+
Die Pointen saßen, Takt und Rhythmus gingen in die Beine: Da Huawa, da Meier und I gastierten mit ihrem neuen Programm „Agrat“ im Jakobmayer (v. l.): Sepp Haslinger, Christian Maier und Matthias Meier. Foto: Michaele Heske

Musikkabarett

Da Huawa da Meier und I im Jakobmayer in Dorfen: Boarisch-rebellisch

Da Huawa da Meier und I begeistern ihr Publikum im Jakobmayer in Dorfen: Boarisch-rebellisch ist das neue Programm „Agrat“. Aber nicht nur Klamauk ist geboten, die drei Musiker haben auch eine andere Seite.

Dorfen – Bei so viel Rhythmus konnte keiner im Jakobmayer-Saal sitzen bleiben: „Agrat liab samma mia nia“, rockte in Dorfen die Kultband Da Huawa, da Meier und I. Schnell merkte das Publikum: „Mia bleim Revolution.“ Der Auftritt des Trios war jedenfalls nicht nur ein musikalisches Feuerwerk, das zwischen Volkslied und Country, Reggae und Blues wechselte. Mit Esprit und Ironie brachten die Kabarettisten jene Geschichten auf die Bühne, die zum bayerisch-rebellischen Leben gehören.

Das neue Programm „Agrat“ war Musikkabarett vom Feinsten, mal krachert, mal nachdenklich und gesellschaftskritisch, aber immer weiß-blau. Zwei Niederbayern und ein Oberpfälzer auf der Bühne im Jakobmayer. Christian Maier, alias da Huawa, sowie Matthias Meier, „da Meier“, und Neuzugang Sepp Haslinger als „I“. Die Gitarre oder Blockflöte in der Hand, mit Waschbrett und Stöcken vom Schlagzeug zeigten sie eine breite musikalische Bandbreite.

Alle drei sind Vollblutmusiker, sehen den Dialekt als Status der Heimat, aber auch Symptom der Differenz. Dabei wird Privates schnell zum Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn etwa die Schwiegermutter seit Jahren jeden Sonntag Rosenkohl auftischt, den man ums Verrecken net mag, man sich aber nicht traut, das zu sagen. „Wir stimmen viel zu oft zu, statt eines einfachen Neins“, fasste Sänger Maier zusammen.

Diese Ambivalenz zwischen gesellschaftlichen Pflichten und persönlicher Qual wirkt provokant, und dennoch voll feinsinniger Ironie. Manchmal indes weigere man sich vergebens. So geschehen beim Widerstand gegen die Dorfener Autobahn. Immer wieder mokierte sich Maier über die A 94, und immer wieder hörte man seinen eigenen Protest durch, wenn auch nicht ausdrücklich, so doch herausfordernd monierten die Musiker mehrmals den Autowahn. Der Wechsel zwischen Plattitüden auf der einen Seite und Ironie andererseits, machten den beunruhigenden Witz der boarischen Musiker aus.

Beispielsweise bei der Parodie aufs Bienensterben. Meier, als Biene Maja verkleidet, flatterte aufgeregt über die Bühne. Beim Chillen im Steingarten sind Insekten bekanntlich unerwünscht. Und so jagte da Huawa in sich steigerndem Tempo bei Mambo-Klängen die Biene, erst mit Fliegenklatsche, dann mit chemischer Keule. Die Satire fand ihren Höhepunkt beim Tango Toiletti, bei dem Meier als Klofrau um einen Besen tanzte – inmitten einer fiktiven, automatisierten Kloanlage mit Bewegungsmelder, die den Mensch schlichtweg überfordert.

Doch nicht nur Klamauk stand auf dem Programm von da Huawa, da Meier und I, die erstmals in neuer Besetzung mit dem Programm „Agrat“ auf der Dorfener Bühne standen. Die Erinnerungen an das erste Zelteln mit den Spezies setze das Publikum in vergangene Zeiten zurück. Ohne GPS und Handy, dafür mit coolen Cowboystiefeln auf dem Radl unterwegs: „Des muasst de erstmoi traun.“

Die Pointen saßen, Takt und Rhythmus gingen in die Beine. Und schließlich präsentierte Maier einen nahezu philosophischen Song: „Hättst was G’scheites g’lernt“. Warum heute agrat alle Leute studieren müssten, fragte die Band. Ob ein guter Schreiner tatsächlich ins Büro gehöre? Eine Frage, die auch Maiers Vater gestellt hatte, als der Sohn Musik studierte. Doch Gott sei Dank macht das Trio seit bald 20 Jahren Musik. Die Kultband gehört jedenfalls auf die Bühne, ihre Talente wären agrat am Schreibtisch vergeudet. Und das Publikum im Jakobmayer hätte auf einen weiß-blauen Abend der besonderen Art verzichten müssen. (Michaele Heske)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heftiger Schlagabtausch um AfD-Fraktion
Der Kreistag ist gestern Nachmittag politisch nach rechts gerückt. Das Plenum nahm die Auflösung der ÖDP-Fraktion zur Kenntnis, ebenso die Neugründung der …
Heftiger Schlagabtausch um AfD-Fraktion
Mann erschießt zwei Polizisten bei Verhör - zuvor sorgte er am Flughafen München für Aufregung
Alejandro M. hat in Triest zwei Polizisten erschossen. Der 29-Jährige war 2018 am Flughafen München auffällig geworden, als er in den Sicherheitsbereich eindrang.
Mann erschießt zwei Polizisten bei Verhör - zuvor sorgte er am Flughafen München für Aufregung
Altenerding 2 gewinnt umkämpftes Derby beim TSV Taufkirchen
Die Handballerinnen der SpVgg Altenerding 2 gewinnt das Bezirksliga-Derby beim TSV Taufkirchen. Die Damen an der Vils sind mit ihrer Leistung dennoch zufrieden.
Altenerding 2 gewinnt umkämpftes Derby beim TSV Taufkirchen
Neues zum Finsinger Naturkindergarten
In Finsing soll ein Naturkindergarten entstehen. Dazu gab es erste Gespräche mit Kita-Trägern.
Neues zum Finsinger Naturkindergarten

Kommentare