten von Brennnesseln eine Granate gefunden. Im kindlichen Leichtsinn wurde sogar damit gespielt, gibt Hipper zu – glücklicherweise jedoch, ohne sie dabei auszulösen.

Der Rentner erinnert sich, dass nach Kriegsende von einem Splittergraben in der Nähe des heutigen Friedhofs gesprochen wurde – also eine Art Schutzbunker. Möglicherweise stammt die jetzt gefundene Handgranate von dort, mutmaßt Hipper.

Auslöser weiterer Untersuchungen ist der Fund bislang nicht. „Aber natürlich weiß man nicht sicher, ob man nicht doch noch mal etwas findet, wenn man weitergraben würde“, sagt Hipper. Eine Untersuchung des Friedhof-Bereichs fände er nicht schlecht. Von den Sprengstoffexperten gibt es allerdings keine Handlungsempfehlung. „Wegen eines Einzelfundes geben wir hierzu keine Stellungnahme ab“, sagt Andreas Heil. Dies müsse die jeweilige Sicherheitsbehörde gemeinsam mit Fachleuten entscheiden.

Der Experte warnt davor, den Bucher Bereich eigenständig mit Metalldetektoren oder ähnlichem abzusuchen. In nicht freigegebenen Gebieten könne dies laut Heil sogar als Straftat geahndet werden.

MARKUS OSTERMAIER

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