Wechsel im Aufsichtsrat: Vorstandsmitglied Reinhold Lindner stellt sich mit Regionaldirektor Genossenschaftsverband Anton Kandler, Ex-Aufsichtsrat Anton Schneider, Aufsichtsrat Wolfgang Brandlhuber und dem Vorstandsvorsitzenden Felix Lechner dem Fotografen.
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Wechsel im Aufsichtsrat (v. l.): Vorstandsmitglied Reinhold Lindner, Regionaldirektor Genossenschaftsverband Anton Kandler, Ex-Aufsichtsrat Anton Schneider, Aufsichtsrat Wolfgang Brandlhuber und Vorstandsvorsitzender Felix Lechner.

Wirtschaft

Raiffeisen St. Wolfgang darf Dividende nicht ausschütten

Vier Prozente sollte es geben, aber die Bankbehörde hat St. Wolfgangs Raiffeisenbank ausgebremst.

St. Wolfgang – Auf ein „außerordentliches Jahr“ blickte der Vorstandsvorsitzende Felix Lechner in der Generalversammlung der Raiffeisenbank St. Wolfgang-Schwindkirchen im Schex-Saal zurück. Das Geschäftsjahr 2019 umriss er so: gutes Wachstum beim Kundengeschäft, tolles Ergebnis im Provisionsbereich, erstklassiges Kreditportfolio und keine Ausfälle, Ergebnis noch zufriedenstellend. Nur die Europäische Zentralbank (EZB) sorge mit ihrem Niedrigzinskurs für große Enttäuschung – und jetzt dann noch die Corona-Krise.

Auch 2019 war ein erfolgreiches, aber dennoch „schwieriges Jahr“ mit „großen Herausforderungen“, beschrieb Lechner. Intern habe „eine Schwangerschaftswelle“ für viel Freude, aber auch für Personalengpässe gesorgt, die aber dank engagierter Mitarbeiter gut bewältigt worden sei.

Genauer beleuchtete er die Zinspolitik. Die habe sich für Banken weiter verschlechtert wie auch das „regulatorische Umfeld“. Eine lahmende Wirtschaft, wie 2019, mit lediglich 0,6 Prozent Wachstum habe das Land seit Jahren nicht mehr erlebt, erläuterte Lechner. Gründe waren eine schwächelnde Weltkonjunktur, Handelskonflikte der USA und Unsicherheiten rund um den Brexit.

„Gut gelaufen“ sei vor allem der Aktienmarkt, getrieben durch die enorme Geldmenge, die die Notenbanken in die Märkte pumpten. Aber statt der erwarteten Zinswende habe die EZB ihren expansiven Kurs sogar noch verschärft – bei einem weiteren Leitzins von 0 Prozent.

Auf 0,5 Prozent erhöht worden sei dagegen der von Banken zu zahlende Negativzins. Hoffnung hegte man, dass mit Abgang von EZB-Präsident Mario Draghi die Niedrigzinsphase ende.

„Der Wunsch ist zerplatzt wie eine Seifenblase“, so Lechner, denn die EZB sei mit ihrer neuen Präsidentin Christine Lagarde weiter strikt auf Niedrigzinskurs. „Risiken und Nebenwirkungen dieser Zinspolitik für die Banken scheinen komplett ignoriert zu werden“, betonte der Vorstandsvorsitzende. Die Unabhängigkeit der EZB von der Politik scheine verloren zu sein.

Während sich die Banken immer mehr sorgen, freuten sich hierzulande unsere Politiker „wie kleine Kinder an Weihnachten“ über Niedrigzinsen und geringere Schuldendienste in Milliardenhöhe. Dagegen seien die Folgen von langfristig niedrigen Zinsen für die Banken im Land gewaltig, warnte Lechner.

Das Gesamtbetriebsergebnis 2019 sei weiter gesunken, musste Lechner berichten. Einlagen und Kredite hätten dennoch für ein zufriedenstellendes Wachstum der Bilanzsumme (231 Millionen Euro) gesorgt. Aber trotz guten Wachstums im Kundengeschäft und des Sondereffekts eines bankeigenen Bausparvertrags über rund 200 000 Euro sei die Differenz zwischen Haben- und Schuldzinsen weiter rückläufig gewesen.

Hohe Einnahmeausfälle im Zinsbereich konnten bereits heuer hervorragende Ergebnisse im Vertrieb nicht kompensieren. Die „ständig zunehmende Bürokratie“ verursache dazu immer mehr Aufwand und Kosten. Lechner klagte: „Ein Ende des Regulierungstsunamis ist nicht in Sicht.“ Und nach dem Wirecard-Finanzskandal werde wohl „wie immer mit einer Flut neuer Vorgaben und Anforderungen reagiert“. Corona, Niedrigzinsen und Bürokratie lassen ihn befürchten, dass das Betriebsergebnis der Raiffeisen weiter „deutlich zurückgeht“.

Gerne hätten Bankvorstand und Aufsichtsrat den Bankmitgliedern die Ausschüttung einer Dividende von vier Prozent vorgeschlagen, versicherte Lechner. Wegen befürchteter Belastungen des Bankensektors aufgrund der Corona-Krise habe die EZB „mit Nachdruck“ aber alle Banken aufgefordert keine Dividenden auszuzahlen. Die deutsche Bankenaufsicht „Bafin“ habe „unmissverständlich klar gemacht“, keine Abweichungen zu akzeptieren.

Eine Anfrage bei der Bankbehörde nach einer Ausnahme für die Wolfganger Raiffeisenbank sei schnell beantwortet gewesengewesen: „Nein, es gibt keine Ausnahmen.“ Beschlossen wurde dann, keine Dividende für 2019 auszuzahlen.

Einen Wechsel gab’s im Aufsichtsrat: Schreinermeister Wolfgang Brandlhuber aus Lappach wurde neu in das Dreier-Gremium gewählt, der frühere Gemeinderat Anton Schneider schied nach 27 Jahren aus und stand aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl. Zwölf Jahre war Schneider Aufsichtsratsvorsitzender. Lechner würdigte das großartige Engagement und jahrelange Wirken des Landwirts aus Weizenbach zum Wohle der Genossenschaft, in der er „viele wichtige Entscheidungen mitgetragen“ habe. Dazu zählten die Fusion mit der RaiBa Schwindkirchen und der Zusammenschluss der Warengeschäfte zur RWG sowie die Bewältigung der Finanzmarktkrise.

Regionaldirektor Anton Kandler würdigte Schneiders treue Dienste und hohes Engagement mit der Silbernen Ehrennadel des Genossenschaftsverbands nebst EhrenurkundeVon .

Hermann Weingartner

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