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Der Pastettener Rolf Kaiser hat eine Chronik vorgelegt, die an alle Hohenlindener Kriegsteilnehmer zwischen 1914 und 1918 erinnert. 

Buch über die Kriegsteilnehmer des ersten Weltkrieges

Erinnerung an die Grausamkeit des Krieges

Pastetten/Hohenlinden – Das Ende des Ersten Weltkriegs jährt sich am Sonntag, 11. November, zum 100. Mal. In der Gemeinde Hohenlinden hatte man die Zeit zwischen 1914 und 1918 100 Jahre danach zum Anlass genommen, durch verschiedene Aktivitäten an den Krieg und das Leid der Beteiligten zu erinnern. Maßgeblich daran beteiligt ist Rolf Kaiser, der Chef des örtlichen Museums. Der 69-Jährige, der seit 19 Jahren in Pastetten wohnt, hat ein Buch vorgelegt, das an die Hohenlindener Kriegsteilnehmer erinnert.

Die Gemeinde Hohenlinden hat dem Ersten Weltkrieg viel Aufmerksamkeit geschenkt und vieles getan zur Aufarbeitung und zugleich zur Aussöhnung mit Frankreich. Warum eigentlich?

Das Ganze hatte begonnen mit der Geschichte von Peter Freundl, einem jungen Mann aus dem Ortsteil Berg, der bei Verdun fiel und dem die Franzosen vor vier Jahren eine besondere Ehre zuteil werden ließen. Er war damals der erste deutsche Soldat, dem ein Gedenkstein in der zentralen Erinnerungsstätte in Douaumont gewidmet wurde. An der Enthüllung nahmen wir damals mit einer großen Gruppe teil. Es entstanden Kontakte auch mit dem Bürgermeister von Verdun und Fleury. Und auch unser Bürgermeister sah in der Zeremonie damals den Anlass, auch hier bei uns in Hohenlinden die Geschichte aufzuarbeiten.

Wie ging es weiter?

Bürgermeister Ludwig Maurer hatte angeregt, auch bei uns eine Ausstellung zu machen. Die fand dann auch im November 2014 statt. Damals hatten wir Bilder von 28 Kriegsteilnehmern zusammengetragen, die aus der Gemeinde und der Pfarrei Hohenlinden kamen oder aus der Pfarrei Preisendorf. Trotzdem war es eine ansehnliche Ausstellung mit 160 Sterbebildern und vielen Feldpostkarten.

Es ging um die Sterbebilder. War es schwierig, sie zusammenzutragen?

Viele habe ich nach einem Aufruf im Gemeindeblatt beziehungsweise in der Ebersberger Zeitung bekommen, teilweise wurden mir ganze Schuhkartons zur Verfügung gestellt. So habe ich über 1600 Sterbebilder bekommen, aber nicht alle waren von Kriegsteilnehmern.

Wie viele hatten nun tatsächlich mit dem Weltkrieg 1914/18 zu tun?

406. Von denen wir wissen. Aber nicht von allen haben wir Bilder, aber zumindest Informationen.

Ist die Chronik damit komplett?

Von den 406 sind etwa 80 im Krieg gefallen, die anderen sind gesund oder versehrt heimgekommen. Die 406 Biografien aber stehen in dem Buch, das ich zusammengestellt habe. Die Kriegsteilnehmer sind alphabetisch geordnet, mit Geburtsdatum, Geburtsort, Namen der Eltern, Beruf, militärischer Einheit und weiteren Daten aus der Stammrolle.

Wie kamen Sie an die Stammrollendaten?

Bei den Stammrollen haben wir Kontakt mit dem Armeearchiv in Ingolstadt und mit dem bayerischen Kriegsarchiv in München aufgenommen. Das Kriegsarchiv hat die entscheidenden Hilfestellungen gegeben und gezeigt, wie man weiter recherchiert, auch von Zuhause.

Wieviel Zeit haben Sie verwenden müssen?

Die Daten zu sammeln, hat viereinhalb Jahre gedauert, das Erfassen ging Anfang 2017 los und dauerte bis Juni 2018. Mein Enkel hat mir dabei sehr geholfen und mir einen Internetzugang geschenkt, das war eine große Erleichterung. Vorher war ich nicht online.

Am Ende hat’s auch noch pressiert, Sie wollten ja rechtzeitig zum Ende des Jahres 2018 fertig werden.

Ja, und ich bin Gott sei dank rechtzeitig fertig geworden. Hilfreich war auch die Gemeindechronik von Ludwig Stoeckl, der hatte 110 Seiten nur über Hohenlinden und den Ersten Weltkrieg geschrieben.

Wie haben die Nachfahren der Kriegsteilnehmer auf ihre Recherchen reagiert?

Teilweise war es so, dass mir Familien alles geschenkt haben. Weitgehend bin ich auf eine große Dankbarkeit gestoßen.

Welche Absicht steckt hinter dem Buch, außer dass Sie an Verstorbene erinnern?

Das Buch ist, neben dem Denkmal, etwas, das erinnert an die Grausamkeit des Krieges. Manche Biografien zu lesen, ist wirklich erschreckend und daher eine besondere Mahnung für uns alle.

Was hat die Bucharbeit ihnen persönlich gebracht?

Ich hatte mich vorher, muss ich zugeben, nur wenig für Geschichte interessiert. Als Kind habe ich noch meinem Urgroßvater zugehört, wie der vom Ersten Weltkrieg erzählte, aber davon ist nicht übrig geblieben bei mir. Heute bedauere ich das. Aber mit den Recherchen der letzten Jahre sind viele weitere Dingen entstanden, zum Beispiel die Aufarbeitung der Autopostlinie und der Postgeschichte von Hohenlinden.

Gibt es für Sie eine Fortsetzung der Aufarbeitung, oder ist jetzt erst mal Pause?

Pause, aber ich will mich dann um die eigene Familienchronik kümmern. Ein nächster Schritt wäre es dann in ein paar Jahren, die Hohenlindener Hausnamen, Hofstellen und ihre Eigentümer zu katalogisieren.

Das Gespräch führte Jörg Domke.

Das Buch von Rolf Kaiser

ist in einer Auflage von 300 Stück erschienen. Der Verkauf läuft über die Gemeinde Hohenlinden und das Museum. Der Preis beträgt 37 Euro.

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