„Echtes deutsches Fest“: Alle bayerischen Klischees bedient die Operette in dieser satirischen Szene – und dann erscheint auch noch leibhaftig der „Kini“. Foto: Renner

"Die lustige Witwe" im Jakobmayer

Ein skurril-groteskes Kunstwerk

Dorfen - Operette macht Spaß. Das zeigt „Die lustige Witwe“, mit der dem österreichischen Komponisten Franz Lehar zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Renaissance der bereits totgesagten Operette gelungen ist, und die nun in Dorfen auf die Bühne gebracht worden ist.

Die in Paris angesiedelte frivol-erotische Handlung und die effektvolle Musik trafen den Nerv der damaligen Zeit. In der Dorfener Inszenierung von Andreas Wiedermann wird aus der „Lustigen Witwe“ eine bunte wie skurril-groteske Operette per Exellence. Bei der Premiere der Operette im Jakobmayer-Saal, die von den Freunden des Jakobmayer und der Opera Incognita präsentiert wird, gab es viel Beifall - aber auch einzelne Buh-Rufe.

In der Dorfener Fassung des Operetten-Klassikers verlegt Wiedermann die Handlung in das von den Nationalsozialisten besetzte Paris des Jahres 1944. Wohl nicht ohne Hintergedanken. Denn Lehárs „Die lustige Witwe“ war die Lieblingsoperette von Adolf Hitler - er war auch bei der Uraufführung am 30. Dezember 1905 in Wien dabei. Genau 108 Jahre später sorgt in Dorfen die Operette im Dekorationsrahmen der NS-Zeit ein wenig im Stil von Charly Chaplins „Der große Diktator“ für eine wunderbare satirische Aufbereitung dieses dunklen Kapitels deutscher Geschichte. Wie überhaupt Wiedermann die Operette zu einem satirischen Rundumschlag nutzt.

So wird nicht nur durch vier Rauten das Hakenkreuz ad absurdum geführt, auch die Darstellung ranghoher Offiziere der deutschen Wehrmacht wird persifliert. Doch Wiedermanns satirische Seitenhiebe treffen nicht nur die NS-Zeit. Bei einem „echt deutschen Fest“ wird in Lederhosen und Dirndl gefeiert. „Ozapft is“ und „Mia san Mia“ tönt es von der Bühne. Die bayerische Seppl-Mentalität lässt grüßen - vor allem, als auch noch König Ludwig leibhaftig erscheint.

Bilder: Die lustige Witwe in Dorfen

Wiedermann ist es großartig gelungen, die alte Operette mit legendären Melodien durch eine satirische Note zu einem neuen Kunstwerk zu machen. Trotz des durchgängigen Klamauks lebt die Dorfener Inszenierung natürlich von Gesang und Musik. Der musikalische Leiter Ernst Bartmann ist Garant für die Professionalität. Unglaublich, was er aus seinem kleinen Kammerochester und dem Chor herausholt.

Schon sensationell ist die erstklassige Besetzung. Dorothee Koch glänzt als verruchte Witwe. Gesanglich wie schauspielerisch Extraklasse ist auch Bonko Karadjov als gefühlsduseliger Major der Deutschen Wehrmacht. Angelika Mayer gefällt als anständige Frau und heimliche Résistance-Unterstützerin, Martin Summer überzeugt als französischer Kollaborateur ebenso wie Markus Murke als urkomischer Liebhaber. Großartig auch Maxim Matiuschenkov als debiler Wehrmachts-General, der im Rollstuhl agiert. Ständig präsent ist Elisabeth Margraf als Dienstmädchen, die immer wieder auch als eine Art Nummerngirl durch die einzelnen Akte der Operette führt - auch optisch ein Hingucker.

Die Inszenierung lebt auch von den tollen Kostümen, die von Bärbel Gruber ausgesucht und zur Verfügung gestellt werden. Das minimalistische Bühnenbild von Anton Empl tut das Seine dazu, dass die Dorfener „Lustige Witwe“ ein echtes Schmankerl geworden ist. Das Urteil: unbedingt anschauen.

Dies wurde auch immer wieder durch Szenenapplaus und einem großen Beifall zum Ende vom Premierenpublikum honoriert. Einzeln zu hörende Buh-Rufe dürften sich wohl auf persönliche Animositäten bezogen haben.

Anton Renner

Weitere Spieltermine:

„Die lustige Witwe gibt es noch am 3./4./5./6. sowie 15./17. und 18. Januar zu sehen. Karten beim Ticket Treff Dorfen, Tel. (0 80 81) 13 93, oder an der Abendkasse.

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