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Jetzt ist endgültig Zapfenstreich für den Fliegerhorst Erding. Unser Bild entstand beim Großen Zapfenstreich zum 50-jährigen Bestehen des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1 im Jahr 2006 auf dem Schrannenplatz.

Bundeswehrreform: Erding verliert 1000 Arbeitsplätze

Erding - Mit einem derart heftigen Schlag hatten nicht einmal Pessimisten gerechnet. Im Zuge der Bundeswehrreform werden am Fliegerhorst Erding 1000 Arbeitsplätze abgebaut. Der Standort büßt seine Bedeutung für die Luftwaffe fast vollständig ein. Das Entsetzen vor Ort ist groß.

Am Dienstag um 10.30 Uhr erhielten die Mitglieder des Bundestags-Verteidigungsausschusses einen 140 Seiten dicken Packen Papier – das Reformkonzept von Thomas de Maizière. Auf Seite 53 ist nachzulesen, wie drastisch die Einschnitte für den Fliegerhorst Erding ausfallen. Komplett aufgelöst werden das für die Wartung und Reparatur der Tornados zuständige Luftwaffeninstandhaltungsregiment 1 inklusive Ausbildungswerkstatt, das Systemzentrum Luftfahrzeugtechnik, das Materialdepot sowie die Sanitätsstaffel. Damit wird der Fliegerhorst als einst zentraler Stützpunkt der Luftwaffe quasi bedeutungslos.

Noch ernüchternder wird das Konzept, wenn man es auf die Dienstposten herunterbricht. Das Bundesverteidigungsministerium hat seine Rechnung auf 1190 aktuell vorhandenen zivilen und militärischen Stellen aufgebaut. Nach der Reform sollen es nur noch 220 sein – ein Abbau um annähernd 1000 Stellen oder 82 Prozent.

Noch offen ist, wie die Zukunft der Infrastruktur, vor allem die der Startbahn aussieht. Üblicherweise bemüht sich die bundeseigene Immobiliengesellschaft Bima um diese Flächen, die sie zu vermarkten versucht. Unklar ist auch noch, in welchem Zeitrahmen die Abwicklung erfolgt. Als wahrscheinlich gilt, dass es einige Jahre dauern wird.

Einziger Lichtblick: Das wehrwissenschaftliche Materialprüf-Institut Wiweb bleibt bestehen. Auch soll an den Kooperationen der Bundeswehr mit der Industrie nicht gerüttelt werden. In Erding geht es um den Triebwerkshersteller MTU sowie Airbus/Dass. In Erding sollen Materialtests für Flugzeuge und die Rakete Ariane durchgeführt werden. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Lehmer will erfahren haben, dass die hierfür erforderlichen Stellen seitens der Bundeswehr in den 220 Restplätzen nicht enthalten seien.

Ansonsten lautete Lehmers Einschätzung: „Was den Personal- und Aufgabenabbau betrifft, hat es uns eindeutig zu heftig erwischt.“ Für ihn sei jedoch wichtig, dass die Kooperationen mit der Wirtschaft sowie das Wiweb im Bestand gesichert seien. Zudem begrüßte er, dass für den Bahnausbau Flächen frei würden. „Das kann Auswirkungen auf die gesamte städtische Entwicklung Erdings haben“, so der Abgeordnete.

Gar nichts Gutes vermochte sein SPD-Kollege Ewald Schurer in dem Papier de Maiziéres zu entdecken. „Ich kritisiere schon lange die Intransparenz des Verfahrens. Die Menschen vor Ort wurden nicht eingebunden. Daher glaube ich auch nicht, dass es noch Verhandlungsspielräume gibt“, so Schurer. Der massive Personalabbau sei „ein Schlag ins Gesicht“. Die Entscheidung schmerze sehr, „zumal wir wirklich darauf hingearbeitet haben, das Beste für den Fliegerhorst herauszuholen“.

Schurer berichtet, dass seine Parteikollegin Susanne Kastner als Vorsitzende Verteidigungsausschusses de Maizière gefragt habe, warum es Erding so hart treffe. Der Minister habe geantwortet, er habe während der Beratungen nicht den Eindruck gehabt, der Staatsregierung habe viel am Erhalt gelegen. Es sei vor allem der S-Bahn-Ausbau betont worden.

„Mir tut jeder wegfallende Arbeitsplatz weh“, bekannte Bürgermeister Max Gotz. Allerdings habe man damit rechnen müssen, dass in einer strukturstarken Region eher Einschnitte vorgenommen werden. „Umso wichtiger ist es, dass wir ständig hinterher sind, neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen.“ Als Beispiel nannte er die Thermen-Erweiterung. Vom Bund verlangt Gotz, „jetzt schnell Konversionspläne für Nachfolgenutzungen vorzulegen“. Zudem müsse Klarheit geschaffen werden, „damit Gemeinden ein Vorkaufsrecht für Bundeswehr-Liegenschaften bekommen“.

Landrat Martin Bayerstorfer erklärte, mit einem derart tiefgreifenden Einschnitt habe er nicht gerechnete. Die Dezimierung sei sehr bedauerlich. Vor allem habe er nicht erwartet, dass das Instandhaltungsregiment aufgelöst werde. Bayerstorfer sagte aber auch, dass er auch positive Seiten sehe, nämlich den Erhalt des Wiweb und der Firmen-Betriebsstätten. Wie Gotz fordert auch er „konkrete Zeitpläne für die Auflösung“. Dazu sagte de Maizière am Nachmittag: „Das Gros sollte bis 2015 erledigt sein.“ Die Reform könnte bis 2017 abgeschlossen sein.

Hans Eberhard vom Fliegerclub Erding als Hauptnutzer des Flugplatzes sagte: „Wir hoffen, weiter in Erding fliegen und Hallen nutzen zu können.“ Wir sind aber nicht in der Lage, die Runway zu kaufen. Derzeit hänge man in der Luft.

Hans Moritz

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Fliegerhorst Erding: Das sagt der Regimentskommandeur

Auf dem Tiefpunkt war die Stimmung gestern im Fliegerhorst Erding. Heiko von Roeder, stellvertretender Regimentskommandeur des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1 sowie Vize-Standortältester, gab im Gespräch mit unserer Zeitung zu: „Als ich das vernommen habe, war ich geschockt.“ Sofort habe er an die vielen Menschen gedacht, „die hier zum Tel seit Jahrzehnten sehr engagiert eine hervorragende Arbeit leisten“, so von Roeder. „Ich habe nicht geglaubt, dass es sich um Tätigkeiten handelt, die man einfach verlagern kann“. Natürlich sei auch er von Veränderungen ausgegangen, „aber ich hätte nie gedacht, dass es ein solches Ausmaß annehmen wird“, gesteht der Oberstleutnant.

Immerhin: Von Reoder sieht im Reformkonzept von Verteidigungsminister Thomas de Maiziére eine „Zielvorstellung“. Daher sei keinesfalls davon auszugehen, „dass hier morgen zugesperrt wird“. Von Roeder ist überzeugt: „Das ist ein Prozess, der sich über Jahre hinziehen wird.“

Der Stellvertreter von Standortältestem Michael Rethmann setzt große Hoffnungen in de Maizières Reformbegleitgesetz. Das soll dazu beitragen, den Um- und Abbau der Standorte möglichst sozialverträglich zu gestalten. Zur Stimmung am Standort erklärte er: „Ich denke, den meisten ist es heute Morgen so ergangen wie mir – sie haben damit nicht gerechnet.“

Franz Neumüller, Personalratsvorsitzender des Luftwaffeninstandhaltungsregiments 1, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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