Dramatische Szene: Möbius (Markus Hübner) bekommt in der Klinik Besuch von seiner Frau (Patrizia Kürzeder) und den Kindern. Foto: Zimmerer

"Die Physiker" im Jakobmayer: Das Happy End ist abgesagt

Dorfen - Das Stück „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt wurde bereits 1962 uraufgeführt, hat aber an Aktualität nichts eingebüßt. Mit Einfallsreichtum und Spielfreude brachten die engagierten Theatermacher der „Kunstfalle“ es im Jakobmayer-Saal auf die Bühne - und ernteten viel verdienten Applaus.

Die minimalistische Bühnenausstattung ist ganz im Sinne des Autors, so dass nichts vom Thema ablenkt, nämlich der Verantwortung der Wissenschaft für die Menschheit. Wenn am Ende „Hells Bells“ der Rockband AC/DC erklingt, wähnt das betroffene Publikum sich der Hölle auf Erden nahe - das Happy End ist abgesagt.

„Gedachtes kann nicht mehr zurückgenommen werden“, weiß der geniale Physiker Möbius (Markus Hübner), und so gerät seine Weltformel trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in die Hände der Chefärztin (Barbara Skerhut). Letztere entpuppt sich als einzige Verrückte in der Nervenklinik, während die Physiker Möbius, Einstein (Klaus Hartmann) und Newton (Gerhard Adams) ihren Wahnsinn nur vortäuschen. Erst nach und nach kommt diese Absurdität ans Tageslicht, was vor allem den zweiten Akt mit seinen dramatischen Wendungen äußerst spannend gestaltet.

Immer wieder werden Szenen mit Musikeinspielungen untermalt. Symptomatisch für den ersten Akt ist die Szene, als Möbius Schwester Monika (Bianca Adams) ermordet, gerade als beide sich ihre Liebe gestehen und zu dem Song „You are so beautiful“ innig umarmen.

Das Publikum wirkt zunächst verstört. Dennoch darf geschmunzelt werden, vor allem wenn Newton seine Verrücktheit auslebt oder Möbius’ Kindern (Julia Greimel, Laetitia Wegmann und Jakob Dötsch) ein Flötenstück vollkommen misslingt. Auch die Slapstick-Einlage der beiden Pfleger (Alfred Vogelsang und Thomas Wittmann) beim Aufstellen der Metallgitter hat Witz.

Die Figuren verlangen den Darstellern schauspielerische Höchstleistungen ab, was scheinbar mühelos gelingt. Auch die Entscheidung der Physiker, für immer in der Klinik zu bleiben, um die Menschheit vermeintlich zu retten, wirkt glaubhaft („Entweder bleiben wir im Irrenhaus, oder die Welt wird eines“). In weiteren Rollen überzeugten Beate Seeliger, Reinhard Seeliger, Patrizia Kürzeder, Werner Schroll, Sophia Adams, Marina Schönherr und Katja Buchholz.

Das Theaterensemble „Die Kunstfalle e.V.“ gibt es seit 2012. Der Verein ging durch die Namensänderung aus der Minghartinger Bühne e.V. hervor.

Albert Zimmerer

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