Chefarzt-Turbulenzen bescheren Kreiskrankenhaus ein Minus

Erding - Das Kreiskrankenhaus Erding hat mit seiner Klinik Dorfen 2010 erwartungsgemäß einen Verlust eingefahren. Das Defizit fürs Vorjahr beträgt 1,9 Millionen Euro.

1,7 Millionen Euro davon müssen nach aktueller Gesetzeslage für Pensionsverpflichtungen zur Seite gelegt werden. Unterm Strich bleibt ein Minus aus dem operativen Geschäft in Höhe von 200 000 Euro. Diese Zahlen nannten gestern Klinik-Vorstandschef Sándor Mohácsi und Verwaltungsratsvorsitzender Martin Bayerstorfer.

Beide betonten, dass man mit diesem Ergebnis „einigermaßen zufrieden“ sein könne. Sie führen den Einbruch auf die Turbulenzen zurück, die Anfang 2010 durch die Kündigung von Chirurgie-Chefarzt Dr. Bernhard Weigel und die daraus resultierende hitzige öffentliche Debatte entstanden waren.

Noch im Herbst war Bayerstorfer von einem Minus in Höhe von drei Millionen Euro ausgegangen. „die Belegung hat aber ab September stark angezogen, so dass der Fehlbetrag erheblich reduziert werden konnte“, berichtet der Landrat. Mohácsi ergänzt: „Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass aus kaufmännischer Sicht 2010 deutlich schlechter verlaufen ist als 2009.“

Dass im September eine Schubumkehr stattgefunden hat, führen Bayerstorfer und Mohácsi auf das hoch motivierte Personal zurück. „Für diesen Einsatz gerade unter erschwerten Bedingungen können wir uns nur bedanken“, so Mohácsi, der berichtete, dass die Sondervergütung von 400 Euro pro Vollzeitstelle mit dem April-Gehalt überwiesen worden sei.

Für heuer sind beide optimistisch. „Derzeit herrscht nahezu Vollbelegung“, berichtet der Vorstandschef, der knapp 100 Tage im Amt ist. Der April sei der stärkste Monat in der Klinikgeschichte gewesen. Für Mohácsi besonders erfreulich: „Die Patienten kommen nicht nur aus dem Landkreis, der Einzugsradius nimmt zu.“

Für das volle Haus macht er vor allem den neuen Chirurgie-Chefarzt Dr. Gerhard Konrad, den plastischen Chirurgen Cvetan Taskov und den Lungenheilkundler Prof. Dr. Hans-Peter Emslander verantwortlich. „Sie genießen einen guten Ruf weit über Erding hinaus“, so der Vorstandsvorsitzende. Nicht minder erfreulich: „Hier werden auch wieder spürbar mehr Babys geboren.“ Das soeben erst in Betrieb genommene Herzkatheter-Labor werde bereits gut angenommen. „Bis Jahresende wollen wir eine 24-Stunden-Bereitschaft anbieten können“, kündigt Mohácsi an.

Die gute Belegung hat aber auch ihre Schattenseite. Die Klinikspitze gibt unumwunden zu, dass es sehr schwer sei, zusätzliche Pflegekräfte zu gewinnen. „Es besteht Handlungsbedarf, wir setzen intensiv auf unsere eigene Schule, wo 2012 der erste Jahrgang fertig wird“, so Mohácsi. Ob 2011 wieder ein Gewinn ins Haus steht, können er und Bayerstorfer noch nicht absehen. „Unser Problem ist, dass sich die Vergütungsverhandlungen mit den Kassen am Ergebnis des Vorjahrs orientieren“, so der Landrat. 2011 soll das Krankenhaus weiter entwickelt werden. Erste Weichen seien gestellt.

(Hans Moritz)

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