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Stehen geschlossen für den Ringschluss im Tunnel: die 450 Teilnehmer an der Kundgebung am Freitagabend, die Vertreter der Kommunal- Landes- und Bundespolitik (erste Reihe) sowie BI-Vorsitzender Winfried Busch (am Pult).

450 Bürger auf Tunnelkundgebung

Gotz: „Wir sind keine Bürger zweiter Klasse“

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Erding - Direkt am Brennpunkt haben Parteien und Bürgerinitiative Bahntunnel am Freitagabend vor 450 Bürgern klar gemacht: Erding akzeptiert den Ringschluss nur mit einem Tunnel, der den beschrankten Übergang Haager Straße überflüssig macht. Eine klares Signal an Staat und Bahn.

Dass von der Bühne direkt an den Gleisen drastische Worte fallen würden, war wohl schon Stunden vor der Demo nach München durchgesickert. Denn am Mittag signalisierte Innenminister Joachim Herrmann eilig per Presseerklärung, die Forderung der Erdinger zu unterstützen. Sein Kompromissvorschlag trägt auffallend die Handschrift der Erdinger Kommunalpolitik, für die es alternativlos ist, dass der S-Bahn-Ringschluss die Stadt durchschneidet.

Verschwinden die Züge bereits im Stadtpark unter der Erde, kann das Gelände darüber, das Bahn und Stadt gehört, versilbert werden. Mit den erzielbaren Wertsteigerungen – die Stadt soll die Bahnflächen zum heutigen Verkehrswert erwerben – könnte eine Tunnelverlängerung um rund 650 Meter finanziert werden. Die Rede ist von 40 Millionen Euro. Hinzu käme, so der Minister weiter, ein einmaliger Ablösebetrag von zehn Millionen Euro für den dauerhaften Unterhalt der Röhre. Erding könne im Gegenzug auf Mittel der Städtebauförderung setzen.

Vor der Kulisse von rund 450 Tunnelbefürwortern sprach Winfried Busch, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Bahntunnel Erding, von einem „Jahrhundertbauwerk“. Das müsse so geplant und gebaut werden, „dass es sich in unser gewachsenes Ortsbild einpasst und die jetzt schon dramatische Verkehrssituation nicht noch verschlimmert. Denn Erding erstickt bereits heute im Verkehr.“ Die Schrankenschließzeiten seien viel zu lange. Für Busch ist es ein Märchen, „dass das mit moderner Technologie selbst bei dichterem Takt besser wird“. Busch machte deutlich, dass die BI nicht nur für die Haager Straße „deutliche Verbesserungen“ erwarte, sondern sich auch für Park- und Bahnhofstraße einsetze. Erding sei nicht der Verursacher des Verkehrs und des Ringschlusses, sondern der Flughafen. „Deswegen ist es die Pflicht der Gesellschafter, tätig zu werden. Erding darf nicht allein gelassen werden.“

Auch Oberbürgermeister Max Gotz forderte Verbesserungen für das gesamte Stadtgebiet. An die Adresse von Bahn und Freistaat sagte er unter Applaus: „Wir wollen den Ringschluss, wir wollen die Walpertskirchener Spange. Wir sind Gestalter und keine Verhinderer.“ Scharf kritisierte er die Verweigerungshaltung der Bahn, die nicht mal in der Lage gewesen sei, den Ringschluss zu planen, sondern dies dem Staat überlassen habe.

Durch die Nähe zum Flughafen, so der OB weiter, sei Erding genug belastet. Umso weniger könne es angehen, dass die geplante Rückzahlung eines FMG-Darlehens an die Airport-Eigentümer vor allem in die zweite Stammstrecke in München investiert werden solle. „Wir sind keine Bürger zweiter Klasse“, wetterte Gotz unter Applaus und Bravo-Rufen.

Danach ergriffen Abgeordnete aus Land- und Bundestag das Wort. CSU-MdB Andreas Lenz sagte: „Wir sind so weit wie noch nie. Jetzt müssen wir endlich vorankommen.“ Sein SPD-Kollege Ewald Schurer erklärte: „Der Ringschluss ohne stadtverträglichen Tunnel? Nicht vorstellbar!“ Stimmkreisabgeordnete und Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) sprach von einer „beeindruckenden Demonstration.“ Es gehe darum, die Stadt lebenswert zu erhalten.

Für Markus Ganserer von den Grünen ist der Ringschluss ein Beispiel für umwelt- und menschenfreundliche Mobilität. „Er ist ökologisch sinnvoll, deswegen stehen wir dahinter.“ SPD-Kollegin Doris Rauscher meinte: „An dieser Demo kommt niemand mehr einfach vorbei. Das war ein starkes Signal.“ Benno Zierer (FW) sprach sich für den Tunnel aus, „weil dann die Möglichkeit besteht, Erding städtebaulich gut zu entwickeln. „Wir müssen die Verantwortlichen so unter Druck setzen, dass sie nicht mehr rauskommen.“

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