Feuchtfröhliche Gaudi auf engstem Raum: Großveranstaltungen wie hier das Herbstfest Erding – unser Bild ist im vergangenen Jahr entstanden – sind bis vorerst Ende August grundsätzlich untersagt. Im Landkreis fallen damit zahlreiche Volksfeste und Partys aus. 
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Feuchtfröhliche Gaudi auf engstem Raum: Großveranstaltungen wie hier das Herbstfest Erding – unser Bild ist im vergangenen Jahr entstanden – sind bis vorerst Ende August grundsätzlich untersagt. Im Landkreis fallen damit zahlreiche Volksfeste und Partys aus. 

Volksfest, Sinnflut, Weiher Feia

Keine Großveranstaltungen wegen Corona: Abblasen statt Anzapfen 

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  • Veronika Macht
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Kein Fest, kein Bierzelt, keine Gaudi: Wegen Corona fallen bis Ende August sämtliche Großveranstaltungen aus – auch die Volksfeste im Landkreis. So gehen die Veranstalter damit um.

Landkreis– Volksfeste, Festivals, Messen, Fußballspiele – sämtliche Großveranstaltungen sind in Deutschland wegen der Corona-Pandemie bis vorerst 31. August abgesagt. Darauf haben sich die Regierungschefs der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch geeinigt. Damit fallen auch im Landkreis Erding zahlreiche Veranstaltungen aus – darunter das Herbstfest Erding, das heuer zum 80. Mal stattfinden sollte.

Erding

„Ich werde den zuständigen Ausschüssen empfehlen, die Feste nicht zu veranstalten“, sagt Oberbürgermeister Max Gotz mit Blick aufs 80. Erdinger Herbstfest (28. August bis 6. September) und das Altstadtfest Anfang Juli, aber auch auf das Sinnflut-Festival und die Weiher Feia. Eine Absage liege nach dem „klaren Fingerzeig“ von Ministerpräsident Markus Söder auf der Hand. „Ich hoffe, dass die vielen Ehrenamtlichen nicht zu sehr enttäuscht sind. Sie haben sich schon so viel Arbeit gemacht“, so Gotz. Das 80. Herbstfest, zu dem unter anderem ein Blumencorso geplant war, finde dann halt 2021 statt.

Taufkirchen

Ein Jubiläum hätte es auch in Taufkirchen gegeben: Dort wäre vom 10. bis 19. Juli das 60. Volksfest gefeiert worden – mit Umzügen und vielen weiteren Highlights. „Zur Sicherheit von uns allen müssen wir in den sauren Apfel beißen“, sagt Renate Bauer, Pressesprecherin der Gemeinde Taufkirchen, zum bundesweiten Verbot von Großveranstaltungen vorerst bis Ende August. Es kommt nicht unerwartet, deshalb habe es die Absprache mit der Brauerei gegeben, miteinander zu sprechen, bevor Anfang Juni mit der Produktion des Festbiers begonnen worden wäre. „Jetzt ist uns die Entscheidung abgenommen worden“, sagt Bauer. Sie vermutet ganz persönlich, dass heuer wahrscheinlich erst die Weihnachtsmärkte als Erstes wieder öffnen dürfen. „Mir tut es leid für die ganzen Lokale, Hotels und Betriebe, die auf Gäste angewiesen sind“, sagt sie.

Dorfen

Am 7. August hätte das Dorfener Volksfest starten sollen. Die Gaudi wird genauso ausfallen wie der Stadtlauf und der Grasmarkt am 10. Mai. Das berichtet Pressesprecherin Gudrun Gersbach auf Nachfrage. Ob das Fest eventuell verschoben wird, sei bisher nicht angedacht, müsse aber noch mit dem Stadtrat besprochen werden. Besonders ärgerlich dürfte das für den neuen Festwirt sein, den niederbayerischen Gastronom und Dult-Wirt Patrick Schmidt. Er sollte heuer in Dorfen seine Premiere feiern. „Das ist sicherlich schade, aber die Gegebenheiten sind nun einmal so, da muss man sich anpassen. Die Gesundheit der Allgemeinheit geht da vor“, sagt Gersbach.

Holzland

Da das Holzlandvolksfest –veranstaltet von Feuerwehr, Schützen und FC Inning – bereits an Pfingsten auf dem Programm steht, waren die Verantwortlichen in Inning schon auf das Schlimmste vorbereitet. „Es war absehbar, dass wir das Holzlandvolksfest heuer nicht haben können“, sagt Stefan Voglhuber, Vorsitzender des Festausschusses. Deswegen habe man bereits mit Bands, Zeltverleihern oder Kabarettisten, mit denen längst Verträge bestehen, gesprochen. Er sei froh, dass alle den Inningern entgegengekommen seien. Die offizielle Anordnung der Regierung vom Mittwoch sei nun quasi der finale „Todesstoß“ gewesen. Man sei sich im Festausschuss schon früh einig gewesen, dass man das Volksfest nicht durchgeführt hätte, selbst wenn man hätte dürfen. „Wir wollen uns da nichts vorwerfen lassen“, sagt Voglhuber. Ein Problem ist allerdings: Das Fest findet jedes Jahr im Wechsel aller vier Holzlandgemeinden statt. Steinkirchen und Hohenpolding hätten bereits signalisiert, dass sie kein Problem damit hätten, würden die Inninger nächstes Jahr Ausrichter sein. Dann wären aber die Schrödinger dran, und die haben für 2021 bereits Verträge abgeschlossen. Wie das nun geregelt wird, steht noch in den Sternen.

