Mord an Arztgattin

Chronik: Der Justiz-Thriller von Erding-Pretzen

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Der Justiz-Thriller um den gewaltsamen Tod einer Arztgattin aus Erding-Pretzen geht in die nächste Runde: Der zunächst freigesprochene Ehemann muss wieder vor Gericht. Lesen Sie hier die Chronik des Falls.

Erding - Das Drama beginnt am 4. Dezember 2013 in einem Reiheneckhaus im Erdinger Stadtteil Pretzen. Im Bad im ersten Stock kommt die 60 Jahre alte Brigitte B. ums Leben – auf gewaltsame Weise, wie sich später herausstellt.

Unter Verdacht gerät rasch ihr Ehemann, der angesehene Frauenarzt Michael B. (57). Er soll sie geschlagen und schließlich erwürgt beziehungsweise erstickt haben.

Das Ehepaar lebt noch nicht lange in Erding. Michael B., der zuvor Chefarzt an großen Krankenhäusern in Osnabrück und Bremen war, steigt hier in eine Praxis ein.

Am Abend des 4. Dezember 2013 läuft Michael B. nach seiner Rückkehr aus seiner Praxis zu einem Nachbarn. Er solle die Rettung holen, seine Gattin liege leblos im Bad. Der Notarzt kann nur noch den Tod feststellen. Obwohl im Bad viel Blut geflossen ist, wird anfangs noch kein Tötungsdelikt angenommen. Erste Hinweise ergibt erst die Obduktion.

Eine späte Erkenntnis, die die Aufklärung massiv erschwert. Denn die Polizei erlaubt Michael B. anfangs sogar, das Bad zu reinigen.

Tags drauf er dann doch festgenommen. Unter anderem an seiner Brille, an Handschuhen, unter einer Tasche und an seinem Fahrrad werden Blutspuren gesichert. Dennoch behauptet der Arzt, seiner Gattin kein Haar gekrümmt zu haben. Vielmehr habe Brigitte B. zu Nasenbluten geneigt. Die Spritzer an ihm könnten nur von der Reinigung des Fundorts stammen.

Im Zuge der Ermittlungen kommt heraus, dass Brigitte B. schwer alkoholabhängig war. Auch an besagtem 4. Dezember war Brigitte B. erheblich betrunken. Immer wieder soll es deswegen zu heftigen Streitereien gekommen sein. Michael B. wollte seine Frau zum Entzug zwingen. Michael B. hingegen malt die Ehe in den hellsten Farben, harmonisch sei sie gewesen. Täter könne nur ein unbekannter Dritter sein.

Die Staatsanwaltschaft Landshut geht davon aus, dass Michael B. seine Gattin im Streit erschlagen hat. Der Prozess wegen Totschlags beginnt am 6. November 2014 vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut. Es ist das letzte große Verfahren der als sehr erfahren geltenden Richterin Gisela Geppert.

Am 19. Januar 2015 fällt das aufsehenerregende Urteil: Das Schöffengericht spricht Michael B. frei. Seine Töchter fallen ihm weinend um den Hals. Geppert gibt zwar zu, dass sehr viel Indizien für Michael B. als Täter sprechen. Der zweifelsfreie Nachweis könne aber nicht erbracht werden. Deswegen müsse er freigesprochen werden. Der Kripo wirft Geppert handwerkliche Fehler vor.

Die Staatsanwaltschaft legt Revision ein. Fast ein ganzes Jahr nimmt sich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe Zeit, dann hebt er am 2. Dezember 2015 das Urteil auf und ordnet die Neuaufnahme an – man könne die Indizienkette auch anders bewerten.

Michael B. bekommt das nur noch aus der Ferne mit. Ehe ihn die Behörden stellen können, reist er nach Chile – als freier Mann. Mit dem südamerikanischen Land hat die Bundesrepublik kein Auslieferungsabkommen.

Zielfahnder des Landeskriminalamts machen den heute 57-jährigen rasch ausfindig. Er bewegt sich dort wieder in medizinischen Kreisen, zeitweise lebt er in der Küstenstadt Papudo. Am 22. Februar 2017 tritt er in Begleitung zweier Polizisten die (Zwangs-)Heimreise an – und wartet nun in der Justizvollzugsanstalt München Stadelheim auf seinen neuen Prozess. Der beginnt am 26. April.

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