Darmkrebs: Früherkennung als Lebensretter

Dorfen - Jährlich erkranken über 70 000 Menschen in Deutschland neu an Darmkrebs. Damit ist dies der Krebs mit den meisten Neuerkrankungen. Durch Früherkennung könnten viele Darmkrebsfälle verhindert oder geheilt werden. Wir sprachen über dieses Thema mit Dr. Ludwig Rudolf, Chefarzt der Klinik Dorfen.

Dass immer noch zu wenige Menschen zur Früherkennung gehen, liegt an der Angst vor der Untersuchung und fehlendes Wissen über die Chancen der Vorsorge. In der Klinik Dorfen hat Chefarzt Dr. Ludwig Rudolf im Rahmen eines Patientenforums gut 80 Besucher über den Darmkrebs informiert. Der Dorfener Anzeiger stellte dem Internisten und Gastroenterologen in eigener Praxis einige Fragen zum Thema Darmkrebs.

-Welche Symptome können bei Darmkrebs auftreten?

Bei frühen Darmkrebsstadien und Polypen, die einmal bösartig werden können, treten überhaupt keine Symptome auf.

-Sendet der Körper dann keine Alarmsignale?

Nur im fortgeschrittenen Stadium des Darmkrebses. Wenn der Krebs groß ist, kann es zu sichtbaren Blutungen kommen. Oder zum Darmverschluss.

-Ist Darmkrebs vererbbar? Gibt es Menschen mit einem erhöhten Risiko, an Darmkrebs zu erkranken?

Das Risiko ist in sehr unterschiedlichem Ausmaß vererbbar. Es gibt Syndrome, mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit Darmkrebs zu kriegen, das ist aber relativ selten. Aber der sporadisch auftretende Darmkrebs tritt familiär gehäuft auf. Die Genetik spielt zweifellos auch eine Rolle.

-Spielt auch die Ernährung eine Rolle bei der Entstehung von Darmkrebs?

Man nimmt an, dass eine ballaststoffreiche, vitaminreiche Ernährung, die arm an tierischem Eiweiß ist, günstig ist. Was man auch weiß: Alkohol im Übermaß und Rauchen erhöhen das Risiko für Darmkrebs.

-Was ist ein Stuhltest?

Damit kann man geringe, nicht sichtbare Blutmengen im Stuhl nachweisen. Dann gibt es auch noch den so genannten enzymatischen Test. Mit dem kann man bestimmte Enzyme, die von Tumoren und Polypen ausgesandt werden, entdecken.

- Wann ist eine Darmspiegelung erforderlich?

Bei einem positiven Stuhltest und auf jeden Fall auch bei einer klinischen Verdachtsdiagnose auf Darmkrebs. Wenn im familiären Umfeld, etwa bei Eltern oder Geschwistern, eine Darmkrebserkrankung aufgetreten ist, sollte man sich zehn Jahre vor dem Alter, in dem die entsprechende Person erkrankt ist, einer Darmspiegelung unterziehen.

-Ist eine solche Untersuchung schmerzhaft?

Nein. Wenn man eine Spritze bekommt zur Beruhigung und zur Schmerzunterdrückung, ist das überhaupt nicht schmerzhaft.

-Ab wann macht eine Darmkrebsvorsorge Sinn? Was wird bei einer solchen Untersuchung gemacht?

Die Darmkrebsvorsorge wird ab dem 55. Lebensjahr empfohlen. Es gibt jetzt aber auch schon Expertenempfehlungen, diese Untersuchung bereits ab dem 50. Lebensjahr machen zu lassen. Bei der Untersuchung wird eine Koloskopie, also eine Spiegelung des Darmes gemacht.

-Wird eine solche Untersuchung von den Krankenkassen bezahlt?

Bezahlt wird sie immer, wenn Beschwerden da sind, oder wenn sie als Vorsorgeuntersuchung durchgeführt wird.

-Kann die Todesrate an Darmkrebs durch Vorsorgeuntersuchungen gesenkt werden?

Sicher. Durch die Bank liegt die Sterblichkeitsrate bei Darmkrebs bei 50 Prozent. Wenn der Darmkrebs aber sehr früh entdeckt wird, ohne dass er bereits Metastasen gesetzt hat, dann beträgt die Überlebensrate bis zu 95 Prozent. Je kleiner der Tumor bei der Diagnosestellung ist, desto größer sind die Überlebenschancen.

-Wie wird Darmkrebs therapiert?

Der Regelfall ist die Operation. Sehr kleine Darmkrebse kann man auch mal endoskopisch abtragen. Abhängig vom Stadium des Krebses wird auch eine Chemotherapie durchgeführt. (ar)

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