Dr. Bernhard Weigel Der Chirurgie-Chefarzt spricht jetzt Klartext.

Chefarzt rechnet mit Managern ab

Erding - In einem Brandbrief an alle Mitglieder des Kreistages und des Verwaltungsrates des Kreiskrankenhauses Erding legt Chirurgie-Chefarzt Dr. Bernhard Weigel seine wahren Kündigungsgründe dar.

Dr. Bernhard Weigel ist seit zehn Jahren Chef derChirurgie am Kreiskrankenhaus Erding. Mitte Januar teilten die Klinikmanager Joachim Ramming und Ingo Hüttner überraschend mit, dass er zur Jahresmitte gehen werde. Sie betonten, man trenne sich im Guten. Dieser Darstellung widerspricht Weigel in einem zweiseitigen Schreibenan die politisch Verantwortlichen vehement. Der Brandbrief wurde unserer Zeitung zugespielt.

Weigel erklärt, er sehe sich zur Klarstellung genötigt, „weil die beiden Krankenhausvorstände meine wahren Beweggründe bewusst verschleiern“. Die Bevölkerung solle in die Irre geführt werden. So sei es nicht richtig, dass er, Weigel, das Haus verlasse, um seine Lehrbücher zu überarbeiten. Diese Spruchweise hätten ihm Ramming und Hüttner vorgeschlagen, „damit meine Kündigung kein unnötiges Aufsehen“ erregt. Weigel habe sich dagegen verwahrt, „denn ich habe durch meine Kündigung ein großes Opfer gebracht und eine Aufgabe, die ich als mein Lebenswerk betrachte und mit entsprechend hohem persönlichen Einsaz leiste, zur Disposition gestellt“. Er habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst.

Weigel widerspricht auch der Darstellung Hüttners, er habe bereits eine neue Stelle. Zwar liege ihm ein wesentlich höher dotiertes Angebot aus Dubai vor. Doch Geld bedeute ihm nicht alles. Auch der Hinweis Rammings, Weigel sei überlastet, sei aus der Luft gegriffen. Allenfalls sei er der „ständigen Querelen mit der Klinikleitung“ überdrüssig.

Als wahren Grund seines Weggangs führt Weigel die Tatsache an, „dass man mir meine Kompetenzen Schritt für Schritt genommen hat“. Er habe keinen Einfluss mehr auf die Organisation seiner Abteilung. Auch ein Bonus für sein erfolgreiches Wirken sei ihm stets verwehrt worden.

Der Chefchirurg weist darauf hin, dass der Umsatz in seiner Abteilung vor zehn Jahren 2,2 Millionen Euro betragen habe, 2009 seien es 8,6 Millionen Euro gewesen. Daher erachtet es Weigel als eine Selbstverständlichkeit, „dass man mir aufgrund meiner Verdienste für den Rest meiner Amtszeit ein Mitspracherecht in organisatorischen Dinge gewährt“. Die Blockadehaltung der Vorstände sei für ihn völlig unverständlich.

Weigel macht unmissverständlich deutlich, dass er die Trägerschaft des Landkreises für die Klinik in Gefahr sieht: „Momentan wird alles auf den Kurs der Sana AG gebracht.“ Bekanntlich ist Ramming ein Angestellter des Gesundheitskonzerns, mit dem der Landkreis einen Managementvertrag abgeschlossen hat. Irgendwann müsse nur noch die Leuchtschrift an der Fassade ausgetauscht werden, so Weigel. Wer diesem Trend entgegentrete, der wird nach seiner Erfahrung gemobbt. Seien die Kritiker erst einmal beiseite geschafft, „bekommt man die Klinik viel schneller und geräuschloser in den Griff“. Der Kompetenzentzug bei vollem Erhalt der Verantwortung auf Seiten der Ärzte unter Hinweis auf eine betriebswirtschaftliche Führung des Hauses sei der „sicherste Weg, auch die motiviertesten Mitarbeiter in die innere Kündigung zu treiben“. Diese Entwicklung sei in weiten Bereichen längst eingetreten.

Weigel ist überzeugt: Das Kreiskrankenhaus wird Schaden nehmen. Der Chirurg betont, dass er sein Lebenswerk „nur zu gern in Erding vollendet hätte“. Die Erweiterung der Abteilung um die Bereiche Hand- und Wirbelsäulenchirurgie sowie Endoprothetik habe er „gegen den massiven Widerstand aller Vorstände, die in unserem Hause tätig waren und sind“, vorgenommen. Letztlich habe er auch das Handtuch geworfen, „weil ich nicht mit ansehen will, wie sich eine Aktiengesellschaft schleichend zwei Krankenhäuser einverleibt, die mit öffentlichen Geldern erbaut, in den vergangenen Jahren vollständig renoviert und in einen Top-Zustand gebracht worden sind“. Er stellt sein Bleiben in Erding in Aussicht, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man in Erding „nicht länger Erfüllungsgehilfen einer Aktiengesellschaft“ bleibt. (ham)

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