Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeigers.

Debatte um Anbindehaltung

Kommentar: Was ist uns Tierwohl wert?

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Der Streit um die Anbindehaltung spitzt sich nach den Peta-Anzeigen zu. Gut, dass diese Haltungsform ein Auslaufmodell ist. Wer sich darüber echauffiert, sollte sich aber auch überlegen, ob er an der Fleischtheke bereit ist, mehr zu bezahlen, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Niemand wird bestreiten, dass im Stall angebundene Rinder nicht die Form der Tierhaltung sind, die wir uns wünschen – und schon gar nicht den Kühen. Es ist gut, dass das ein Auslaufmodell ist. Wer die Anbindehaltung kritisiert, muss aber tiefer gehen. Neue, große Laufställe sind teuer und aufwändiger zu betreiben. Die Halter bekommen indes immer weniger für ihr Fleisch, weil die meisten Konsumenten gierig auf Ramschpreise sind. Die Tierwohlfrage betrifft uns unmittelbar selbst.

Es ist unbestreitbar, dass Hinweisen auf Verstöße gegen Tierschutzgesetze nachgegangen werden muss. Doch im Fall der elf angezeigten Landwirte aus dem Landkreis Erding sind Zweifel angebracht. Bislang ergeben sich laut Landratsamt keinerlei Indizien, dass die Landwirte Tierquäler sind. Auch die Staatsanwaltschaft hat noch nichts. Was gar nicht angeht, ist, dass Aktivisten von Peta wahllos Höfe an den Pranger stellen, nur um öffentliche Wirkung zu erzielen. Und wenn sie tatsächlich vor Ort waren – belegt ist das bis heute nicht – stellt sich die Frage, ob sie sich dabei rechtskonform verhalten haben, oder ebenfalls strafrechtlich verfolgt gehören – wegen Einbruchs und Hausfriedensbruchs zum Beispiel.

Unglücklich ist die Formulierung von Umweltminister Thorsten Glauber, die von seiner Behörde wegen Peta angeordneten Kontrollen könnten mit anderen zwecks Synergieeffekten verbunden werden. Das lässt durchaus den Schluss zu, er traue den Bauern nicht. Dass dann von Generalverdacht die Rede ist, ist nicht verwunderlich.

ham

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