St. Wolfgang

Sechs heiße Tage hätten es in St. Wolfgang werden sollen. Der Burschenverein hat seine vom 10. bis 15. Juni geplante Festwoche anlässlich des fünfjährigen Bestehens seit Oktober 2017 geplant. „Der Festausschuss kam alle 14 Tage zusammen. Im Februar stand die Woche zu 95 Prozent. Es waren nur noch Details zu klären“, sagt Burschen-Chef Thomas Döllel. Im Programm standen eine Discoparty, ein Musikkabarett mit Stefan Otto, ein Bier- und Weinabend, Kesselfleischessen und viel Musik. Dass das Fest gekippt werden könnte, sei aber schon vor etwa zwei Wochen vorhersehbar gewesen. Seitdem werde mit den Vertragspartnern verhandelt, um die Festwoche ein Jahr später mit gleichem Ablauf starten zu können. Das neue Datum liegt voraussichtlich in der ersten Juni-Woche 2021.

Wartenberg

„Inoffiziell ist es schon abgesagt“, sagt Festwirt Anton Müller über das Wartenberger Volksfest, das vom 18. bis 22. Juni hätte steigen sollen. Gerade habe er mit Bürgermeister Manfred Ranft telefoniert. Müller trifft der Ausfall in mehrfacher Hinsicht hart, denn er betreibt auch die Gaststätte und das Hotel Reiterbräu. Zudem bricht derzeit die Belieferung von Schulen und Kindergärten weg. „Das ist nicht so ohne“, sagt er. „Aber es hilft nichts, wir müssen uns dem stellen.“ Derzeit versuche man, sich mit Takeaway- und Lieferservice über Wasser zu halten. Zweiter Festwirt in Wartenberg ist Simon Wankerl. Er ist vor ein paar Monaten im Reiterbräu ausgestiegen, betreibt jetzt in Unterbrunn ein kleines Hotel mit Wirtschaft. Das Volksfest hätten beide jedoch weiter zusammen absolviert, genauso wie das in Isen.

Isen

Mit Müller und Wankerl hat Isens Bürgermeister Siegfried Fischer bereits gestern Vormittag telefoniert und das Volksfest, das vom 24. bis 29. Juni stattfinden sollte, gecancelt. „Wir haben insgeheim damit gerechnet“, sagte auch Volksfestreferent Hans Schrimpf. Bis zum Schluss habe aber die Hoffnung bestanden, dass die Corona-Maßnahmen vielleicht früher gelockert werden. „Es wäre schön gewesen, eine der ersten Veranstaltungen nach dem Lockdown zu sein“, so Schrimpf. Ihren Kreuzmarkt am 17. Mai hat die Marktgemeinde ersatzlos gestrichen.

Sinnflut

„Wenn’s so ist, trifft es uns sehr, sehr hart“, sagt Sinnflut-Macher Börnie Sparakowski und mag die Absage noch gar nicht glauben. Ende Juli/Anfang August hätte das Festival zum 27. Mal auf dem Volksfestplatz stattfinden sollen. Die Planungen sind weit fortgeschritten, viele Band-Termine stehen. Jetzt muss Sparakowski mit Peter und Lea Feller von der Sinnflut Kultur GmbH überlegen, wie’s weitergeht – und abwarten, bis etwas Schriftliches vorliegt.

Weiher Feia

Ob die Weiher Feia ersatzlos gestrichen wird, will die Wasserwacht Erding mit ihrem Premium-Partner Erdinger Weißbräu Anfang Mai entscheiden. Der Termin 8. August am Kronthaler Weiher – es wäre die zehnte Auflage gewesen – wackelt auf jeden Fall, erklärt Wasserwacht-Vorsitzender Bernd Janowsky. „Mit dem Risiko müssen wir aber immer leben, denn wenn es regnet, können wir auch nicht feiern.“

Der BRK-Tochter würden dann wichtige Einnahmen verloren gehen. „Wir finanzieren unsere Arbeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Einnahmen wie aus der Weiher Feia“, erklärt Janowsky. Dafür packten mehrere hundert Helfer ehrenamtlich mit an. Die 7000 Besucher würden einen wichtigen finanziellen Beitrag leisten, mit dem die Wasserwacht Boote, Ausrüstung und Ausbildungen bezahlt. „Bei einer Absage geht uns viel Geld verloren, dann werden wir so manche Investition schieben müssen.“

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