Festhalten an Erinnerungen: Die Demenz zerstört das Gedächtnis. Die Krankheit beginnt schleichend.

Licht in die Herzen

Demenz: Auf einmal wurde er immer stiller

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Dorfen - Wo ist bloß der Haustürschlüssel? Habe ich in der Wohnung das Licht ausgemacht? Sich häufende kleine Vergesslichkeiten machen vielen Menschen Sorgen. Es ist die Angst, vielleicht an Demenz erkrankt zu sein. Der geistige Verfall verändert nicht nur das Leben der Betroffenen. Auch deren Familien trifft es hart.

Wenn es dunkel wird im Gedächtnis, bleibt in betroffenen Familien kein Stein mehr auf dem anderen. Je weiter die Krankheit fortgeschritten ist, desto intensiver muss die Betreuung des Kranken werden. Demenz ist nicht nur für die Betroffenen selbst eine große Belastung, sie bürdet den pflegenden Angehörigen eine kaum vorstellbare Last auf. Diese Last schultern zu können, dafür steht in Dorfen die Nachbarschaftshilfe Dorfen.

Der Verein unterhält einen Helferkreis Demenz. Darin engagiert ist eine Gruppe von geschulten Laien, die Demenzerkrankte im häuslichen Bereich stundenweise betreuen. Der Helferkreis Demenz erfüllt die gesetzlichen Voraussetzungen für ein qualitätsgesichertes Betreuungsangebot und ist von der Zentrale Bayern Familie und Soziales (ZBFS) anerkannt und wird auch finanziell gefördert. Die ehrenamtlichen Helfer wurden in einer 40-stündigen Schulung zum Thema Demenz ausgebildet.

Festhalten an Erinnerungen: Die Demenz zerstört das Gedächtnis. Die Krankheit beginnt schleichend.

Die derzeit 24 Helferinnen und Helfer tragen dazu bei, dass der Erkrankte solange zuhause bleiben kann, als dies möglich ist. Gleizeitig steht die Stärkung der individuellen Fähigkeiten des Kranken und dessen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Mittelpunkt. Gespräche, Spaziergänge, gemeinsame Einkäufe und die Begleitung, etwa in die Kirche, sollen den Lebensmut der an Demenz Erkrankten stärken.

Hilde Mittermaier, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe: „Wir übernehmen im häuslichen Bereich für einige Stunden die soziale Betreuung für Demenzkranke mit erheblichem allgemeinen Betreuungsbedarf. Dadurch werden die oft rund um die Uhr allein pflegenden Angehörigen für einige Stunden entlastet und haben Zeit für sich selbst, während der kranke Angehörige in der vertrauten Umgebung betreut wird.“ Wie die gemeinsame Zeit während der Betreuung jeweils gestaltet wird, orientiert sich an der Lebensgeschichte und den aktuellen Bedürfnissen des Erkrankten. „Wichtig ist, dass es allen Beteiligten Freude macht und nicht mit Stress verbunden ist“, so Mittermaier. Die Helfer erleben dabei Schicksale, die ihnen unter die Haut gehen. Das zeigt das Beispiel eines Austragsbauern, der mittlerweile verstorben ist. Er war ein lebenslustiger und aktiver Mensch. Er half zuhause auf dem Hof mit, war immer in Bewegung. Das Erste, was die Familie bemerkte: Auf einmal wurde der alten Mann immer stiller. Die morgendlichen Zeitungslektüre interessierte ihn nicht mehr, auch die Lust an Kreuzworträtseln war weg. Irgendwann folgte auf Drängen der Familie dann der Gang zum Arzt. Die schockierende Diagnose: Demenz. Lange Zeit pflegten die Angehörigen den alten Mann alleine. Irgendwann war auch ihre Kraft zu Ende. In der Nachbarschaftshilfe Dorfen fanden sie Hilfe. Wenn die ehrenamtlichen Helfer zur Betreuung kamen, konnte die Familie wenigstens für einige Stunden durchatmen. In diesem Jahr leistetenen die ehrenamtlichen Helfer der Nachbarschaftshilfe über 300 Einsätze für die Betreuung Demenzkranker .

Doch nicht nur die Ehrenamtlichen im Helferkreis Demenz sind es, die einem Respekt abnötigen. Die Dorfener Nachbarschaftshilfe ist längst zur Sozialen Feuerwehr der Stadt geworden. Im Angebot ist auch eine nachbarschaftliche Hilfe wie Botengänge, Haushaltshilfe und Krankenbesuche. Die größte Herausforderung ist für die Ehrenamtlichen aber der Betrieb der Dorfener Tafel. An die 200 Personen kommen im Durchschnitt wöchentlich zur Ausgabestelle der Tafel, um sich Lebensmittel abzuholen. Die Zahl hat sich in diesem Jahr mehr als verdoppelt. Hintergrund dafür ist, dass auch Asylbewerber die Tafel nutzen können. Wöchentlich werden pro Person etwa fünf Kilogramm Lebensmittel bereitgestellt. 35 000 Kilogramm sind das im Jahr. Die insgesamt 45 Tafelhelfer leisten im Jahr etwa 3000 Stunden ehrenamtlichen Dienst verteilt auf etwa 1000 Einsatzstunden.

Licht in die Herzen

Das Leserhilfswerk des Erdinger/Dorfener Anzeiger unterstützt die Nachbarschaftshilfe Dorfen e.V.. Spenden sind auf das Konto (Nummer 17 111) bei der Sparkasse Erding möglich. Kontoinhaber: Zeitungsverlag Oberbayern. IBAN: DE54700519950000017111. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt. Dies vermerken Sie bitte mit Ihrer Adresse auf der Überweisung. Die Namen der Spender werden veröffentlicht. Wer eine Veröffentlichung nicht wünscht, vermerkt es bitte ebenfalls auf der Überweisung.

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