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Michael Zurwesten vom TSV St. Wolfgang.

Spende erfolgreich

Dank ihm lebt ein Bub (8) weiter

St. Wolfgang - In der heutigen Zeit bekommt man manchmal den Eindruck, dass Fußball den gleichen oder gar einen höheren Stellenwert hat als die Gesundheit, der Job oder die Familie. Zum Glück belehrt uns diese Geschichte über Michael Zurwesten vom TSV St. Wolfgang eines Besseren.

Michael Zurwesten ist an sich kein auffälliger Fußballer. Er spielt in der Kreisliga Donau/Isar 2 beim TSV St. Wolfgang im Mittelfeld und hat auch keine bemerkenswerten Statistiken. Ein durchschnittlicher Amateurkicker eben.

Diese sportlich urteilende Ansicht ist gleichzeitig die Crux des Sportjournalismus. Statistiken, krasse Tore, harte Sprüche. Nichts davon spiegelt den Menschen wider, der dahinter steckt. Und so hätten wir vermutlich nur am Rande über Zurwesten berichtet. Aber seine Geschichte zeigt, dass die Menschen hinter den Zahlen und ihre Handlungen manchmal viel größer sind als das, was Fußball ist: ein Spiel.

Wie wir im September berichteten, rief Klaus Brandlhuber, Abteilungsleiter des Fußballs beim TSV, die Mitglieder und Unterstützer seines Vereins um Ostern an einem gut besuchten Fußballmittag zur Typisierung in der Knochenspenderkartei der DKMS auf. Im Rahmen der Aktion "Fußball-Helden" ließen sich 75 Freiwillige registrieren. Unter ihnen war auch der 34-jährige Zurwesten. Zu dem Zeitpunkt hatte er keine Ahnung, dass er ein halbes Jahr später einem Buben das Leben retten würde.

Im Juli erhielt er einen Brief der DKMS, in dem er über die Übereinstimmung mit einem Patienten informiert wurde. "Da war ich schon ziemlich aufgeregt", sagte er gegenüber der Sueddeutschen Zeitung. Nach einem gründlichen Gesundheitscheck in Stuttgart hatte er zwei Optionen: Entweder direkte Stammzellenabnahme aus dem Knochenmark unter Vollnarkose oder die periphere Spende, bei der er sich selbst über mehrere Tage ein Mittel spritzt, dass die Produktion von Stammzellen fördert.

Zurwesten, der selbst erst vor ein paar Monaten Vater wurde, entschied sich für Letzteres. Im September kam der große Tag. Nach zweieinhalb Stunden Behandlung war es vorbei. Erst dann teilte man ihm mit, wem er überhaupt die Chance aufs Überleben ermöglichte. Einem achtjährigen Junge in Tschechien, mit Blutkrebs erkrankt. Zurwesten und seine Frau hatten Tränen in den Augen: "Da geht's genau an den richtigen", war sein erster Gedanke.

Per Brief kurz vor Weihnachten erhielt er pünktlich zum Fest die frohe Botschaft, dass die Transplantation erfolgreich war und der Junge inzwischen schon aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Es geht ihm gut, auch wenn er von der Chemotherapie noch geschwächt ist. Für Zurwesten ist das eine tolle Nachricht: "Natürlich macht man sich Gedanken, wie es dem Patienten geht."

Treffen werden sich Retter und Glückspilz wohl nie. Nach tschechischen Regeln gilt absolute Anonymität, keine Namen werden genannt. Über die DKMS hat Zurwesten immerhin die Möglichkeit, einen namenlosen Brief an das Kind und seine Familie zu senden. Er möchte einfach wissen, wie es ihm geht und ihm ein kleines Geschenk zukommen lassen. Einen bayrischen Löwen.

Ob er jemals eine Antwort erhält, weiß er nicht. Aber das ist nicht so wichtig. Genauso unwichtig wie Tore und Abseitspfiffe. Schließlich hat er am Ende von diesem Jahr nicht primär die schlechte Positionierung seines TSv im Kopf, sondern darf von nun an mit dem vielleicht größten Prädikat, das es gibt, durchs Leben gehen - Michael Zurwesten ist ein Lebensretter.

Conan Furlong

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